Teil 1: Bretagne

Day One

Eigentlich sind wir ja gefühlt schon ewig dran, diese Reise zu planen. Vor 19 Tagen offiziell (früh-) pensioniert, haben wir die letzten Wochen mit intensiven Vorbereitungen verbracht. Vor allem Andy hat den Bus minutiös durchgecheckt und an jedes Detail gedacht, alles geputzt, richtig platziert, aufgefüllt, kontrolliert und nochmals kontrolliert. Besser geht’s nicht!

Kleider packen für 3 Monate mit warmem bis kühlem Wetter inklusive ergiebigen und häufigen Niederschlägen! Das alles soll hier rein?

Passt!

Esswaren: vor allem Basics und genug Kaffee…

Diverse neue Glücksbringer mussten noch montiert werden: Vielen Dank Ana&René, Larissa und Alexandra!

Dann doch noch ein bisschen Pech: nach der Waschanlage ist der Seitenspiegel kaputt 😠 aber die Garage unseres Vertrauens besorgt und montiert Ersatz innert eines halben Tages 😎

Und auf die Waage bringen wir Gottseidank immer noch weniger als 3,5 Tonnen

Wir sind beide schon früh wach und ein bisschen kribbelig. Haus aufräumen, Müll raus, letzte Sachen in den Bus-Kühlschrank und um 9.29 Uhr fahren wir los auf diese erste, gemeinsame richtig lange Reise🍀🍀🍀

Erster Stopp wie immer beim Bäcker Kunz in Frick.

Dann weiter nach Deutschland zum Grenzpakete-Shop (Cigarillos für Andy) und dann rüber nach Frankreich. Bei einem Kaffee-Halt buchen wir die erste Übernachtung in Veuxhaulles-sur-Aube bei einer Forellen-Farm.

Verkehr hat es zeitweise genug, aber wir kommen trotzdem gut voran. Immer über uns dichte Regenwolken aber trotzdem 25 Grad.

Kunst an der Autobahn

Gegen 4 Uhr treffen wir bei unserem Stellplatz ein.

Heute haben wir 430km geschafft.

Ich teste mein französisch zum ersten Mal und kaufe im Hofladen Forellenmousse mit Trüffeln. Dann machen wir es uns bei Tomaten-Mozzarella-Salat, Gemüse-Tätschli und einer Flasche Rotwein gemütlich und beobachten gespannt das heranziehende Gewitter mit Donnergrollen aus allen Richtungen.

Bretagne

Am nächsten Morgen stehen wir früh auf und fahren fast non-stop (690km) nach Quiberon, der Halbinsel in der südlichen Bretagne, wo wir letzten Herbst eine stürmische und schöne Woche verbracht hatten.

Unterwegs Sonnenschein und starker Regen und nach diesem Schild hat Andy ständig (Fleisch-) Hunger…

Nach Rennes hat es viel Verkehr und am Schluss der Strecke sogar Stau. Einerseits gab es einen Unfall, andererseits ist dieses Gebiet im Sommer offensichtlich total überlaufen mit Touristen.

Der Campingplatz vom letzten Herbst, wo wir damals etwa zu fünft waren, beherbergt jetzt mindestens 100 Vans, Zelte und grosse Camper und ist voll belegt.

Wir müssen umdisponieren und buchen in der Nähe einen nicht besonders tollen, aber ruhigen Roadsurfer-Spot (mit dieser App finden wir eigentlich immer was, auch kurzfristig).

Mein von zuhause mitgebrachtes Blumen-Sträusschen macht eine Wildbiene mehr als glücklich.

Hier gibt es zwar viele schöne alte Bäume, aber das Gras ist vertrocknet und Blüten sieht man kaum irgendwo.

Wir machen uns ein kaltes Plättli und essen dazu einen Salat. Noch ein bisschen planen wie es weitergehen soll und schon bald fallen wir früh ins Bett. Lesen? … ja etwa 3 Seiten, dann ist gut 😌

Am Morgen Frischwasser auffüllen, entsorgen und dann fahren wir 2 Stunden nach Île Tudy und treffen dort unsere Freunde Pia und Aitor mit Asha.

Sie zeigen uns das herzige Dörflein, Strand und Hafen und ihre hübsche Ferienwohnung. Zum Zmittag gibt’s Cidre und exzellente Moules Frites.

Noch ein kurzer Einkauf im riesigen Leclerc und dann suchen und finden wir unseren Standplatz für die nächsten zwei Nächte in Penmarch, 700m vom Meer entfernt, auf einer grünen Wiese mit ganz viel Ruhe und Privatsphäre. Heute waren es nur 155 km bei schönstem Wetter, 26 Grad und volle Sonne ☀️

Wir vernaschen noch die super leckeren Galoshard Abricot von Pias Hausbäckerei und freuen uns wieder eine Weinbar zu haben 😉 Wein in der Box ist im Camper sooo praktisch 👍

Finistère

Nach einer ruhigen Nacht mit ein bisschen Regen, den wir beide nicht gehört haben, starten wir gemütlich in den Tag. Trotz bedecktem Himmel machen wir uns zu Fuss auf den Weg zum Meer.

Der Hund schaut uns nur mitleidig nach: Die haben es noch nicht begriffen? Hier gibt es doch auch alle paar Minuten anderes Wetter! Es beginnt zu regnen und ich habe keine Regenjacke dabei😕 also kehren wir nach fünf Minuten zurück zum Bus.

Auch die fette Taube scheint uns auszulachen. Es regnet natürlich nur kurz, ungefähr bis wir wieder beim Bus sind.

Gegen elf Uhr kommt die Sonne heraus und wir probieren es nochmals, diesmal mit der richtigen Ausrüstung im Gepäck.

Wir laufen durch die Dünen zum berühmten Strand Pors Carn. Unterwegs sehen wir schöne Strand-Flora und Fauna…

… und entdecken auch viele Löcher und Höhlen in der steppenartigen Landschaft hinter den Dünen. Wir vermuten Kaninchen, sehen aber keine Spuren.

Beim Restaurant „Chez Marie-Cath“ wollen wir für den Abend reservieren, aber die sind schon ausgebucht. Also kurzfristige Plan-Änderung: wir reservieren für ein spätes Mittagessen und machen am Croix de Pors Carn eine Pause, bis Aitor & Pia eintreffen.

Es dauert alles ziemlich lange, aber das Personal ist sehr nett und die Speisen sind mega lecker! Wir probieren die klassischen bretonischen Spezialitäten.

Wir beginnen mit einer Einführung ins Austern essen. Aitor zeigt uns wie das geht.

Danach gibt es herzhafte und knusprige Galettes aus Buchweizenmehl und dazu einen leckeren Rosé, der ist allerdings aus Korsika.

Zum krönenden Abschluss bestellen wir noch 4x „Café Gourmand“ und bekommen somit gleich viele kleine Desserts auf einmal und mit dabei ein köstliches Galettes mit Salzbutter und ein traditioneller Kouign bigouden mit Caramel (eine Art Pancake) in mini. Mehr als lecker das Ganze!

Wir verabschieden uns von unseren Freunden und machen uns voll gefressen auf den Rückweg zu unserem Stellplatz. Die Bewegung wird uns gut tun, auch wenn mein vor Wochen verknackter Knöchel es nicht so mag. Die Sonne kommt nochmals raus und so gibt es noch einen Abstecher zum Strand. Andy probiert seine Drohne aus.

Ein friedlicher Tag – und wir brauchen sicher nichts mehr zu essen 😉

Den Abend verbringen wir mit Film- und Fotomaterial bearbeiten, lesen, schreiben und den Blog auf den neuesten Stand bringen…

… und Andy dezimiert seinen Schatz!

Pointe du Raz und dann nordwärts

An nächsten Morgen gibt’s zuerst mal Cappuccino! Dann suchen wir eine Bäckerei für leckere Croissants und Baguette.

Danach fahren wir etwa 50 km zur Pointe du Raz. Wir sammeln nämlich „West-Kaps“ ein, wenn wir reisen. Das von Norwegen, Spanien und Holland haben wir schon erwischt. Nun ist das von Frankreich auch im Sack. Im weiteren Verlauf dieser Reise kommen sicher noch Schottland und Irland dazu…

Wir sind also sozusagen „Westkäppeler“ und wenn wir das nicht sind, dann wenigstens oft „best-käppelet“😉

Es ist schon beeindruckend hier. Die Wege sind für meinen lädierten Fuss aber etwas anstrengend und ich gehe auch nicht allzu gerne an den Rand der Klippen (Schisshaas)…

Auf dem Wanderweg vom Parkplatz zur Pointe du Raz entdecken wir noch absolut riesige Disteln und einen grossen, speziellen Käfer. Google Lens sagt das sei eine Westliche Sattelschrecke (Ephippiger diurnus) und vom Aussterben bedroht.

Danach fahren wir weitere 220 km, wir brauchen auch ziemlich lange dafür, bis zur Smaragdküste im Norden der Bretagne. In Fréhel checken wir auf dem riesigen Camping Municipal ein. Ein hügeliges Waldstück direkt am Meer, ohne Parzellen, man sucht sich einfach selbst einen Platz. Leichter gesagt als getan, denn es ist schon halb sieben und gut belegt. Ausserdem können wir nicht überall ins Lot stellen, es geht wirklich dauernd auf und ab. Doch der dritte Versuch klappt und im Nachhinein merken wir , dass das sogar ein sehr guter Platz ist. Vis-á-vis ist nämlich gleich ein Bar-Container mit gekühltem Rosé 😉

Abendessen: Baguette mit Käse und Forellenmousse und immer ein bisschen nach oben schauen, damit man nicht von einem Riesen-Zapfen erschlagen wird. Night-Cup: Zwetschgen-Luz.

Cap Fréhel und Fort La Latte

Wir machen uns früh auf den Weg zum berühmten Cap Fréhel. Das lohnt sich, denn als wir ankommen ist der Parkplatz noch fast leer. Also losmarschieren zur nächsten Felsspitze im Meer.

Die Wege sind hier etwas einfacher, dafür ist es auch viel weitläufiger. Das wunderbare Wetter trägt dazu bei, dass es uns hier noch viel besser gefällt als gestern.

Es ist richtig richtig steil hier und das Meer ist auch etwas bewegter als gestern.

Hier noch ein paar weitere Impressionen von diesem wirklich tollen Aussichtspunkt!

Aber das ist noch nicht der einzige tolle Ausflug dieses Tages…

Inzwischen kommen auch die ersten Car-Ladungen hier an und für uns geht’s ein paar Kilometer weiter zum Fort La Latte. Auch hier ist der Parkplatz noch nicht wirklich voll als wir ankommen.

An dieser Festung gefällt uns einfach alles! Die Anlage ist total auf Wehrhaftigkeit ausgerichtet: Unmöglich sie zu bezwingen!

Schöne Details

Die Beleuchtung im Verlies („Oubliette“)…

Ein Garten, in dem leider niemand jätet oder etwas erntet: Die Artischocken dürfen dafür blühen 💙 und schaut euch mal die Grösse dieser Echeverie an, daneben stehen normal grosse Mohnblumen.

Farbenspiel der bunten Fenster in der kleinen Kapelle – und die Schweizer sind doch immer irgendwie überall…

Andy ist begeistert und will auch so eine Burg!

Wir schliessen den tollen Tag mit einer eher mühsamen Suche nach einem Campingplatz ab, der nicht total überfüllt ist. Aber wir fackeln auch nicht lang, sondern buchen einen Stellplatz mit der Roadsurfer-App mitten in Saint-Malo in einem Park-ähnlichen Anwesen mit Pool und schönen alten Bäumen. Die Betreiber sind sehr relaxt und etwas „Hippie“ – die etwa 20 Gäste sind vor allem aus Deutschland. Wir wählen ein schönes Plätzchen unter einem duftenden, blühenden Seidenbaum (Albizia julibrissin) und beschliessen, gleich noch eine Nacht zu verlängern und uns die alte Piratenstadt erst morgen anzuschauen.

Zum Znacht montiert Andy den Skotti-Grill und wir haben schon sehr bald leckere Burger zum Salat und einen sehr interessierten, treuen Begleiter.

Saint-Malo

Heute ist es leider ziemlich bewölkt und immer wieder Nieselregen. Trotzdem fahren wir, nach einer wohltuenden Dusche und genug Kaffee, mit dem öV-Bus zur berühmten Festung/Altstadt „Intra Muros“ von Saint-Malo.

Noch bei ziemlich gutem Wetter und Wind laufen wir einmal ringsum auf der imposanten Stadtmauer.

Die Häuser der Altstadt wurden nach der beinahe vollständigen Zerstörung 1944 wieder im alten Stil aufgebaut. Sie sind in durchwegs gutem Zustand und wir haben auch nichts Leerstehendes entdeckt. Der Rundgang ist interessant und wir haben wieder 10‘000 Schritte gemacht.

Innerhalb der Mauern ist schon alles sehr touristisch geprägt mit vielen grossen und kleinen Läden und Restaurants. Nicht so unser Ding…

Wir besichtigen noch die schöne Kathedrale Saint Vincent.

Die Buntglasfenster mussten nach dem 2. Weltkrieg zum allergrössten Teil ersetzt werden. Viele sind in blau-violett und eher Mosaikartig gehalten und zaubern sehr hübsche Lichteffekte in den hohen, romanisch-gotisch geprägten Raum.

In der Mitte der Kirche steht ein moderner Altar aus Bronze. Er zeigt einen geflügelten Löwen, einen Adler, einen geflügelten Stier und einen Mann mit Flügeln. Sie alle halten ein Buch.

Nach dem Besuch der Kirche fängt es definitiv an zu tröpfeln und so fahren wir mit dem öV wieder zum Stellplatz zurück.

Während Andy Siesta macht, spiele ich ein bisschen Klavier. Danach probiert Andy aus, wie gut der PC funktioniert, damit er seinen Teilzeit-Verpflichtungen als Buchhalter und Technik-Support seiner Firma nachkommen kann.

Alles funzt bestens – und da wir unseren Internet-Zugang mit Starlink sowieso schon ge-upgraded haben und mit dem Solar auf dem Dach keinerlei Strom-Sorgen mehr haben, ist das ein guter Grund jetzt mit einem neuen Karton-Wein anzustossen 😉 dazu noch ein bisschen Brot und Käse… irgendwie essen wir hier schon zum Frühstück immer mehr als genug (habe ich die Croissants und Pains au chocolat nicht erwähnt?)…

Ausserdem: Heute beobachten wir schon zum zweiten Mal unseren Seidenbaum, der übrigens auch Schlafbaum heisst. Wenn es Abend wird, klappt er seine federigen Blätter zu. Gute Nacht 😴

Morgen Abend sind wir schon auf der Fähre Cherbourg 🇫🇷 – Rosslare 🇮🇪 😊😊

Cancale und Cherbourg

Heute erleben wir grad mehrere Highlights. In Cancale parkieren wir bei der Kirche und laufen runter zum Port de la Houle.

Hier gibt es die weltberühmten Austern, die man an verschiedenen Ständen direkt am Strand kaufen kann.

Dieser nette Fischer erklärt mir die Unterschiede zwischen huitres creuses und huitres plats. Die Flachen schmecken etwas nussiger und werden ohne Zitrone oder Rotweinessig mit Schalotten genossen.

Wir setzen uns wie alle hier auf die Treppenstufen beim Hafen und geniessen die Delikatesse.

Die Muschelschalen schmeisst man hier einfach auf den Strand.

Wir merken keinen grossen Unterschied zwischen Rock-Oysters oder den Flachen… aber so wie hier, total frisch, sind sie einfach schon extrem lecker. Wir sind beide begeistert und holen noch ein zweites Dutzend.

Nachdem wir auch den zweiten Teller verputzt und die Schalen auf den Strand geworfen haben, meint Andy, jetzt hätte er richtig Lust auf Moules Frites.

Hier gibt’s überall lecker Seafood und die Restaurants sind voll (es ist 1 Uhr, die Zeit wenn alle Franzosen Mittagessen wollen).

Wir finden ein herziges Beizli mit sehr sympathischem Personal und bestellen einmal Moules mariniere und einmal á la crème. Wir bekommen die besten Muscheln, die ich je gegessen habe! Zwar eher klein, aber total zart und aromatisch und auch die Sauce ist einfach exquisit! Yummy!

Andy nimmt noch ein leckeres Café Gourmand und dann geht’s steil hinauf zurück zu unserem Parkplatz.

Jetzt verlassen wir die Bretagne. Es sind zwei Stunden fahren angesagt bis zum Fährhafen Cherbourg in der Normandie.

Da wir zu früh ankommen, halten wir am Strand vor dem Terminal an und machen Kaffeepause . Plötzlich dröhnt es über unseren Köpfen: Eine 8er-Staffel der französische Airforce!

Und sie fliegen nicht einfach nur drüber. Sie zeigen was sie können!!!

Jetzt ist klar , warum hier so viele Leute sind. Eine Frau erklärt uns, dass hier morgen eine Flug-Show stattfindet und dafür geübt wird.

Es ist sehr beeindruckend, wie nah die zueinander fliegen und mit welcher Präzision die Manöver durchgeführt werden.

Wir kommen aus dem Staunen kaum heraus.

Das Spektakel dauert mindestens eine Stunde.

Sie sind so schnell, dass man sie oft erst hört, wenn sie schon fast über uns sind.

Wir finden es sehr freundlich, dass Frankreich sich mit dieser spektakulären Show von uns verabschiedet.

Danach checken wir, bei schönstem Sonnenschein, auf der Stena-Line-Fähre ein, die uns nach Rosslare Irland bringen wird.

Alles klappt bestens. Dank Autonummer-Erkennung werden wir sogar mit Namen begrüsst.

Es geht zügig voran, denn das riesige Schiff ist nur etwa zur Hälfte gebucht.

Unser Zimmer ist auch richtig gross und sehr schön: Gute Dusche, Kaffeemaschine, bequeme Betten und eine Hammer-Aussicht.

Immer wieder spannend ist die Ausfahrt aus dem Hafen.

Weitläufige alte Festungsanlagen umrahmen den Hafen von Cherbourg.

Unsere Fahrt aufs offene Meer wird von einem Lotsen begleitet.

Wir sind sehr dankbar für die schöne Einstimmungszeit in der Bretagne und gespannt auf die „richtige“ Reise, die jetzt beginnt!

Wir verbringen noch etwas Zeit an Deck.

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