Safiental, Val Müstair & Val de Travers (Herbst 2020)

Winterpneus sind montiert, Schneeketten sind dabei, Lesestoff, Suppe und warme Socken sind eingepackt… sogar ein Blumensträusschen ist dabei mit Kräutern und der letzten Rose aus meinem Garten.

Gassli-Camp im Safiental

Aber auf Grund der garstigen Wetterprognosen (Schnee bis in die Alpentäler, auf Bergspitzen bis zu einem Meter!) entscheiden wir uns den Start in unsere Herbstferien um zwei Tage zu verschieben und geniessen zuerst noch ein erholsames Wochenende zuhause.

Am Montagmorgen fahren wir los Richtung Safiental. Der Himmel ist wieder einigermassen blau, wir geniessen die schöne Fahrt auf bestens geräumten, schmalen und kurvigen Strassen.Es ist schon sehr abgelegen, dieses Tal mit den alten Valser Siedlungen, aber die wilde, wunderschöne Landschaft fasziniert von Anfang an.

In Thalkirch angekommen gibt’s einen Kaffee im Restaurant Gasslihof und einkaufen im Hofladen. Uns wird erklärt, wo sich unser Nomady-Camp befindet und wir reservieren fürs Znacht am folgenden Abend. 500m den Berg hochfahren, jetzt wirklich mitten im Schnee, parkieren wir neben einer kleinen Mulde mit Aussicht auf Piz Beverin, Bruschghorn und Alperschällihorn. Ausser dem Rauschen der Rabiusa unten im Tal hört man nichts. Gar nichts. Beim Sitzplätzli machen wir ein Feuer und wärmen uns mit Kafi Luz 🙂

In der Nacht sehen wir einen Hasen, der gemütlich auf einer schneefreien Stelle sitzt und Gras frisst. Andy beobachtet einen Wolf, der etwa 200m weit weg von uns eine Runde zieht. Später beobachtet der Wolf uns, von einer etwas weiter entfernten Hügelkuppe aus. Schon noch eindrücklich! In der Nähe des Safientals / in der Surselva gibts mehrere Wolfsrudel…

Wir sind au 1750 müM und in der Nacht ist’s unter Null Grad. Doch unser Büsli schafft die 2 Tage autark einwandfrei, obwohl wir die Heizung eigentlich dauernd laufen lassen müssen. Wir geniessen, hängen, lesen, schlafen, essen sehr gemütlich Zmorge, spazieren ein bisschen und gaffen die schöne Landschaft an!

Santa Maria im Val Müstair

Am Mittwoch suchen wir erst mal eine grosse Migros. Unsere faltbare Pfanne hat nämlich beim Würstli-Anbraten den Geist aufgegeben und wir brauchen Ersatz. Danach geht’s weiter über Albula und Ofenpass/Nationalpark ins Val Müstair.

Auf dem kleinen Camping „Pe da Munt“ richten wir uns ein um die angesagten Regenstürme Freitag und Samstag gut zu überstehen. Es hat kaum andere Camper, dafür grasen die Kühe im Wald…

Am Donnerstag geht’s aber zuerst mal noch auf eine kleine Wanderung nach Müstair, wo wir die Klosterkirche und den Friedhof besichtigen. Capuns zum Zmittag für Andy und dann wieder zurück nach Santa Maria. Duschen & Haarewaschen macht in den alten Sanitäranlagen bei gefühlt 5 Grad nicht wirklich Spass, ist aber nötig. Danach sitzen wir noch lange am Feuer und snacken Käse, am Stecken geröstetes Brot und Hirschsalsiz. Und später gibt’s im Bus einen gemütlichen, sehr langen Netflix-Serien-Marathon.

Freitag regenet es schon von Anfang an. Aber hier hängen wir ja am Strom und können heizen, kochen, surfen, Musik hören so viel wir wollen. Ich aktualisiere den Blog… 🙂 und wir beschliessen erst am Samstag, auf Grund der aktuellsten Wettermeldungen, einen Plan für die nächsten Tage zu machen. Es ist in der ganzen Schweiz überall ziemlich das gleiche Sch…Regenwetter angesagt. Wir werden sehen, wohin es uns verschlägt.

Herbstferien wie weiter?

Heute werden wir von lautem Gebimmel geweckt: Alpabzug 🙂 !
Die Kühe müssen vor dem Ertrinken in Schlamm und Sumpf gerettet werden! Es regnet danach den ganzen Tag weiter und der Pool vor unserm Bus wird immer grösser. Mit lesen und Brot backen https://wordpress.com/block-editor/page/sueundandy.travel.blog/680 wird’s trotz dem garstigen Wetter ein schöner und sehr friedlicher Ferientag.
Gegen Abend kommt sogar noch die Sonne, aber es ist kalt!

Plan morgen: Umbrail – Tirano – Puschlav. Mal schauen ob’s dort etwas wärmer ist und der Regen eine Pause macht.

Ganz anders als geplant

Der Sonntagmorgen ist nass, grau und kalt – aber wenigstens regnet es nicht mehr. Guten Mutes fahren wir nach dem Zusammenpacken los Richtung Italien. Der Umbrail-Pass ist tipptopp ausgebaut und wirklich kurvig… Unser Bus hat einen richtig guten Wendekreis, Andy fährt die Serpentinen wie ein Profi und wir sind froh um die vielen PS, denn es geht steil nach oben! Es schneit ein bisschen und die Temperatur ist knapp über dem Gefrierpunkt, aber die Strasse ist nur nass und nicht schlipfrig.

Plötzlich beginnt eine Warnlampe zu leuchten. Der Bus fährt nur noch im Notbetrieb, der Motor wird gedrosselt und wir halten natürlich bei erster Gelegenheit an. Die Bedienungsanleitung sagt was von „Motorenschaden“ und „Vorglühfunktion gestört“ und „Fehler bei Start-Stopp-Automatik“… Iiiiih!!! Wir sind ziemlich gar nicht erfreut! Das Auto war ja erst grad im Service und ist noch so gut wie neu 😦

Nach einer kurzen Pause probieren wir weiter zu fahren – ohne Probleme, aber nach etwa 5 Minuten kommt die Warnung wieder. Erneut anhalten. Wir sind fast zu oberst, es schneit und windet wie verruckt, hier können wir nicht stehen bleiben, es ist einspurig und wir behindern den Verkehr (der aber nicht stattfindet)… Also fahren wir weiter und sind einige Minuten später zuoberst auf 2505 müM und an einem Grenzposten – da ist aber keiner.

Was jetzt? Für Italien wäre wirklich besseres Wetter angesagt, aber irgenwie wollen wir mit einem nicht ganz zuverlässigen Auto nicht ins Ausland. Es ist wie ein Zeichen. Da sollen wir glaub nicht hin.
Und so drehen wir um, und fahren nach Hause. Über Ofenpass und Flüela, Davos und Küblis (feines Zmittag) und auf der Autobahn zurück in den Aargau.

Natürlich leuchtet die Warnlampe kein einziges Mal mehr auf. Unterwegs wird natürlich auch das Wetter immer besser, aber eigentlich freuen wir uns jetzt auch aufs warme Zuhause, aufs breite Bett, auf eine heisse Dusche und darauf, unseren lieben Haus-Sitter-Besuch auch noch etwas zu geniessen. Und wir schmieden neue Pläne. Schliesslich ist noch eine Woche Ferien angesagt. Update folgt…

Kunstpause und dann ab ins Val de Travers

Dienstag und Mittwoch regnet es schon wieder, wir besuchen das Kunsthaus Zürich und die Fondation Beyeler in Riehen. Wir waren beide schon ewig nicht mehr in einem Kunstmuseum. Auch wenn ich von Malerei und Co. nicht so viel verstehe… ich geniesse es immer sehr, in den grossen Räumen herumzuschlendern, mich hier und da auf etwas einzulassen, mich überraschen oder irritieren zu lassen… es hat gut getan!

Die einzigen beiden einigermassen sonnigen und vor allem trockenen Tage in der zweiten Herbstferienwoche sind Donnerstag und Freitag. Mit einem neuen Blumensträusschen sind wir parat und fahren früh am Mittwoch los, diesmal Richtung Westen!

Zuerst wird ein lang gehegter Wunsch erfüllt: wir besuchen das Papiliorama in Kerzers. Ein Erlebnis!!!

Aber im Papiliorama hat es zu viele Besucher für uns – nach 2 Stunden flüchten wir rauf in den wilden Neuenburger Jura. In Mont de Buttes, zuhinterst im Tal, haben wir mit Nomady einen Übernachtungsplatz gebucht, auf einer Wiese mitten im Wald auf ca. 1100 müM. Zuerst gibts natürlich Apéro, dann feine Cervelats und Kartoffeln. Wirklich weit ab von der Zivilisation sind wir nicht, aber auf der Strasse fährt keiner, es gibt kaum Lichtverschmutzung und man hört nichts ausser Kuhgebimmel von ganz weit weg… Wir verbringen einen ruhigen Abend und geniessen es, nochmal unterwegs zu sein.

Am nächsten Morgen machen wir uns früh auf Weg zum Creux du Van. Es hat noch nicht viele Leute, wir fahren hinauf und parkieren beim Restaurant Soliat. Von dort aus wandern wir zum nördlichen Aussichtspunkt und dann der Kante entlang bis zur anderen Seite (ca. 4 km) und wieder zurück. Für uns passionierte Faulenzer ist das schon eine ganz passable Strecke 😉

Es ist auf +/- 1300 müM ziemlich kalt, etwas neblig und recht windig, die Aussicht ist trotz grauem Wetter absolut spektakulär und beeindruckend. Es geht 500 m senkrecht runter! Wir sehen (weibliche) Steinböcke mit ihren Jungen von ganz nahe und es war wahrscheinlich ein Hermelin, welches so flink davon gerannt ist als wir kamen – zu schnell für Fotos, aber wir konnten es sicher eine Minute gut und auf wenige Meter beobachten , wie es über die Steinmauer hüpfte, kletterte und sich dann schlussendlich irgendwo darin versteckte.

Pause gibt’s auf der Wanderung mit süssem Kaffee aus dem Thermos und Schoggi-Guetzli und bei der Heimfahrt ein Sandwich oberhalb des Neuenburgersees. Am nächsten Tag regnet es wieder in Strömen und so ist die einzige Bus-Aktivität das Putzen und paratmachen für die nächste Reise…

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