Nur 10 Minuten nach unserem Übernachtungsplatz halten wir beim Friedhof und der verfallenen Ruine der Kirche von Cross schon wieder an.








Sehr berührend sind die Inschriften auf den Grabsteinen von (meist amerikanischen) Nachfahren, die ihre Wurzeln suchten und die letzten Ruhestätten ihrer Vorfahren fanden.


Mir gefallen diese alten Kirchen und die Friedhöfe mit den vielen Keltenkreuzen. Sie wirken so erhaben irgendwie, die Spiritualität ist spürbar, aber nicht auf das rein Christliche beschränkt. Zumindest empfinde ich das so…

In Irland sind Familiengräber über mehrere Generation hinweg üblich. Die Clan-Namen stehen oft gut sichtbar auch auf der Rückseite und manchmal ist auch gleich noch Werbung vom Steinmetz inbegriffen.


Nach dem Foto-Stop in Cross gibt’s Scones und Cappuccino zum Frühstück in Kilkee und dann fahren wir Richtung „Burren“ im Norden von County Clare. Die Cliffs of Moher lassen wir sein. Fussballfeld gross sind die proppenvollen Parkplätze – das ist uns viel zu viel Trubel!


Ich fahre gefühlt stundenlang über Stock und Stein durch eine wunderschöne Heidelandschaft mit unzähligen Steinmäuerchen und schönen Blumen, Flechten und ab und zu einem Pferd oder zwei, drei Kühen – auf engsten Strassen natürlich, immer mit Nervenkitzel vor der nächsten Kurve und Schlotterknie, wenn dann wirklich einer kommt und ich kreuzen muss…



In Caherconnel Fort angekommen, sind wir zuerst ziemlich skeptisch, ob das etwas für uns sein könnte. Sie zeigen hier, wie mit den Schaf-Hüte-Hunden gearbeitet wird. Es ist so eine Art Zirkus-Vorführung – aber entgegen unseren Befürchtungen ist es spannend, witzig und sehr interessant! Wir haben einiges gelernt!

Die Hunde sind auf Zuruf und Pfeiftöne dressiert. Jeder Hund bekommt eigene Pfiffe, damit er auch einzeln angesprochen werden kann. Übrigens sind es meistens Hündinnen, die Rüden sind scheinbar nicht geeignet für diese harte Arbeit…
Mit 3 Jahren sind die Hunde ausgebildet, mit 12/13 Jahren gehen sie (verdient!) in Pension.

Vier Hunde können zusammen etwa 150 Schafe leiten und führen, zusammentreiben oder auch separieren. Im folgenden Video war der Auftrag, 3 Schafe aus der Gruppe herauszunehmen.
Uns wurde auch noch der Farbencode für die Schafe erklärt (die sind ja immer so furchtbar bunt angesprayt). Der Hirte hat schnell und mit heftigem Dialekt gesprochen. Ich habe folgendes verstanden: Die Schafe verbringen den Winter in den Bergen, dafür gibt es die Farben ihrer Besitzers auf den oberen Rücken. Die Männchen kriegen blaue Farbe auf den Bauch. Wenn die Weibchen dann einen blauen Hintern haben, ist klar, dass es bald Lämmchen geben wird 🤭

Nach der Sheep-Dog-Show besichtigen wir noch eines der wichtigsten Steinzeit-Symbole der Region, den Poulnabrone Dolmen.

Der Dolmen ist kleiner als erwartet, aber ich finde es doch immer wieder faszinierend, solch Zeugnissen der frühen menschlichen Kultur zu begegnen.


Dieser Grabstein ist älter als die Pyramiden. 33 Menschen wurden hier begraben. Es wurden Schmuck und Pfeilspitzen gefunden und man weiss immer noch nicht genau, wie und warum diese Rituale stattfanden.


Ausserdem ist die Umgebung des Dolmen schon sehr aussergewöhnlich.







Der Burren, ein Massiv aus Kalkstein im Nordwesten des County Clare, ist eine einzigartige Landschaft. Grösser als der Kanton Aargau erstrecken sich die Kalkstein-Felsen dem Meer entlang von den Cliffs of Moher bis zur Corcomroe Abbey, die wir am nächsten Tag besuchen.
Viele alpine und sogar arktische Pflanzen wachsen hier.



In der Nähe, in Lisdoonvarna, parkieren wir am späten Nachmittag auf einem Wohnmobil-Stellplatz der Gemeinde beim Hydro-Hotel. Municipale Stellplätze für Camper sind in Irland leider die absolute Ausnahme. Dieser hier kostet wenig und die sehr nette Lady vom „Failte“-Büro will uns noch zum Comedy-Abend (halb englisch/gälisch) einladen und hat Tipps für ein Dinner in Town.




Das Roadside Tavern (Seafood) wäre sicher sehr fein gewesen, es duftete auch so! Leider aber schon total ausgebucht.
Die zweite Empfehlung war das „Ritz“: Die Fish&Chips und der Chicken-Burger haben unseren Hunger gestillt. Das Guinness war lecker. Mehr will ich dazu gar nicht sagen.

Im Bus noch eine kleine Weile Netflix und dann gingen wir schlafen. Die Nacht war ruhig und ereignislos.
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