Meer muss her… unbedingt! Und Meer mit richtigen Wellen! Wildes Meer!!!
In der Schweiz herrscht Gruselwetter und eigentlich wohl in ganz Europa… doch (noch) müssen wir uns an die Schulferien halten, deshalb ist die kommende Woche einfach die Woche die es sein wird!
Wir haben Reiseberichte und Videos über die Bretagne angeschaut und uns entschieden: Da müssen wir hin!Den Wetterbericht haben wir auch konsultiert. Wir sehen diese Ferien als Test für 3 Monate in Schottland , Irland, England und Wales im Herbst nächstes Jahr!
- Hält der Bus – und vor allem der Zeltstoff beim Aufklappdach, wo wir schlafen) heftigen Regen und Sturm aus?
- Sind Jacken und Schuhe wasserdicht?
- Wie gut ist die Heizung wirklich ?
- Wie viele Kleider braucht man, wenn man täglich nass wird?
😂😂😂
Sozusagen eine Hardcore-Adventure-Woche… doch ich freue mich sehr, komme was wolle 😊😊😊
Der Bus ist gepackt und morgen früh (gaaaanz früh, der Wecker klingelt um 03.00 Uhr) geht es los. Ziel: Vannes (und einen Stellplatz unter dem Viadukt erwischen).
Wir haben seit einer Woche neue Solarpanels mit 400 Watt Ladekapazität auf dem Dach und zwei neue 2,4 kWh-Lithium-Eisenphosphat-Batterien unter den Sitzen… auch die werden geprüft bei dem angesagten „man muss die Sonnenstunden suchen“-Wetter…
Zur Sicherheit wird über Nacht nochmal Strom angehängt😉

Rochefort-en-Terre
Morgens um 4 gestartet, quer durch ganz Frankreich gen Westen und um halb 4 nachmittags gibt’s schon Apéro auf einem Stellplatz unterhalb des kleinen Dorfes.
Wir hatten am Anfang viel Nebel, aber keinen Verkehr, keinen Stau und keine Baustellen auf der Autobahn! Gegen Mittag wurde es sogar richtig sonnig und warm. Brav abgewechselt beim Fahren, dazu Gummibärchen und einige Espressi und Cappuccini – so haben wir die 1000 km relativ easy gemeistert!



Gegen Abend spazieren wir hoch zum mittelalterlichen Örtchen Rochefort-en-Terre, das 2016 zum schönsten Dorf Frankreichs erkoren wurde. Es zieht zu und wird kühler, wir nehmen den Schirm mit. Normalerweise ist es hier sehr touristisch, aber heute beinahe leer.







Die kleine Kirche hat uns gefallen: Sehr authentisch, nicht so eine „vergoldete“…






Alles hier wirklich malerisch und wie aus einer anderen Welt…









In der Crèperie du Haut Lion essen wir unsere ersten Galettes.

Meine sind sehr lecker gefüllt mit Feigen und Ziegenkäse und getoppt mit gesalzenen Körnern. Andy hat etwas ausprobiert. Seine war bedeckt mit Kartoffeln, Blue Cheese und Andouille de Guémené… – er hat es gar nicht mal so schlecht gefunden, bis wir rausgefunden haben, was es ist: Wurst aus geräucherten Kutteln😝. Da musste gleich noch eine Crèpe Suzette her…
Wir sind noch etwas rumspaziert und dann zurück zum Stellplatz (sehr ruhig, mitten in einem kleinen Wäldchen) und schon um 9 Uhr ins Bett.
In der Nacht hat es immer wieder leicht geregnet. Ich liebe das Geräusch der Tropfen auf dem Dach, während es unter der warmen Decke schön kuschelig und gemütlich ist ❤️ Wir haben beide wunderbar geschlafen bis um 6 Uhr und uns dann den ersten Cappuccino im Bus gemacht (Neuanschaffung Milchschäumer von bialetti)!


Vannes
Nach einer sehr ruhigen Nacht fahren wir weiter nach Vannes. Es tröpfelt immer mal wieder, wir laufen mit Schirm und Regenmantel bewaffnet in die Altstadt.









Unterwegs in einer Markthalle finden wir heraus, dass die Kutteln-Wurst anscheinend hier eine richtige Spezialität ist…

Naja… über Geschmack lässt sich streiten!



Unterwegs, kreuz und quer durch die Altstadt bis zum Hafen: Dort hat es mehr Leute, aber nicht zu viele.






In einer Bar mit netter Bedienung essen wir Zmittag und warten, bis der plötzliche, heftige Regen nachlässt. Grad rechtzeitig haben wir hier noch einen Platz gefunden und das Essen ist gut.


Danach laufen wir entlang der Remparts und bestaunen die schönen Parks.

Überall in der Altstadt sehen wir Schilder mit dem Sonnenkönig und im Schlosspark einen komischen Drachen.



Im Nachhinein finde ich heraus: Das Hermelin ist das Wahrzeichen der Stadt. So heisst auch das Schloss. Es wurde der Stadt 1697 von Louis XIV. geschenkt. Da sowieso die ganze lokale Regierung inzwischen nach Nantes gezogen war, stand das Gebäude nämlich leer und verlotterte. Die Gärten davor sind jedoch wunderschön.










Es gäbe in Vannes sicher noch viel anzuschauen (Kathedrale, Tore, kleine unabhängige Shops etc.)… die Stadt kommt sehr sympathisch und interessant rüber. Aber das Wetter wird immer schlechter und wir wollen endlich ans Meer. Wir laufen zurück zum riesigen Friedhof, wo wir unseren Bus parkiert haben. Gerade noch rechtzeitig, bevor es wieder richtig anfängt zu regnen.




Halbinsel Quiberon
Nach Vannes geht es an die Küste. Wir fahren über die schmalste Stelle, die Landenge von Penthièvre (nur 23m breit) an die Ostküste der Halbinsel.



Auf dem Camping Municipale de Rohu installieren wir uns Mitte Nachmittag direkt am Meer – ein Traumplatz😍!

Der Platz hier ist sehr einfach und es hat nur wenig andere Camper.
Das Meer ist nicht sehr wild, aber der Unterschied zwischen Ebbe und Flut ist beträchtlich! Voll Ebbe sehen wir nicht, denn sie ist entweder am Mittag (sind wir noch nicht da) oder mitten in der Nacht. Aber das ist der Unterschied von einer Stunde:



Wir beobachten ein paar Kitesurfer, die Möwen und Segelschiffe und ich mache einen kleinen Strand-Spaziergang.




Dann essen wir noch etwas Kleines (Baguette, Käse, Salami) und geniessen den Sound der Wellen und die freie Sicht auf die Bucht von Morbihon.


Mit Einbrechen der Dunkelheit beginnt das Lichtspiel der vielen Leuchttürme, sind aber alle weit weg. Umso beeindruckender ist der wunderbar volle Sternenhimmel!


Auch im Bus drin hört man das Meeresrauschen richtig laut und ich liebe die Aussicht vom Bett aus.

La Côte sauvage
Nach einer gemütlichen Wake-up-Phase checken wir am Montagmorgen im Büro des Campingplatzes ein: Wer am Wochenende kommt, kann sich einfach mal hinstellen und installieren wo man will, die sind hier ganz entspannt…


Das Check-in dauert einen Moment und schon lernen wir in der Schlange ein paar Franzosen kennen. Bis jetzt waren immer alle sehr freundlich und nett. Überhaupt nichts von dem überheblichen Getue, das man den Franzosen früher immer unterstellte.

Das Wetter wird immer besser. Wir fahren nach Portivy gleich am Eingang der Halbinsel Quiberon und trinken dort einen feinen Espresso. Die Bar hat ihre Tische am Hafen aufgestellt, wir sitzen in der Sonne und leckere Croissants gibt es auch.

Wir wollen heute an der wilden Küste wandern. Das Auto stellen wir auf einen höhenbeschränkten Platz hinter dem Dörfchen Portivy ab. Gut, dass unser Bus unter 2m kann.


Wir spazieren oben auf den Klippen und können uns kaum satt sehen an der herrlichen Küstenlandschaft.



Das tosende Meer, der heftige Wind, die Gischt der riesigen Wellen… Die Szenerie wird mit jedem Schritt eindrücklicher.
Diese Dünen und Granitfelsen werden seit Jahrtausenden von Wind und Wasser gepeitscht und so entstanden Buchten und Felsformationen von ausserordentlicher Schönheit!
Der Küstenabschnitt rund um die Pointe Percho gefällt uns extrem gut!



Die Wanderwege im Naturpark darf man nicht verlassen, hier brüten seltene Vögel und der Schutz der Dünen ist gewährleistet.

Die Pfade sind mit niedrigen Zäunen eingefasst und das ist grad gut, dann weiss man, wo es langgeht.





Diese Küste ist einfach sensationell! Wir entdecken an jeder Kurve neue Aussichten und kommen aus dem Staunen nicht heraus.

Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie lange ich aus den unzähligen Fotos und Videos aussuchen musste für diesen Blogbeitrag.



Ein guter Orientierungspunkt: Die Ruinen des Zollpostens sieht man während der ganzen Wanderung.
Die Wanderung rund um den Pointe du Percho bietet einen außergewöhnlichen Blick auf diese atemberaubende Natur. Unbedingt empfehlenswert!

Schliesslich finden wir auch den berühmten Arche de Port-Blanc.

Ich traue mich aber nicht runter zum Strand…


Wir hätten an einer Bucht vorher oder nachher hinunter steigen müssen und dann am Meer um die Felsen herum laufen. Dafür scheint mir die Brandung zu gefährlich.
Sicherheit wird hier gross geschrieben. Wir treffen immer wieder auf Notrufsäulen.

Kurz darauf machen wir uns auf den Weg zurück zum Parkplatz. Das Wetter hat es heute gut mit uns gemeint: Blauer Himmel, „Schäferwölklein“ und ziemlich warm.

Doch wenn es hier richtig bläst, ist es wohl auch weiter weg von der Küste noch heftig: Hier Sturmschäden auf dem Rückweg über die Hochebene.

Nach diesem tollen Erlebnis haben wir Hunger. Uns wurde das Restaurant La Base im Port Haliguen empfohlen. Da fahren wir hin und geniessen eine exquisite Seafood-Platte und einen feinen Salat. Zwar keine Moules &Frites, aber trotzdem sehr lecker.


Das Restaurant liegt bei einem riesigen Yachthafen.

An der prominentesten Stelle im Hafen ankert ein restaurierter, alter Dreimaster, den wir am Abend davor von weitem draussen im Meer gesehen hatten. Schönes Schiff!






Heute Abend lassen wir es gemütlich ausklingen. Es sind starke Winde und Gewitter angesagt, aber eigentlich passierte nicht viel, ausser ein schöner Regenbogen.

Carnac und Auray
Wir machen uns schon um 10 Uhr auf den Weg, denn wir müssen etwas ganz Wichtiges erledigen.
Am Abend vorher hat Andy seine Lieblingsjacke gesucht und den ganzen Camper auf den Kopf gestellt, um sie zu finden. Sie war aber einfach nicht da. Plötzlich kam ihm in den Sinn: Wahrscheinlich ist sie am Morgen in der sonnigen Bar am Hafen am Stuhl hängen geblieben!

Die Telefonnummer herauszufinden war knifflig, denn: Keine Website und auf allen Portalen nur immer die Adresse ohne Telefon. Nur bei einer Touri-Info-Website auf französisch, da war plötzlich eine Nummer vorhanden. Also ruf ich dort an und stottere mein Anliegen vor: Bonsoir… Excusez-moi… s‘il vous plait… oublié… ce matin… un jaquet vert? („veste“ wäre richtiger gewesen – aber ich hatte keine Zeit mich schlau zu machen, denn die Bar macht um 21 Uhr zu und es war kurz vorher).
Die Frau am anderen Ende war aber total nett und tatsächlich hat sie die Jacke gefunden und aufbewahrt. Und die wollten wir nun holen.
Natürlich haben wir dort noch einmal Espresso getrunken, feine Croissants verspeist und das Hafenleben beobachtet:


Ein Mann schaufelt angeschwemmte Algen in seinen Kombi und fährt davon. Hinten hängt noch alles raus, leider war ich nicht schnell genug mit der Kamera.

Danach fahren wir zu den jungsteinzeitlichen „Alignements de Carnac“. Diese Steine wurden vor 7000 Jahren aufgestellt und bis heute ist ihre Bedeutung immer noch unklar. In Carnac gibt es über 3000 dieser Menhire, sie stehen in 10 bis 12 Reihen auf mehr als 4 km Länge.

Leider ist es auch ziemlich touristisch hier und trotz gegenteiliger Information aus dem Netz sind die Megalith-Felder nicht frei zugänglich, sondern hinter einem verschlossenen Zaun.
Trotzdem laufen wir um das erste Feld herum und sind beeindruckt von der schieren Menge der mystischen Steine mitten im blühenden französischen Stechginster.





Es beginnt zu tröpfeln als wir weiterfahren zum Wallfahrtsort Sainte-Anne d’Auray mit seiner Basilika. Der kleine Ort ist mit Ausnahme fröhlicher Kantischüler ziemlich ausgestorben.

In der Kirche drin ist es extrem weihrauchig. Mir gefällt sie nicht besonders.





Wir laufen noch kurz im Park herum und zu einem Mahnmal für die im Ersten Weltkrieg getöteten Soldaten.



Danach fahren wir ins Städtchen Auray hinein. Auch hier ist nicht viel los, ausser jede Menge Galerien und Schuh- und Optiker-Läden. Durch die Oberstadt spazieren wir hinunter zum Hafen.

Am Port Saint-Goustan kraxeln wir ein bisschen in den steilen Gassen herum…





…und machen das obligatorische Foto der Brücke von der Panorama-Promenade „Rampes du Loch“ aus.

Die bretonische Sprache hat schon eine verwandte Seite mit schottischen Ausdrücken (Loch = Meeresarm). Hier noch ein lustiger Dorfname:

Es regnet schon wieder ein bisschen und Andy fühlt sich nicht so besonders wohl. Wir entscheiden uns das Sightseeing abzubrechen und fahren zurück zu unserem Strand-Stellplatz. Dort scheint die Sonne wieder, doch bei zügigem Wind ist es auch ziemlich kühl.

Vorher waren wir noch einkaufen, denn für Mittwoch ist Regen ohne Ende angesagt und wir wollen einen Faulenzer-Tag einlegen.


Zum Znacht gibt’s Hörnli-Schinken-Lauch-Pilz-Gratin aus dem Omnia.
Regentag
Unser Dreckgeschirr in der Waschmaschine (Vorspülgang)…


In der Nacht auf Mittwoch beginnt es heftig zu regnen und hört bis am späten Nachmittag nicht auf. Ausserdem zügig Wind – die Stühle müssen wir anbinden und die Markise sehr gut verankern.
Aber wir wussten, dass es kommt (Ausläufer von Hurrikan Helen erreichen das europäische Festland) und haben entsprechend geplant: Video schneiden, bloggen, Siesta, faulenzen, Weiterreise planen, Brot backen und natürlich auch noch den Hauptwaschgang beim Geschirr.

Und fein kochen! Nur Andy geht ab und zu raus, zum rauchen…



Wir sprechen viel darüber, wie super die Bus-Infrastruktur jetzt schon funktioniert und was wir noch verbessern müssen, bevor wir nächstes Jahr 3 Monate unterwegs sein werden. Es sind Kleinigkeiten!
Das neue Solar auf dem Dach hat sich auf jeden Fall schon sehr gelohnt. Unsere Zusatzbatterien sind trotz wenig Sonne und konstantem Gebrauch (Licht, Heizung-Gebläse, ständig diverse Akkus laden, Kühlschrank) und ohne auch nur einmal Strom zu tanken seit 5 Tagen immer noch zu 60% geladen! Damit sind wir mega zufrieden!






Am Abend kommt sogar noch die Sonne wieder hervor und wir machen noch einen windigen, aber wohltuenden Strandspaziergang.
Moules&Frites ☑️ (endlich)
Das Restaurant neben unserem Zeltplatz ist berühmt für seine sehr guten Moules&Frites. Aber ausgerechnet jetzt (merde alors) haben sie Betriebsferien. Man merkt die Nebensaison überall: Viele Beizen und Geschäfte sind geschlossen, dafür hat es aber auch wirklich wenig Touristen 👍
Unser erklärtes Ziel heute: Wir wollen endlich Muscheln essen!

Der Tag beginnt mit einem schönen Sonnenaufgang und beinahe wolkenlosem Himmel. Nach dem Cappuccino machen wir uns bereit für einen Ausflug aufs Festland.
Wir fahren Richtung Festland und Andy hat seinen Spass mit der vom vielen Regen überschwemmten Strasse vor unserem Campingplatz.
Wir suchen und finden (trotz „route barrée“) die Steinreihen von Kerzerho in Erdeven.

Hier sind die zum Teil richtig grossen Steine frei zugänglich und es hat nur ganz wenig Leute.



Einige Gärtner schneiden das Gras, auch die Wege sind gepflegt und führen durch ein kleines Wäldchen zu noch grösseren, einzeln stehenden Menhiren. Einige sind aber schon umgefallen.




Hier gefällt es uns viel besser als in Carnac. Wie gross die Steine sind, merkt man oft erst im Vergleich mit einem Menschen.





Es hat hier sehr viele Eichen. Ich mag diese von Flechten und Moos bewachsenen, schönen, alten Bäume.




Nach Kerzerho fahren wir weiter Richtung Île de Saint-Cado in Belz.
Unser Navi kennt leider nur Wege dorthin, die durch Fahrverbote, Sackgassen und Einbahnstrassen führen, oder es findet kein Netz und lässt das Symbol-Auto auf dem Acker herumhüpfen.

Das kleine Häuschen des Austernzüchters, ja genau das Berühmte mit den blauen Fensterläden auf der Miniaturinsel Nichtarguer, das wollen wir sehen.
Schlussendlich parkieren wir irgendwo und suchen zu Fuss. So ist es plötzlich kein Problem mehr und am Ziel angekommen, nach wenigen Minuten, wird uns klar: Diese Verkehrsregeln nimmt ausser uns niemand wirklich ernst.


Wir essen endlich Moules&Frites im RestoBistro Madame Mouette und die sehr nette Bedienung empfiehlt uns das Tagesdessert „Riz au lait“… mmmh, super lecker mit Caramel und salzigen Nüssen – diese bretonische Spezialität ist unbedingt empfehlenswert!



Der eiserne Mann am Hafen schaut in die falsche Richtung. Das Restaurant ist dahinten! Dabei hätte er doch Google Maps in der Hosentasche gehabt…

Das Häuschen mitten in der Ria d‘Etel ist wirklich hübsch und das kleine Dörfchen auf der Insel ebenso. Alles hier strahlt Ruhe aus, Charme und wirkt total friedlich und idyllisch. Im Sommer ist es glaub ziemlich touristisch hier, aber jetzt ist es wunderschön!


Nach den lang ersehnten Moules&Frites und dem leckeren Dessert spazieren wir in der warmen Sonne über die Brücke nach Île de Saint-Cado.

Die Kapelle von Saint Cado aus dem 11. Jahrhundert gefällt uns sehr. Die Legende sagt: Als die von ihm eigenhändig gebaute Brücke einstürzte, bot ihm der Teufel an sie wieder aufzubauen, im Gegenzug für die erste Seele, welche die Brücke überqueren würde. Saint Cado ging auf den Deal ein und jagte eine Katze hinüber, sobald der Teufel fertig war. Pech für ihn… aber nicht zum ersten Mal – diese Story kommt uns doch irgendwie sehr bekannt vor😉




Das keltische Kreuz am Wasser ist sehr idyllisch.




Die „Calvaire“ mitten auf dem Dorfplatz, wo immer noch jedes Jahr eine Art Wallfahrt mit Prozession stattfindet (nennt sich „Pardon“), ist auch sehr eindrücklich.




Es gibt hier auch ein nettes Camping mit Sicht aufs Wasser, vielleicht für ein anderes Mal? Uns passt die Bretagne nämlich sehr, hier sind wir sicher nicht zum letzten Mal!

Als letztes Ziel heute suchen wir noch den Schiffsfriedhof von Margouer.

Auch dieser Ort strahlt etwas Besonderes aus: Die coolen Graffiti an den hölzernen Wracks, die beeindruckende Handwerkskunst der damaligen Schiffsbauer und die Natur, die langsam wieder Oberhand gewinnt und die Zeit irgendwie sichtbar macht.








Rost, Algen, verwittertes Holz prägen diesen Ort – da steckt gelebtes Leben in den Wracks der alten Boote.




Andy war begeistert von diesem Cimetière de Bateaux. Seine Passion fürs Fotografieren musste er noch mit apokalyptischer Bildbearbeitung ausleben. Auch sehr cool!!!





Den Abend verbringen wir wie immer gemütlich beim Bus, draussen so lange es die Temperaturen erlauben. Es gibt Risotto mit Salat.

In der Nacht ist es so zwischen 12 und 15 Grad – mit Wind gefühlt aber einiges kühler. Zum Glück läuft die Heizung im Bus tadellos, da frieren wir kein bisschen.
Adieu und au revoir
Wir waren die ganze Woche stationär auf diesem einfachen Camping und haben alle Ausflüge von hier aus gemacht. Die Duschen sind zwar alt, aber sehr sauber und punkten mit gut heissem Wasser und reichlich Druck. Doch das beste sind die richtig grossen Standplätze (mindestens 10x12m) direkt am Meer. Vor uns ist nur noch ein schmaler Spazierweg auf einer Mauer und dann kommt gleich das Wasser – bei Flut bis fast an die Mauer heran!
Die Ostküste hat zwar keine Klippen und weniger Wellen als die Westküste, dafür sind eben solche Standplätze möglich.

Wieder gibt es einen wunderschönen Sonnenaufgang zum Start in den Tag. Heute wollen wir noch einmal an die wilde Westküste der „Presqu’île de Quiberon“. Wir sind aber sehr gemütlich dran mit aufstehen und parat machen… bis wir in Port Maria im Süden der Halbinsel ankommen, ist es schon Mittag.
Also zuerst mal ein bisschen im Hafen herumschlendern und gucken: Hier ist richtig was los, es hat auch plötzlich Mehrfamilienhäuser (wohl auch einige Zweitwohnungen) und viele Restaurants und Läden. Vom Hafen aus gehen die Fähren zu den Inseln Belle-île, Houat und Hoëdic.

Die ewig hungrigen Möwen warten auf die nächsten Fischerboote.

Wir finden eine hübsche Brasserie mit sehr freundlicher Bedienung und beschliessen erst mal Mittag zu essen. Für mich gibt es noch einmal Moules, diesmal „marinière mit roquefort“. Andy nimmt „Fish&Chips“.



Beides ist sehr lecker und die Vorspeise ebenfalls.

Dann suchen wir uns einen Parkplatz an der Küste und wandern los.

Hier, südlicher als bei unserer Wanderung vom Montag, sind die Felsen wieder etwas anders und man kann vielerorts weit hinunter klettern.

Ein sehr schöner Platz zum geniessen des wilden Spektakels ist „Trou du Souffleur“. Hier kann man gut runtersteigen, sitzt bequem auf den flachen Felsen und es ist nicht gefährlich – wenn man Ebbe und Flut richtig einschätzen kann.
Das Meer ist unglaublich!!! Es ist strikt verboten zu schwimmen und überall wird gewarnt, es gäbe jedes Jahr zahlreiche Todesfälle. Ich kann mir nicht vorstellen, wie blöd man sein muss zu denken, hier sei es kein Problem zu baden.
Ich habe eine App, die Flut und Ebbe für ganz Frankreich anzeigt. Heute sind wir ein paar Stunden vor Ebbe unterwegs, also auf der sicheren Seite.
Bei der kleinen Bucht „Port Kerné“ kann man problemlos runter bis zum Strand. Die Macht und Wucht der Wellen ist extrem beeindruckend! Ein atemberaubendes Naturschauspiel ❤️
Auch weiter oben auf den Klippen müssen wir immer wieder staunend anhalten und fotografieren. Das Naturschutzgebiet wird sehr gut geschützt: Mit Jutenetzen vor der Erosion und mit Absperrungen vor den Touristen.


Unterwegs finden wir einen „Aire de Camping-Cars“ gleich oberhalb der Klippen. Einige grosse Wohnmobile stehen dort auch. Es hat Entsorgung und sieht sauber aus. Aber im Sommer steht man da sicher wie die Sardinen und vom Meer hört man leider gar nichts.


Glücklich und dankbar, die Ohren noch voll mit Meeresrauschen, die Lippen salzig von der Gischt im Wind, fahren wir noch ein bisschen der Küste entlang und dann zum letzten Mal zurück zum Campingplatz.

Wir haben auf dieser Reise ganz verschiedene Wetter erlebt und der Vorhersage nicht wirklich Glauben geschenkt… doch nun empfängt uns eine zünftige Bise und Sturmwolken ziehen auf.
In der Nacht wird es immer heftiger und lauter. Wind und Wellen kann man akustisch gar nicht mehr unterscheiden (es donnert einfach die ganze Zeit!) und der Sturm rüttelt und schüttelt den Bus heftig. Zum Glück hat Andy unsere Stühle und den Tisch noch vor dem Eindunkeln eingepackt – die wären uns in der Nacht um die Ohren geflogen.
Morgens um halb 8 Uhr sagen wir der Bretagne „au revoir“ (wir kommen wieder!) und starten den langen Heimweg. Das war eine kurze aber wirklich schöne Auszeit vom Alltag ❤️❤️❤️
