Wie alles begann…

Österreich im gemieteten California Camper

Oktober 2018 (Sue)

Diesen VW California Ocean DSG haben wir im Herbst 2018 für eine Woche gemietet.
Das Basis-Fahrzeug ist gut. Der Innenausbau hat noch Potential nach oben. Das mühsame über die Vordersitze nach oben klettern nervt. Die Schubladen klemmen und können nicht optimal gefüllt werden. Die hängende Aufbewahrung über dem Bett ist unpraktisch. Und und und… es waren schöne Ferien, aber länger als eine Woche stimmt es im California für uns nicht wirklich. Aber wir haben viele Ideen und wissen jetzt, was uns wichtig ist und was nicht. Wir können nur empfehlen, dass man sich so einen Van erstmal mietet, bevor man kauft!

November 2019 (Andy)

Überlegungen vor dem Kauf

Wie unsere zukünftigen Reisen ablaufen sollen, wissen wir schon sehr genau. Wir waren 2016 und 17 lange mit dem Nissan Navara und Dachzelt respektive richtigem Zelt unterwegs in England/Schottland und Spanien/Portugal. Ein Jahr nach der Österreichreise ist klar was wir brauchen:

Wir wollen spontan unterwegs sein und uns möglichst keine Einschränkungen aufhalsen durch das Fahrzeug, mit dem wir reisen wollen.

Aus diesem Grund ergeben sich folgende Bedingungen, die unser Fahrzeug erfüllen muss:

– Die Höhe des Fahrzeugs darf 2 Meter nicht überschreiten.
Wir wollen auch in Städte reisen und haben bei unseren bisherigen Reisen festgestellt, dass die meisten Parkhäuser auf 2 m Höhe beschränkt sind. Teilweise sogar Zufahrten zum Strand oder zu öffentlichen Parkplätzen, die gar nicht überdacht sind. Man könnte meinen, die wollen da gar keine Camper haben ;-).
Das Fahrzeug muss Allradantrieb mit Sperrdifferential haben.
Die Zufahrt zu unserer Alphütte erfordert zwingend Allradantrieb und auch da wollen wir mit unserem Bus hinkommen. Mal abgesehen davon, dass wir eigentlich nicht so gerne auf Campingplätze gehen, sondern lieber wild übernachten. Um das verwirklichen zu können, ist es oftmals auch nötig über Schotterstrassen zu einem geeigneten Platz zu kommen. Ein weiterer Grund ist unsere Skandinavien Reise. Da soll es ja auch mal Schnee geben. Dieses Problem lässt sich mit einem Allradantrieb bestimmt auch besser lösen.
– Es soll ein automatisches Schaltgetriebe sein.
In einem Stau bei Stop und Go ist eine manuelles Schaltgetriebe mit der Zeit einfach nur mühsam. Meiner Meinung nach lässt es sich generell entspannter reisen mit einem Automaten.
– 150PS sind das Minimum.
Wir wollen den Motor nicht dauernd auf Höchstleistung laufen lassen, deshalb ist ein kleiner Leistungsvorrat immer hilfreich.

Alleine wegen dieser vier Bedingungen wird die Auswahl schon sehr klein. Gemäss meinen Recherchen gibt es im Moment nur zwei Marken, die diese Bedingungen zurzeit erfüllen können – VW und Mercedes.


Ford Transit Custom Nugget, haben wir uns angeschaut. Leider zu hoch und kein Allradantrieb. Sonst gefiel er uns sehr gut.

Nissan NV 300 Michelangelo, haben wir uns angeschaut. Wäre eigentlich schon mal ziemlich perfekt für uns. Leider kein Allradantrieb.

Dezember 2019 (Sue)

Und so ist er jetzt: unser Kepler One

Die oben genannten Bedingungen erfüllt er. Das Sperrdifferential ist zwar automatisch, nicht manuell zuschaltbar, aber immerhin ist es da. Und im weiteren lässt sich folgendes sagen zum Fahrzeug, zum Ausbau und zu den Erkenntnissen aus den ersten Gebrauchs-Erfahrungen:

  • bestens motorisiert mit 204 PS, 7-Gang-Automatik-Getriebe DSG, 4×4, etwas weiches Fahrwerk (und entsprechendes „Kamelritt-Feeling“ in den Kurven) – wenn wir dann wieder Geld haben, leisten wir uns wohl noch ein Luftfahrwerk, dann sollte sich das verbessern!
  • ansprechendes Innenausbau-Design, schöne Farben (dunkle Holz- und elfenbeinfarbene Lack-Oberflächen, cooles Ambiente-Licht)
  • diesen Luxus wollten wir unbedingt: WC (ein richtiges, die Kassette hat sogar Räder und Griff wie ein Rollkoffer), Heisswasser (mit Gas-Boiler), Webasto-Standheizung (mit Diesel), 2. Batterie
  • genug Stauraum, auch wenn man in einem Camper natürlich immer noch mehr brauchen könnte
  • gut ausgestattete Küche mit einem relativ grossen Kühlschrank, sogar mit Mini-Gefrierfach, 2-Flammen-Kochherd, einem eckigen Waschbecken mit ziemlich „lotterigem“ Wasserhahn (den hat Andy inzwischen genial einfach so fixiert, dass er nicht mehr plötzlich abspickt und alles anspritzt)
  • sehr bequeme Lounge und ein stabiler, grosser Tisch (aufklappbar und drehbar in alle Richtungen, auch höhenverstellbar, nur wegnehmen kann man ihn nicht)
  • 2 relativ bequeme Betten (je 1.20 x 1.90), oben ist es in nullkommanix parat, aber auch unten geht’s in 5 Minuten, wenn man es ein paar mal geübt hat
  • beide Front-Sitze kann man drehen, auch das ist kein Kunststück
  • die Lounge bringt nochmals 2 Sitze mit Gurt und allem, das Fahrzeug ist für 4 Personen zugelassen
  • super-praktisches Fach für Badezimmer-Utensilien, mit Spiegel 🙂
  • im Innenraum, an zentraler Stelle, ein sehr praktisches Fach mit Strom-Anschlüssen (12V oder 230V), um Handys, PC (oder Dampfis) aufzuladen
  • Fliegengitter für Seitentür und bei beiden seitlichen Lüftungsfenstern oben. Blickdichte Vorhänge, leider so produziert, dass sie Blasen werfen – hier zeigt sich der „französische Ausbau“ definitiv nicht von seiner besten Seite…
  • die Markise ist etwas gewöhnungsbedürftig zum Aufstellen (ohne Kurbel, die Ständer sind im äusseren Querstab „versteckt“), aber sie funktioniert sehr gut und ist gross und stabil, wenn man sie denn bei Wind auch noch fixiert (mit Schnur und Heringen)

Die Möbel im Bus sind relativ „billig“ eingebaut worden, Scharniere haben halt nur 2 Schrauben, die Rückwände der Schränklein sind einfach irgendwie reingewurstelt worden, Kabel dahinter ebenfalls – aber wenn dann mal was kaputt geht, kann Andy das flicken und uns war der perfekte Grundriss einfach viel viel wichtiger als die totale Super-Qualität. im Ausbau!

Wir lieben es, dass man zur Seitentür und hinten rein und raus kann ❤
Wir haben uns auch schon total dran gewöhnt, dass in einem Camper halt nur einer aufs Mal was macht (kochen, umziehen, etc.) und der andere nachher Platz hat – gleichzeitig geht das einfach nicht. Aber schliesslich wollen wir ja damit reisen, nicht pressieren…

Hier noch ganz viele Bilder:

am Morgen nach der ersten Übernachtung (im Garten)

einige Monate später, nachdem Andy alles auf den perfekten Stand gebracht hat:
unsere Beauty frisch geputzt 🙂
ein richtiges Reserverad ist montiert
in der Kiste sind Grill, Werkzeug, etc. sicher versorgt
während der Fahrt sind Stühle, Tisch, Fotorucksack und Auffahrkeile gut angebunden
Eine gut ausgestattete Küche ist uns wichtig!

Juni 2020 (Sue)

Stromsituation und weitere Anpassungen

Das untere Bett haben wir bis jetzt nicht ein einziges Mal gebraucht. Aber uns fehlt noch Stauraum für grössere Dinge. Deshalb haben wir uns entschieden, die zusätzlichen Matratzenteile fürs untere Bett zuhause zu lassen. Den dafür vorgesehenen schmalen, aber hohen und tiefen Schrank (ca. 100 x 18 x 60cm) können wir viel besser nutzen für das Solarpanel, das Kamerastativ, die Fenster-Iso-Abdeckungen und Getränke. Andy hat Tablare eingebaut, damit man alles gut versorgen kann und die billige Jalousie-Tür hat er rausgerissen. Die hat sich ständig verklemmt. Braucht es nicht!

Nach den Erfahrungen vom Osterwochenende haben wir noch eine weitere, wirklich notwendige Anpassung gemacht: Ein erfahrener Auto-Elektriker hat unsere zweite Batterie, die leider ziemlich schwach war, ersetzt und uns zwei zusätzliche hochwertige Batterien eingebaut. Unter den beiden Sitzen sitzt jetzt also viel „Power“ für unsere elektrischen Bedürfnisse :-)!

Ausserdem ist jetzt auch die Sitzheizung nicht mehr abenteuerlich-gefährlich, sondern professionell verkabelt… Gleichzeitig wurde auch der Anschluss fürs Solarpanel an eine viel praktischere Stelle verlegt, so dass wir das Kabel aus der Beifahrertür nach draussen führen können, statt mitten durch den Gang und die Schiebetür.

September 2020 (Sue)

Weitere Verbesserungen

Inzwischen hat Andy noch viel mehr am Bus gemacht:

  • Tablare statt Hängestange im Kleiderschrank
  • diverse Möglichkeiten Dinge festzuzurren: Stühle, Keile, Tisch, Kamera-Koffer und sogar meine Yogamatte
  • Schmutzschleusen-Teppiche
  • Erste-Hilfe-Kasten
  • Veloständer an der Hecktür mit Reserverad und einem Töff-Koffer bestückt: genug Platz für alle notwendigen Werkzeuge, Grill, Schneeketten und vieles mehr 🙂
  • 2 Keile zum Grad-Stellen, jetzt auch noch mit „Boden“ gegen Verschlammung
  • Ventilator mit Halterung (direkt Richtung Bett)
  • Silbernetz fürs Frischwasser (gegen Bakterien)
  • und vor allem ist unser Bett jetzt wirklich bequem, da wir eine noch bessere Luftmatratze für unter das dünne Mätteli gekauft haben – und dazu gibts sogar eine ultrakleine Pumpe zum aufblasen 🙂

Fazit zur Ausrüstung
(wenige Tage vor unserer ersten richtigen Reise im Herbst 2020):
!!! Wir und unser Bus, wir sind sowas von parat !!!

In Planung…

Geplant ist noch die dringend nötige Auflastung (wir sind seeeehr nah am zulässigen Gewicht – eigentlich dürften wir gar nicht mehr einsteigen, oder müssten drastisch Diät halten ;-), eventuell ein Luftfahrwerk und eine Kiste vorne zwischen den Sitzen für Unterlagen und so – quasi wie ein Safe!

Juli 2021 (Sue)

…erledigt

Inzwischen konnten wir den Bus auf 3,5 Tonnen auflasten. Das war eine ziemlich nervenaufreibende und zeitfressende Geschichte.
Nur schon jemanden finden, der das wirklich kann und auch konkrete Antworten auf unsere Fragen liefert, war echt mühsam. Wir waren der Meinung, wenn wir schon zig tausend Franken in die Hand nehmen, möchten wir im Voraus wissen, wie hoch der Bus nach dem Einbau des Luftfahrwerks dann tatsächlich sein wird. Antworten wie „könnte schon sein, dass er nachher noch unter 2m bleibt“ sind nicht akzeptabel. Die bekamen wir aber quasi überall zu hören. Es dauerte Monate, bis wir eine kompetente Garage fanden.

Schlussendlich bauten uns die fähigen Mechaniker der Garage Hess in Alpnach ein VB 4c Volluftfahrwerk ein, inklusive einer „Autolevel-Nivellier-Funktion“, damit wir in Zukunft die Keile zuhause lassen können. Dazu brauchte es natürlich passende offroad-taugliche Alljahr-Reifen (Goodrich KO2 225/65/17) und geile neue Felgen. Das falsch eingebaute Schutzblech hinten wurde ersetzt und eine Marderschutzanlage installiert. Das provisorisch reparierte Kabel vom letzten Marderbiss ist jetzt auch geflickt – und ich hoffe sehr, dass dies wirklich „der allerletzte Marderbiss ever“ war!

Bei der MFK gabs dann unerwartet Probleme mit einem fehlenden Zertifikat, da unser Bus vom Importeur „abgelastet“ worden war und die Gewichtsangaben vorne nicht stimmten… wer macht denn sowas? In den Papieren war uns das nicht ersichtlich und auch die Leute von der Garage fielen so ziemlich aus allen Wolken. Zum Glück konnte das Zertifikat noch vor den Sommerferien besorgt werden und jetzt ist der Bus endlich richtig amtlich dokumentiert, legitimiert, zertifiziert und was es sonst noch alles gibt.

Im Moment ist unser Baby kurz nochmal in der Garage, damit noch ein Bearlock-Diebstahlschutz installiert werden kann und eine Gas-Warnanlage. Heute können wir ihn holen und dann wird gepackt für die Sommerferien 🙂

Zum Einbau des Luftfahrwerks muss ich noch etwas ergänzen: Im April 2023 waren die hinteren Bälge schon defekt. So was hält normalerweise 10 Jahre. Die Teile sind teuer, aber wir haben sie ersetzt, denn dieses Feature ist uns sehr wichtig. Wir fragen uns aber, wie sie montiert worden sind? Es gab eindeutige Abschabungsspuren, bevor einer der Bälge dann schlussendlich ganz aufgerissen ist. Das wurde bei einem Service durch die Garage unseres Vertrauens entdeckt. Die Leute da sind zuverlässig und freundlich und verstehen ihr Handwerk wirklich. Sie haben dann auch die neuen Bälge montiert.

Auch bei anderen Einbauten der Garage Hess gab es Probleme:
– Die neuen Felgen waren nicht richtig montiert, unterwegs lockerten sich fast alle Schrauben – wir haben es nur durch Zufall (oder Andys 6. Sinn) rechtzeitig gemerkt.
– Der Deckel der Riffelblech-Aufbewahrungsbox war miserabel befestigt: 5 von 6 Schrauben sind bei der ersten längeren Fahrt herausgefallen (und waren nicht mehr auffindbar!) – sie waren auch viel zu kurz! Auch dieses Problem haben wir nur knapp vor einem Unglück entdeckt und mit einem Bindeset die Gefahr eliminiert. Schrauben der richtigen Grösse hat Andy dann selber installiert.
– Die Gasdruckdämpfer für die Heckklappe waren nach der Montage der Aufbewahrungsbox nicht mehr ausreichend stark. Wir bestellten Neue und bekamen zuerst die Falschen und dann Defekte zugeschickt. Es dauerte, bis endlich die Richtigen da waren…
– Freundlichkeit und Zuverlässigkeit im Umgang mit Kundenfragen lassen generell zu wünschen übrig. Man wartet auf Antworten und im Büro wird man (bei der (verlangten!) Barzahlung behandelt wie ein Störenfried.

Wir werden in Zukunft alles über die Garagen unseres Vertrauens in derNähe machen lassen:
– Garage Dössegger, Seon: https://garage-doessegger.ch/
– Camper Bus Bau, Boswil: https://camperbusbau.ch/

Oktober 24 (Sue)

Solar aufs Dach und neue Batterien

Also, das muss Andy dann noch besser schreiben, aber vor etwa 3 Wochen haben unser Sohn und ein Freund von ihm uns 400 Ampere Solar aufs Dach geklebt und unsere beiden AGM-Batterien mit zwei Lithium-Teilen ersetzt, auch irgendwie 2x 200 Watt? oder welche Einheit das auch immer ist??? Wir haben es jetzt eine Woche getestet, nie eingesteckt in der Bretagne, hatten mehrheitlich eher schlechtes Wetter und wir haben alles gemacht wie immer (digitale Geräte aufladen, Licht, die Heizung (Gebläse läuft mit Strom) viel gebraucht… wir kamen nicht unter 50% in 7 Tagen! Das heisst wir sind sehr zufrieden damit!

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