Während der Rest Europas seit Wochen unter grosser Hitze mit Waldbränden und und Dürre ächzt, haben wir hier oft eher gefroren und hatten definitiv genug Regen und Nässe! Jetzt geht es bei Temperaturen knapp unter 20 Grad und Regenschauern Richtung Schweden… wir müssen langsam heimwärts. Zeit für eine Einschätzung…
Die Landschaft Norwegens ist gross und grossartig! Die Weite gefällt mir, die riesigen Wälder, die steilen und doch nicht schroffen Berge, das Meer und die Fjorde! Es ist eindrücklich und wirkt definitiv entschleunigend – mit der Zeit aber trotz aller Schönheit auch etwas langweilig. Bei besserem Wetter hätten wir das vielleicht anders empfunden…
Die meisten Strassen führen den Seen und Fjorden entlang, ab und zu gibts eine Fähre, einen Tunnel oder einen Pass. Mit der Zeit wird das irgendwie etwas eintönig…



Die vielen Brücken und Tunnels sind der Schweizer Ingenieurskunst mindestens ebenbürtig: 24 km der längste Tunnel und 130m unter Meeresspiegel tief einer unter dem Fjord hindurch…

Jede Strecke zieht sich allerdings endlos lange hin, weil man meist nur irgendwo zwischen 40 und 80 km/h schnell fahren kann. Aber sind die Strassen so kurvig und schmal, dass schneller eigentlich gar nicht möglich wäre. Wir wurden gewarnt, dass Geschwindigkeitsbussen sehr hoch seien. Wir halten uns also an das verordnete Schneckentempo. Die einzigen, die sich nicht an die Tempolimite halten, sind Norweger…Positiver Nebeneffekt: Unser Bus verbraucht deutlich weniger Most als zuhause…🤭

Autobahnen gibt es nur Nähe Oslo. Für die vielen Fähren und Mautstrassen lohnt sich ein „BroBizz“-Gerät an der Windschutzscheibe kombiniert mit „autopass ferjekort“… dann kann man überall durch und bekommt teilweise sehr gute Rabatte. Muss man aber etwa 6 Wochen im voraus online in die Wege leiten! Die Rechnung kommt dann nach Hause in etwa einem halben Jahr…

Rote Häuser sieht man am meisten, aber sie sind auch gelb, grün und blau und oft grau, weiss , schwarz und braun, manchmal mit aufwändigen Schnitzereien an Balkonen oder am Giebel. Einzelne Häuser stehen verzettelt in der Landschaft herum, auch wenn kein Dorf in der Nähe ist. Entlang der Fjorde hat es sehr viele Ferienhäuser.


Die Dörfer sind klein, selten ein Restaurant und grössere Einkausgeschäfte gibt’s auch nur in Städten.
Campingplätze hat es teilweise sehr viele, dann wieder gar keine. Sanitäranlagen sind nicht immer top – ich bin froh, dass wir unsere eigene Toilette haben. Zum Haare waschen gehen wir in Hotels oder Hütten. Diese „hytter“ die man auf dem Zeltplatz oft auch mieten kann, sind sehr einfach gehalten: eigene Tücher und Bettwäsche mitbringen und mit Etagenbetten rechnen. Doch man kann kochen und bei Schlamm oder Sturm sind sie eine willkommene Alternative zum Zelt.

Das Essen hat mich positiv überrascht. Im Gegensatz zu Dänemark essen wir hier oft gut, fein gewürzt, mit innovativen Zutaten sowie schön angerichtet. Eine Freude 😋😋😋 vegetarisch gibt’s zwar nur auf Anfrage, vor allem ist Fleisch und Fisch im Angebot. Die Süssspeisen sind sehr gut und vor allem die Fischsuppe (fyske suppe) ist mega lecker (sogar Sebi fand sie ganz fein)😉! Brot: Es gibt gutes Grahambrot, ist aber mit der Zeit doch etwas langweilig.





Die Norweger trinken Kaffee in allen Varianten. Man kriegt auch Cortado, Espresso oder Cappuccino und Latte machiato beinahe überall – und zwar guten!!! Sebi hatte heite einen „Thor‘s Hammer“ (starker Filterkaffee mit zwei Espresso drin)😳
Alkohol ist teuer – wird hier vor allem am Freitag & Samstag konsumiert. Wenn man an anderen Tagen Wein trinkt, nennen die Einheimischen das „continental drinking“🤣 Bier gibt’s im Supermarkt, Schnaps und Wein man kann nur in den staatlichen „Vinmonopolet“ kaufen. Dafür gibt es dort eine Riesenauswahl. Wir kaufen immer „Boxed Wine“ im 3 Liter Karton – ist ein Gefühl wie im Schlaraffenland (Hähnchen auf und es kommt immer was raus😉) und er lässt sich im Camper am besten versorgen!

Vegetation: Viele violette und gelbe Blumen am Wegesrand, die Wälder sind sehr dicht mit üppigem Unterholz, was am Boden liegt, treibt wieder aus… hier noch die Nationalblume (hat Sebi entdeckt auf Lysøya) oder vielleicht ist es sie doch nicht?

Die Berge sind steil, vor allem im Westen, aber nicht kantig und felsig, sondern abgerundet und oft bewaldet bis oben. Sie sind auch nicht sehr hoch, 2000m ist schon viel!
Die Fjorde sind teilweise sehr lang, meistens etwa so breit wie irgendein Schweizer See, sie können aber auch viel breiter sein (Meer ähnlich). Auch in den Fjorden gibt es Ebbe und Flut. Man ist also auch 100 km von der Küste entfernt immer wieder auf Meeresspiegel-Höhe.

Im Landesinneren ist die Baumgrenze viel tiefer als bei uns, schon auf 1200m Höhe wächst meistens nur noch Gebüsch und weiter oben viele Flechten, Gräser und kleine Büsche. So stelle ich mir Tundra vor…

Wasserfälle hat es überall und ständig!!! Sogar Andy kann sie bald nicht mehr sehen…









Die Leute sind sehr freundlich, hilfsbereit, geduldig und höflich! Alle können Englisch, Deutsch nur ganz selten (obwohl sie es in der Schule als zweite Fremdsprache wählen können).
Tiere:
Moschusochsen sind schwer erreichbar, aber es ist sehr cool dieses urtümliche Tier in der Wildnis zu erleben!
Adler leider keine gesehen, dafür umso mehr Möwen. Nicht nur gesehen – auch gehört: Sie sind laut und haben eine unglaubliche Vielfalt an Tönen!!!
Schafe wie in Schottland überall auf und neben der Strasse 🐑🐏🐑
Mücken hat es manchmal plötzlich ganz viele und sehr eklige, sie haben mehrtägige Kratz- und Nerv-Attacken ausgelöst… ich bin sicher sie sind mit den Midges of Scotland verwandt 😤

In Sachen Natur hat Norwegen viel zu bieten und wir waren ja nur im Süden bis Höhe Kristiansund (N). Der Norden im Winter mit Polarlicht, Nordkap, Schlittenhunde-Touren etc. Das reizt uns immer noch! Aber die untere Hälfte von Norwegen haben wir glaub für den Moment gesehen…
Nichtsdestotrotz gab es einige Highlights, die uns sehr gefallen haben und noch lange in Erinnerung bleiben werden:






Kulturell gibt dieses Land jetzt auch nicht sooo berauschend viel her. Aber zwei Sachen haben uns total begeistert: Kistefos Museum in Hadeland und Sagastad Wikinger Museum in Nordfjordeid! Das waren ganz tolle Highlights!!!! Absolut empfehlenswert 👍👍👍


Und schlussendlich ist das alles egal:
Richtig gut ist es nur mit den richtigen Leuten ❤️

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