Nach einer tollen Woche in der Bretagne, geht es jetzt rüber auf die grüne Insel. Hier waren wir noch nie und sind sehr gespannt, was uns erwartet. Nachdem wir in Cherbourg bei schönstem Sonnenschein auf die Fähre gefahren sind, ändert sich in der Nacht das Wetter und es beginnt zu regnen. Das fängt ja schon mal gut an…
Wir verbringen eine ruhige und bequeme Nacht auf der Fähre. Erst als wir etwa die Hälfte der 18 Stunden-Strecke hinter uns haben (und an England vorbei in die Irische See einfahren), schaukelt es etwas heftiger und beginnt auch zu regnen.

Unsere private Aussicht nach vorne wird zum Pool.
Nach einem mässigen Frühstück und einer schönen langen Dusche mit Haare waschen, faulenzen wir noch in unserer Suite herum bis kurz vor Ankunft in Irland und sind gespannt, was uns da erwarten wird…
Ankunft in Irland
Die grüne Insel empfängt uns mit einem Mix aus Wolken, Sprühregen, Nieselregen und ab und zu Sonnenstrahlen.




Die Ausfahrt von der Fähre und aus dem Terminal heraus in den Linksverkehr hinein gelingt problemlos.

Wir hatten geplant etwa eine Stunde der Küste nach nordwärts zu fahren und uns dann einen Übernachtungsplatz zu suchen. Gar nicht so einfach. Da hat es nicht viel oder ich suche mit den falschen Apps?
Wir finden ein Motorhome-Dorf, aber nur für Residentials (heisst die Leute wohnen ganzjährig da)… die sind aber sehr nett und empfehlen uns, direkt am Strand weiter vorne zu übernachten, das werde dauernd so gemacht. Den Ort finden wir, das nächste Haus steht nur 10m daneben. Das wollen wir so nicht, auch wenn dieser Platz auf park4night gelistet ist.
Wir schauen nochmal alle Apps durch und auf Google Maps finden wir die Moneyland Farm, 7 km entfernt in Arklow, rufen da an und buchen eine Nacht.



Die Anlage ist sehr schön gemacht, mega nette Leute, sauber und viel Platz und halb leer. Ein Glückstreffer!

Wir geniessen einen ersten friedlichen Abend, schlafen gut und entscheiden uns hier noch 3 weitere Nächte zu bleiben. Ausflüge können wir von hier aus mehrere machen und am Sonntag ist eh Regen angesagt und Andy muss arbeiten.
Verlängern ist kein Problem und wir können sogar an den besten Platz wechseln (mit ein bisschen Meersicht😍)!
Gegen 10 Uhr fahren wir eine knappe Stunde Richtung Dublin in die Wicklow Mountains. Wir, das heisst ich (Sue), schliesslich möchte ich das mit der Links-Fahrerei auch in den Griff kriegen! Die Strassen sind kurvig und teilweise schon seeehr schmal – Huch-Effekte sozusagen gleich miteingebaut!
Wir fahren den Scenic Drive Sally Gap. Tolle Heide-Moor-Berglandschaft, mit Seen (Guiness Lake) und Schafen und Älpli-mässigen, holperigen, einspurigen Passstrassen.






Beim Glenmacnass Wasserfall machen wir einen kurzen Spaziergang dem Bergbach entlang, der vom Torf verfärbt rostbraun über die Steine sprudelt und dann schräg über die hellen Felsplatten ins Tal fällt.




Dann gibt’s Mittagessen im sehr empfehlenswerten Wicklow Heather Restaurant. Für mich super leckere Seafood Chowder Suppe und für Andy einen „loaded beef Burger“ mit zwei riesigen Patties Fleisch – beides mega fein!



Nachher fahren wir die kurze Strecke zum spannenden Skulpturen-Park Victor‘s Way: Die Ausstellung überrascht, polarisiert, ist leicht bis heftig schräg – und das alles gespickt mit einer auf Plakaten vorgetragenen Lebensphilosophie, die sicher nicht Mainstream ist (auch nicht sein will) und zu Diskussionen anregt. Riesige, fröhliche und witzige Ganeshas…









… wechseln sich ab mit religiös inspirierten Figuren (aus Hinduismus, Buddhismus und Christentum).







Im wald versteckt, entdecken wir weitere teilweise skurrile und eher makabre Figuren …












… und am Schluss kommt noch Fyonn der Riesen-Druide!

Die Skulpturen verteilen sich über grosse Wiesen, im Wald, bei kleinen Seen – es dauert etwa 2 Stunden bis wir alles gesehen haben. Die spannenden Kunstwerke (wenn auch nicht alle gefällig) und der schöne, lange Spaziergang im Wald machen diesen Ausflugs absolut lohnenswert.

Auf dem Heimweg noch einkaufen und dann geniessen wir unseren ruhigen Stellplatz.



Ich bin stolz, dass ich das Links-Fahren heute so gut gemeistert habe. Es fordert volle Konzentration (das sieht man auch in meinem Gesicht 😉), ist aber nicht so schlimm, wie ich es mir vorgestellt hatte.
Die Iren sind sehr herzlich und offen, sie kommen auch auf uns zu, z.B. musste Andy schon zweimal zu unserem Bus Auskunft geben. Das Wetter ist auch ganz okay und wir haben schon am ersten Tag fein gegessen. Wir sind gut gestartet in Irland.
Zwei ruhige Tage
Wir sind jetzt seit 10 Tagen unterwegs und in den Wochen davor war’s ja nicht wenig hektisch, deshalb brauchen wir ein bisschen Pause! Die Moneyland-Farm ist ein wirklich schöner, gut ausgestatteter und entspannter Ort und so lassen wir es jetzt mal ein bisschen gemütlich angehen.
In der Sonne sitzen: Es ist heute richtig warm und mit einigen vorbeiziehenden Schleierwolken auch ziemlich sonnig. Dazu weht aber ein ordentlicher Wind. Gerade richtig um Kleidung zu lüften und die sommerliche Stimmung tagsüber und abends zu geniessen.


Kochen: Nudel-Gemüse-Schinken-Käse-Gratin im Omnia…



Selbst gemachte Ciabbatta mit Käse und Paté aus der Bretagne…

und dazwischen auch Cappuccino oder Tee und Guetzli/Zigarren-Pausen.

Duschen, rasieren und Coiffeur: Super professionell natürlich!




Lesen: Dank E-Reader haben wir ja eine ganze Bibliothek an Bord und dazu noch via Handy diversen online Lesestoff, z.B. unzählige spannende Beobachter-Artikel oder News Portale. Nachrichten konsumieren wir jedoch besser nur in angepasster Dosis. Vielerorts versinkt die Welt im schlimmsten Elend – das ist einfach viel zu traurig!
Schlafen: Ausschlafen bis gegen 8 Uhr ist für uns notorische (Zu-) Frühaufsteher eine ganz neue Erfahrung! Dazu tägliche Siestas im Bett oder auf den Stühlen (deshalb haben wir ja vier dabei, damit man auch die Füsse hochlegen kann).

Sport: Auch die Yogamatte und das Terraband kommen zum Einsatz, unter freiem Himmel – tut gut!

Podcast und Musik: Echo der Zeit ist mein absoluter Favorit, immer gut recherchiert und tiefgründig. Aber auch Interviews zu diversen Themen, ernsthafte und andere. Und dank Boombox und Spotify immer die Lieblingsplaylist 🎶
Klavier spielen: Ich kann es ja nicht wirklich, aber ich will es irgendwann können, deshalb muss üben sein und macht auch Spass. Leider schon wieder zusammengepackt als das Foto gemacht wurde.

Weiterreise planen: Meine persönliche Dokumentation abgleichen mit Tipps aus dem Internet und unseren aktuellen Bedürfnissen und der relativ wankelmütigen Wetterprognosen und damit einen Plan für die nächsten Tage zusammenbröseln.

Bisschen arbeiten muss auch sein: Andy macht die Debitoren/Kreditoren für seine Firma und erledigt auch unsere privaten Zahlungen.

Bloggen: Gehört natürlich auch dazu. Ich freue mich sehr, dass mittlerweile schon 64 Leute diesen Blog abonniert haben und regelmässig mitlesen und unsere Reise mitverfolgen. Dankeschön ❤️

Das ist der 91. Beitrag (bald 100 🥳) und heute hat mir WordPress auch noch das da geschickt 🤩 Mir macht das Dokumentieren wirklich extrem Spass, auch wenn ich es sicher manchmal etwas übertreibe😌 Es ist wie zweimal erleben und dadurch wird mir auch immer wieder viel klarer bewusst, was für ein Glück und Geschenk und grosses Privileg es ist, diese Chance überhaupt zu erhalten 😊😊😊
Kilkenny Castle und dann im Südosten ans Meer
Bei Nieselregen aufgewacht, aber schon bald wieder unter Sonnenstrahlen, fahren wir gut knapp 2 Stunden auf Autobahnen bis hin zu kleinsten Strässlein ohne Markierung südwärts.

Kilkenny ist belebt, trotz „Bank Holiday“ sind viele Restaurants und Geschäfte offen. Wir finden relativ leicht einen Parkplatz im Zentrum und laufen zum Schloss. Unterwegs packt uns der Hunger und wir sitzen in eine winzige Bar und bestellen was kleines. Dies entpuppt sich als mega leckere grosse Mahlzeit und der doppelte Espresso ist auch gut!


Ins Schloss gelangen wir nach kurzem Anstehen gratis, dank der National Trust of England-Karte. Diese Mitgliedschaft wird sich hoffentlich noch oft lohnen, da sie auch für den OPW (= Heritage Ireland) gelten sollte.

Kilkenny Castle wurde anfangs des 13. Jahrhunderts con William Marshal, 4. Earl of Penbroke, als anglo-normannische Steinburg erbaut. Von 1391 bis 1967 war das Schloss beinahe 600 Jahre lang im Besitz der mächtigen Familie Butler.
Die Tour durchs immer wieder um – und angebaute Castle ist gut organisiert und gefällt uns, ist aber nicht das alles überragende Erlebnis in Sachen Schloss-Besichtigungen.





Die spanische Treppe ist schon etwas Besonderes.




Die goldene Stoff -Tapete in diesem Zimmer konnte wieder hergestellt werden, weil die Restauratoren hinter einer Sockelleiste einen kleinen Rest des Seidenstoffes fanden und mithilfe einer alten Quittung die Herstellerfirma in Lyon ausfindig machen konnten. Diese konnte dann Stoff, Muster und Farbe der seidenen Tapete originalgetreu reproduzieren.

Ich stelle mir vor, wie so ein Archäologe doppelt und dreifache Purzelbäume schlägt, wenn so unwahrscheinliche Details plötzlich alle zusammenpassen…😉

Die Deckenkonstruktion im riesigen Saal gefällt uns auch besonders gut.








Das Schloss wurde nicht hauptsächlich mit Kaminfeuer geheizt (im ersten Bild ein imposantes Objekt aus Marmor), sondern hier gab es eine Zentralheizung mit Radiatoren in allen Zimmern…



Zum Schloss gehört ein Rosengarten mit Springbrunnen dazu und eine riesengrosse Wiese, hier die Ansicht bis zum Hügel und dann noch 180 Grad umgedreht, wie es nach dem Hügel weitergeht. Der Park wird rege genutzt zum spazieren, picknicken, Ball spielen… cool, dass er frei zugänglich ist!




Viele schöne alte Bäume umrahmen die Rasenfläche, besonders zu erwähnen ist hier der seltenen Vogelhäuschenbaum, der ganz allein auf einer kleinen Lichtung steht.


Von Kilkenny aus fahren wir noch etwa eine Stunde zum Bannowbay Seaside Farm Camping in der Nähe von Kilmore Quay, unserer Unterkunft für die drei nächsten Tage.

Die grosse Campingwiese ist nur etwa zu einem Viertel besetzt und so bekommen wir einen Platz in der ersten Reihe mit Meersicht.






Sonne und Wolken wechseln sich ab. Es weht eine richtig steife Brise und wird uns draussen bald zu kalt. Es gibt mein Lieblingsznacht für den kleinen Hunger: Tortillachips, Avocado und Käse, bevor wir schon bald ins Bett klettern.
Tinternparva, Hook Head Lighthouse und Dunbrody Famine Ship
Am nächsten Morgen fahren wir früh zur Tinternparva Abbey ganz in der Nähe. Wir sind die Ersten und auch später noch fast alleine auf dem weitläufigen Gelände.







Im Turm im ersten Stock eine interessante Baumaterialien-Sammlung, darüber nichts als das hohe Gebäude ganz ohne Zwischenböden.






Die Ruinen des Klosters aus dem 12. Jahrhundert, das nach der religiösen Anfangszeit noch 400 Jahre im Besitz der gleichen Familie war, gefallen uns sehr gut! Diese Mauern überstanden alle Wirbel zwischen Katholiken und Evangelisten, zwischen Getreuen der englischen Krone und Rebellen, die die irische Unabhängigkeit verfolgten, sie überlebten Streit und Kämpfe zwischen Verwandten, sogar Geschwistern, und blieben trotz grosser finanzieller Probleme der Besitzerfamilie bestehen.
Heute ist die OPW verantwortlich (und wir konnten wieder gratis rein) – die letzte Erbin der Familie Colclough hat das Anwesen 1959 dem irischen Staat verkauft, da sie keine Nachkommen hatte.


Auch die Umgebung ist sehr schön und wir spazieren noch ein bisschen herum.




Die Abtei wurde um 1200 von William Marshal, 4. Earl of Pembroke gegründet. Das ist der gleiche mächtige Ritter („Englands greatest Knight“) der Kilkenny Castle gründete und unter 5 englischen Königen diente.

William war mit Isabella de Clare verheiratet, trotz grossem Altersunterschied entwickelte sich zwischen den beiden eine tiefe Liebe und Leidenschaft, sie waren 30 Jahre verheiratet und hatten 10 Kinder. Isabella konnte französisch, irisch und lateinisch und verteidigte ihre Ländereien in Irland erfolgreich (während ihr Mann auf Reisen war) – kurz nach Williams Tod verstarb auch sie. Genaueres zu den beiden interessanten Persönlichkeiten auf der Begleittafel zu den beiden Holzskulpturen, die wir beim Spazieren in der Umgebung entdeckt haben.

Wir finden beim Herumwandern auch noch eine alte Kapelle mit Friedhof. Da das Gittertor verschlossen ist, klettern wir halt über die in die Mauer eingebauten Treppenstufen. Hier könnte auch Isabella begraben sein. Es gibt sehr alte Grabsteine, auch viele von Kennedys, aber nichts was auf Isabella hinweist.




Wir fahren weiter zum Hook Head Lighthouse. Seit dem 6. Jahrhundert stand hier immer ein Leuchtturm, sie sagen es sei der Älteste der Welt.

Leider gibt es nur geführte Touren und wir müssten eine ganze Stunde warten. Aber auch von unten sind die Anlage und das Meer eindrücklich und so fahren wir bald wieder weiter, ohne hinaufzuklettern.





Ich wusste gar nicht, dass es Bojen aus Metall gibt und dann noch so riesige…

Weiter geht’s nach New Ross zum Dunbrody Famine Ship. Hier geht es um die Auswirkungen der grossen Hungersnot (Famine) von 1845 bis 1849 (hauptsächlich durch die Kartoffelfäule verursacht), während der sich die Bevölkerung von Irland durch Auswanderung oder Tod von 8,5 auf 6,5 Millionen Menschen dezimierte. Die Ausstellung thematisiert diese tragischen Ereignisse einfühlsam und berührend.

In einem originalgetreu nachgebauten Dreimaster erfahren wir mit einer eindrücklichen Ausstellung und von wirklich talentierten Schauspielerinnen mehr über die „Sarg-Schiffe“, die Mitte des 19. Jahrhunderts Tausende von verzweifelten, verhungernden Iren nach Übersee beförderten. Kaum vorstellbar, was diese armen Menschen durchgemacht haben.





30 Minuten täglich durften die (160 bis) 300 Passagiere vom untersten Deck in kleinen Gruppen nach oben an die frische Luft. Während dieser halben Stunde konnten sie hier kochen und mussten gleichzeitig noch die Latrinen-Kübel leeren. Bei Sturm wurden die Türen verriegelt und alle mussten unten bleiben. Die Überfahrt dauerte 4-7 Wochen, danach noch einen Monat Quarantäne…



Ein Mahnfeuer im Namen von John F. Kennedy, dessen Vorfahren aus dem Südosten der Republik Irland stammten, erinnert heute noch an das schwierige Schicksal aller Emigranten auf dieser Welt.


Nach dieser sehr interessanten Geschichtslektion fahren wir zurück und geniessen noch ein paar weniger windige Momente neben dem Bus, bevor der Sturm wieder einsetzt.
Fleadh Cheoil na hÉireann (Wexford)
Das bedeutet: Fest der Musik von ganz Irland! Vom 3.-10. August findet das weltweit grösste Festival der irischen Volksmusik dieses Jahr in Wexford statt.

Wir nehmen es am Morgen gemütlich und fahren gegen Mittag in die kleine Stadt, die etwa eine halbe Stunde entfernt liegt.




Es ist alles gut organisiert mit park&ride und einer voll autofreien Innenstadt. Natürlich haben alle Pubs geöffnet und es gibt eine ganze Reihe Foodtrucks und eine recht grosse Chilbi.





Wir probieren den in Irland sehr beliebten „Spice Bag“: French fries, zügig mit Chili gewürzt und vermischt mit frittierten Peperoni, Zwiebeln und Pouletstücken.


Was auffällt:
An jeder Ecke gibt es „Free Bible Lessons“ – wird aber nicht angesprochen, man muss wohl schon fragen…?
Und positiv: Von der Grossmutter bis zum Baby sind alle unterwegs und alle sind gut drauf, fröhlich, lustig und happy!
Ich habe auch noch nie so viele rothaarige Menschen auf einmal gesehen.

Die Frauen vom Sanitätsdienst machen ein Foto von uns vor der falschen Rotkreuz-Flagge 😉

Der Fleadh (ausgesprochen:Flaa) ist eigentlich ein riesiger Wettbewerb unter den grössten Talenten in Tanz, Gesang und dem Spiel der traditionellen Instrumente.
Es gibt gratis Konzerte und an jeder Ecke wird Musik gemacht, am Nachmittag versuchen sich vor allem unzählige Kinder und Jugendliche als Strassenkünstler!





Einige schaffen es richtig viel Publikum um sich zu scharen, das auch begeistert mitklatscht und zujubelt.
Andere wiederum werden kaum beachtet, aber harren tapfer aus und geben nicht auf. Auch ihre Hüte füllen sich langsam mit Münzen.
Wir tauchen ein in dieses grosse irische Volksfest, doch nach gut 4 Stunden füllen sich die Gassen immer massiver und wir haben genug gesehen.


Zurück beim Bus auf dem Campingplatz machen wir noch einen längeren Spaziergang zur Kirchenruine unten am Strand.





Der Friedhof wird immer noch benutzt, wir sehen aber auch uralte Grabsteine mit 17er und 18er Jahrhundert-Zahlen und viele sind auch gar nicht mehr lesbar.







Diese Kirche wurde vor mehr als 800 Jahren gebaut. Ursprünglich gab es dazu auch mal ein Dorf, doch die Pest, Kriege und Hungersnöte haben es schon vor langer Zeit zum verschwinden gebracht.






Es ist sehr windig und kalt. Zum Znacht koche ich Risotto mit Salat.

Die Nacht wird extrem stürmisch und unser Bus wird so richtig heftig durchgeschüttelt. Das ist an und für sich nicht schlimm, ausser dass es halt einfach wenig Schlaf gibt für uns beide. Aber irgendwie geht uns dieser immer wieder auftauchende kalte Sturmwind schon langsam ein bisschen auf den Wecker!
Waterford
Die mittelgrosse Stadt ist DIE Wikinger-Hauptstadt Irlands. Sie wurde 914 vom Normannen Ragnall (Reginald) gegründet und zwar als möglicher neuer Lebensmittelpunkt, da der Ort strategisch sehr gut für Handel, Raubzüge und Verteidigung gleichermassen geeignet war.
Die Stadt wird heute als „pulsierende Mischung aus engen Straßen, mittelalterlichen Mauern und charmanten Cafés“ beschrieben. Wir wollen uns die Spuren der Wikinger anschauen.



Unterwegs fahren wir über die neue Rose Fitzgerald Kennedy Bridge bei New Ross nach Waterford zahlen wir plötzlich Mautgebühren auf der Autobahn und wir müssen auch auf eine Fähre, weil die Strasse einfach aufhört. Kein Problem, wir lieben Fähren, aber 14 Euro für 7 Minuten ist doch ein anständiger Preis.



Wir parkieren beim Hafen und finden den berühmten Reginalds Tower sofort. Zuerst wollen wir aber noch etwas shoppen und auch etwas essen, wir haben beide Hunger.



Die Stadt wirkt, um 11 Uhr, wie ausgestorben. Viele Geschäfte sind geschlossen, viele Billig-Läden und Thrift-Shops, wenig Fussgänger und einige homeless people… es scheint als hätte diese Stadt auch schon bessere Zeiten gesehen!
Zum ersten Mal seit wir in Irland sind, vergewissere ich mich, ob bei der Handtasche alle Reissverschlüsse zu sind.




Wir besichtigen die eventuell älteste* katholische Kathedrale in Irland: Waterford Cathedral of the most holy Trinity! Und natürlich müssen wir uns davor auch auf die beiden coolen Sessel-Skulpturen vornedran hinsetzen und ein Foto machen 😉 Sie zeigen Strongbow und Aoife, die hier 1170 geheiratet haben.
*=Die Quellen sind sich da nicht einig…

Diese Kirche ist anders als die meisten: Hell, luftig und nichts ist abgesperrt. Wirkt irgendwie freier und auch freundlicher.









Meine Recherchen zur wichtigen Hochzeit: Aoife war die Tochter von Dermot MacMurrough, König von Leinster. 1168 arrangierte ihr Vater ihre Heirat mit Richard de Clare (Strongbow) als Gegenleistung für militärische Unterstützung der Anglonormannen. Nach dem Brehon-Gesetz durfte eine irische Frau nicht zur Heirat gezwungen werden, daher wird angenommen, dass Aoife der Vereinbarung zustimmte. Sie dürfte damals etwa siebzehn Jahre alt gewesen sein. Die Heirat fand nach der Eroberung der Stadt Waterford im August 1170 statt. Strongbow und Aoife hatten einen Sohn, Gilbert, und eine Tochter, Isabella.
Gilbert starb um 1185 und 1189 wurde Isabella, nun Strongbows Erbin, dem englischen Regenten William Marshal Earl of Pembroke zur Frau versprochen. Dazu habe ich schon beim Tinternparva Abbey-Beitrag mehr geschrieben.
Die Hochzeit von Strongbow und Aoife bewirkte schliesslich, dass die Präsenz der Anglo-Normannen in Irland jahrhundertelang wieder viel stärker wurde.


Wir trinken irgendwo einen feinen Espresso und laufen weiter durch die Gassen, aber auch nach 12 Uhr sind die meisten Restaurants noch geschlossen. Gegen 13 Uhr finden wir aber doch einen geöffneten Pub und essen dort Fish &Chips und ein Chicken-Wrap. Vielleicht waren wir einfach zu früh unterwegs?
Was uns gefällt: Es hat viele grosse schöne Murals und Street Art überall.








Beim Reginalds Tower und auch unterwegs in der Stadt stehen verschiedene hölzerne Wikinger-Skulpturen und wir finden noch witzige Bänkli-Installationen. Lustig finde ich auch die kleine Marotte der Iren, an geschichtsträchtigen Orten passende Lego-Szenen zu verstecken 😉



Die Ausstellung im Turm haben wir besichtigt, lohnt sich aber nicht wirklich. Am meisten bleibt wohl das extrem enge Treppenhaus in Erinnerung: Richtig mittelalterlich!!!








Wir verlassen Waterford und ich fahre auf sehr schmalen, kurvigen Strässchen durch schöne Wälder und auf und ab geht es auch noch ziemlich etwa eine Stunde bis nach Tipperary auf die Apple Farm, unserem nächsten Übernachtungsplatz. Hier gibt es saubere Duschen mit schön heissem Wasser und so kann ich gut Haare waschen. Sogar der Fön funktioniert, nachdem wir den richtigen Adapter gefunden haben. Andy kocht ein leckeres Gschmeus (Cervelat, Brotwürfeli, Zwiebeln, Ei) und heute Nacht schlafen wir ohne Wind und Sturm viel besser👍



Am nächsten Morgen beim Schreiben fällt mir auf, dass es schon erstaunlich ist, was man aus einem mittelmässigen Ausflug blog-technisch alles herausholen kann – die historische Einordnung, die mich halt einfach sehr interessiert, hilft dabei natürlich 😉😉😉
Rock of Cashel

Die mächtige Burg auf dem Rock of Cashel steht ganz oben auf meiner Liste der must-see-places in Irland.
Sie war der Sitz der Könige von Munster und ist von grosser historischer Bedeutung.

Eine mega Baustelle (totaler Stillstand) verlängert die kurze Fahrt nach Cashel um gefühlt das Doppelte und dort suchen wir dann auch sicher noch mindestens 20 Minuten nach einem Parkplatz, bis wir uns für einen Illegalen entscheiden 😉
Zum Glück haben wir nicht aufgegeben. Mir hat der Besuch dieses weithin sichtbaren Felsens und seiner Ruine nämlich mega gut gefallen!










Zur Geschichte: Im 4. Jahrhundert eroberte der Clan der Eoghanachta, die späteren MacCarthys, den Felsen und baute ihn zum Clansitz aus. Der heilige Patrick machte daraus im 5. Jahrhundert einen Bischofssitz.







977 wurde Brian Boru hier zum König von Munster gekrönt und von 1002 bis 1014 regierte er ganz Irland und war somit der erste irische „High King“ überhaupt. Er starb 1014 im Kampf gegen die Wikinger. Seine Nachkommen, der Clan der O‘Brian, herrschten weiterhin in Cashel.










Die Bauwerke sind auch ohne Dach und Fenster sehr eindrücklich!



Die heute noch erhaltenen Ruinen der Kapelle und Kathedrale stammen aus dem 12. Jahrhundert, der Rundturm ist noch älter (849 oder 1001).

Bis 1749 war die Festung dann meistens in der Hand der anglikanischen Kirche, danach verfiel sie, denn die Dächer wurden absichtlich entfernt.






Es gibt viele Legenden über diesen Ort. Eine sagt, der Teufel habe aus dem 36 km entfernten Berg Devil’s Bit ein Stück herausgebissen, gerade als St.Patrick auftauchte. Um sich nicht zu verschlucken, spuckte er den Bissen aus und dieser landete mitten in der grünen Ebene von Tipperary. So sei der 65m hohe Rock of Cashel entstanden.

Eine andere Legende besagt , dass St. Patrick im Jahr 432 dort den König Aengus getauft hat und ihm während der Zeremonie aus Versehen mit seinem spitzigen Bischofsstab (dem Bachal Ísu) den Fuss durchbohrte, was dieser über sich ergehen liess, weil er dachte, es gehöre mit zur Zeremonie.



Das Mausoleum der Familie Scully wurde erst 1867 erbaut. Die eckige Säule ist in Wirklichkeit nur der Rest eines 15m hohen Keltenkreuzes, das besonders schön mit religiösen Motiven verziert war. Das Scully-Cross wurde 1976 von einem Blitz getroffen und zerstört. Es gibt hier aber zum Glück noch viele weitere Keltenkreuze.

So viel Geschichte haben Berg und Burg überlebt. Mich machen solche Orte immer sehr demütig…

Wir stoppen auf dem Weg zum Parkplatz bei Granny’s Kitchen und essen Ham&Cheese Toast und hervorragenden Whiskey-Cake im Garten.
Die herzige Wirtin erzählt eine lustige Schokoladen-Geschichte, schenkte uns Tee und erklärt uns noch wie „Hurling“ funktioniert. Dieses County hat gerade die irische Meisterschaft gewonnen und überall hängt deshalb die gelb-blaue Flagge von Tipperary!




Unser Bus steht noch da und wir haben auch keine Busse gekriegt. Zwei Stunden dauert die Fahrt zum nächsten Campingplatz „Sexton‘s“ bei Clonakilty in der Nähe von Kinsale, wo der WAW (Wild Atlantic Way) beginnt. Die längste Küstenstrasse (2500 km) der Welt wollen wir in ein paar Tagen in Angriff nehmen. Vorher ist aber wieder ein Ruhetag nötig.






Wir decken uns im besten Supermarkt des Nachbardorfes mit allem was nötig ist ein und schon bald gibt es Apéro mit Prosecco, Whiskey, Chips und Decke gegen den allgegenwärtigen kalten Sturmwind.
Wochenende
Wir haben folgende To-Do-Liste:
Faulenzen, Wäsche waschen, duschen, Klavier spielen, einander vorlesen, Brot backen, fein essen und trinken, sitzen und schwatzen und faulenzen…
Am Samstag ist es richtig schön und warm. Gleich nach dem ersten Kaffee tigere ich mit einem prall gefüllten Sack Dreckwäsche zur Laundry hier auf dem Campingplatz. Eine von zwei Maschinen ist frei und nicht kaputt. Sie ist riesig und ich stopfe mutig alles rein. Es kostet 5 Euro und 39 Minuten später ist alles gewaschen – nochmals 45 Minuten und 5 Euro später hat auch der Tumbler seine Arbeit getan und alles ist trocken 🏁🏁🏁!!!

Schwatzen und faulenzen bei einem schönen Vollmond, am Sonntag hat es dann mehr oder weniger den ganzen Tag geregnet…

So schade: Von uns unter der Dusche hab ich leider keine Bilder 😇 aber sie war sauber, heiss, lang…👍 und dafür kommt hier eine ganze Klavier-Serie:








Andy hat am Sonntag ein spezielles vor-dem ersten-Kaffee-Erlebnis, das nicht auf der To-Do-Liste steht , sich aber extrem nach vorne gedrängt hat. Er wird schlagartig mit den unpraktischen Folgen von zu viel EarlGrey-Genuss konfrontiert. Am Sonntagmorgen ist der Pipi-Kanister einen halben Tag zu früh rappelvoll und hat nach SOS-Leeren geschrien. Auch davon gibt es keine Fotos und zum Glück auch kein Audio 😜
Vorlesen wird abrupt abgebrochen, Andy findet das Buch Scheisse!
Dafür eine weitere Erfolgsmeldung: Das Brot ist noch besser geworden als beim letzten Versuch!

Auch sonst ist viel Kochen und Geniessen angesagt:





Ausserdem gibts noch Bündner Gerstensuppe mit Wienerli, Andys Spezialität Spiegeleier und nochmals Fleisch vom Grill, mit Brot und grünem Salat.



Es geht uns gut! Es ist wie im Schlaraffenland: Immer wenn wir auf dieses Knöpfchen drücken, kommt da Wein raus…
… und immer wenn Andy auf diese zwei Knöpfchen drückt, kommt da eine Zigarre raus!



Drombeg Stone Circle, Cobh und Midleton
Immer noch der gleiche Sprühregen und kalte Wind beim Aufstehen… trotzdem machen wir uns früh fertig und fahren dann die kurze Strecke westwärts zum Drombeg Steinkreis.





16 stehende Steine und ein liegender „Altar-Stein“ bilden diese Formation aus der Bronzezeit (etwa 3000 Jahre alt). Zur Wintersonnenwende am 21. Dezember schickt die Sonne ihre letzten Sonnenstrahlen genau vom Altar zum Eingang (den zwei grössten Eingangssteinen auf der gegenüberliegenden Seite).

Es ist eine liebliche Gegend hier, aber wir haben uns Drombeg schon ein bisschen mächtiger vorgestellt. Nun ja, unterwegs sehen wir dafür viele riesige und hohe Hecken aus wilden Fuchsien und Monbretien (meine absoluten Lieblingsblumen).

Weiter geht’s zu dem kleinen Küstenort Cobh südlich von Cork. Es regnet und das Navi schickt uns einen komplizierten Weg über eine Fähre. Wir wollen schon abbrechen, machen dann aber erstmal Kaffeepause im Bus.


Als wir doch noch dort ankommen, setzt sich plötzlich die Sonne durch. Wir laufen herum, finden keine offene Beiz (Montag), aber die Aussicht auf die bunten Häuser ist schön.







Cobh hat eine schöne, grosse Kathedrale mit einem sehr hohen Turm.






Innen wird noch viel klarer ersichtlich, wie hoch das Gebäude ist. Alles (Holz, Stein, Schmiedeisen, Fliesen, Fenster) ist äusserst kunstvoll verziert!









In einer Seitenkapelle finde ich eine Stammbaum-artige Auflistung von 560 bis 1662: Vielleicht die verantwortlichen Priester?


Nun kommt der Höhepunkt des Tages. Wir fahren noch eine Viertelstunde weiter nach Midleton.


Wir haben eine Führung und anschliessend noch ein Whiskey-Tasting bei der Midleton-Distillery gebucht. Hier wird Jameson, Redbreast, Paddy, Powers und Midleton Very Rare produziert, ausserdem die speziellen Spot-Family-Whiskeys (Green Spot ist Andys Liebling) und Method and Madness.







Wir bekommen eine fachlich sehr kompetente, spannende und witzige Führung durch die riesige Anlage.
Chemie-Kenntnisse wären sicher von Vorteil, um alle Herstellungsprozesse wirklich zu verstehen. Es ist auf jeden Fall kompliziert!!!

Wir werden eigentlich vor allem durch nicht mehr gebrauchte Fabrikhallen geführt, denn es wurden gleich nebendran neue Produktionsgebäude gebaut. Die neuen sind von 1975! In der Zwischenzeit bauen sie schon an der nächsten Generation.


Wir dürfen aber in die echten Lagerhallen für die Fass-Reifung und erleben dort den echten „Angels Share“.





Wir dürfen auch die Mikro-Destillerie besichtigen, wo junge Fachleute ausgebildet und neue Whiskey-Sorten ausgetüftelt werden.





Auch innerhalb der Führung gab es schon ein kleines Tasting, beim exklusiveren danach werden unsere Geschmackssinne noch viel mehr verwöhnt und wir lernen noch einiges dazu:


- Die oben erwähnten irischen Whiskeys werden nur in Midleton hergestellt und von hier aus in die ganze Welt verkauft. Die Jameson Experience in Dublin ist nur eine Show 😉
- Whiskey kann auch Mais enthalten, nicht nur Gerste.
- Die Angel‘s Share (der Alkohol, der bei der Lagerung in den Fässern verdunstet – das riecht man gut, wenn man im Fasskeller steht) macht einen grossen Teil aus. Die Fässer verlieren über die Jahrelange Lagerung bis zu einem Viertel an Inhalt!
- Whiskey altert nur im Fass, in der Flasche nicht mehr. Denn der Geschmack und die Farbe kommen vom Holz. Je länger der Alkohol drin lagert, desto intensiver wird das Aroma.
- Blended Whiskeys enthalten immer die genau gleiche Zusammenstellung an benutzten Fässern (verschiedenen Ursprungs) und verschiedenen Jahrgangsstufen (die kleinste wird angegeben, d.h. Ein 8jähriger Whiskey kann auch einen kleinen Teil 10jährigen beigemischt haben).
- Blended Whiskeys sind in der Regel frischer im Geschmack, Pot Still Whiskeys sind würziger und wirken öliger – auch bei genau gleichem Alkoholgehalt.
- Pot Still Whiskey ist eine irische Spezialität, ähnlich wie Single malt, aber ein Teil der Gerste wird dabei nicht vermälzt. Das verleiht ihm eine „würzigere Rauheit“ und eine „dichtere Textur“…
- Die Fässer aus der amerikanischen Bourbon-Herstellung dürfen nur einmal verwendet werden. Das schafft für die irischen Produzenten genug Nachschub, denn sie benützen die Fässer mehrmals. Auch Sherry-Fässer aus Spanien und Portugal kommen in Irland zum Einsatz.
- Sherry-Fässer geben dem Whiskey einen fruchtigeren, manchmal auch nussigeren Geschmack, Bourbon-Fässer beeinflussen ihn eher Richtung Vanille, Karamell, Toffee (Sahnebonbon)
Uns hat dieser Ausflug sehr gefallen! Wir bekommen auch noch einen Abschiedsdrink (Jameson mit Ginger Ale und Limette – sehr lecker!), installieren uns auf dem Wohnmobil-Stellplatz und gehen noch eine Pizza essen.







Mizen Head, Three Castles Head und Healy Pass
Nach der ruhigen Nacht auf dem Camper-Parkplatz bei der Midleton Distillery fahren wir entschlossen wieder westwärts. Entschlossen richtig schöne Landschaft zu finden, mit Meer und Klippen. Auf den südwestlichen Halbinseln hat es das.

Es ist schon am Morgen sonnig (bis jetzt kommt die Sonne normalerweise erst anfangs Nachmittag – wenn überhaupt!) und auch warm! Wir machen eine kurze Kaffeepause in Schull.


Dann geht’s weiter Richtung Mizen Head. Es hat auch viele Baustellen und die Strassen sind holprig, kurvig, sehr eng, oft ohne markierte Mittellinie, aber überall mit 80 oder 100 kmh Tempolimit angeschrieben. Realistisch kann man zwischen 50 und 70 fahren!
Die Lastwagenfahrer tun uns echt leid, die müssten eigentlich Gefahrenzulage kriegen. Aber hinter einem fähig gesteuerten LKW nachzufahren, ist ziemlich angenehm, denn die Fahrzeuge auf der Gegenfahrbahn fahren oft nicht wirklich am Rand, wenn „nur“ wir kommen.
Wir sind jetzt endlich auf dem Wild Atlantic Way WAW👍

Mizen Head ist sehr gut besucht, der Parkplatz ist proppenvoll und lustigerweise finden wir einen Platz gleich neben einem anderen VW Kepler One – live ist uns noch nie ein anderer begegnet! Wir laufen etwa eine Viertelstunde steil auf und ab zur berühmten Brücke.









50m über dem Meer ist man auf dieser Brücke.
Runterschauen ist schon speziell, vor allem bei diesem tollen Wetter! Dieses Glitzern 🤩 !!! Inzwischen ist es schon satte 25 Grad.
Weiter hinten hat es noch eine uralte Ausstellung zum früheren Leuchtturm und weitere Aussichtspunkte.










Andy hat viele schöne Video-Clips gemacht – es ist auch wirklich schön hier…
…aber zu viele Leute!
Wir suchen die verwunschene Burgruine auf dem „Three Castles Head“ – suchen, weil es hier kein Netz gibt und das Navi das Schloss nicht kennt. Eine 20 Minuten-Fahrt mit Älpli-Charakter: Kuppen und Kurven mit absolut null Sicht auf einer 1.90m breiten Holperpiste (aber immerhin geteert).
Auf dem Parkplatz hier sind zum Glück viel weniger Autos. Jetzt wandern wir eine gute Stunde durch Schafweiden und über Felsen, auch mit genug Höhenmetern, immer mit grandioser Aussicht aufs Meer, bis wir neben einem kleinen See die pittoreske Ruine von Dunlough Fort finden.









Es heisst drei Schlösser, es sind aber eigentlich nur drei Türme… vor den Felsen gut getarnt.

Ich kraxle noch ein bisschen um die alten Mauern von ca. 1200 herum.









Der absolut stille See, das Summen von Wildbienen und Co., diese alten Mauern und nur ein paar wenige, sympathische, zeichnende amerikanische Touristen … es ist eine total friedliche Stimmung hier.



Dann wieder zurück zum Bus, diesmal auf dem direkten Weg, nicht mehr ganz eine Stunde… wir haben immer noch kein Netz, also montiert andy das Starlink, damit wir unseren nächsten Campingplatz erreichen können. Auf der nochmals fast 2stündigen Fahrt (für 88km) zur Creveen Lodge gehen wir noch einkaufen, denn diese liegt abgeschieden mitten in der Beara Peninsula auf halber Höhe des Healy-Passes.
Der Healy-Pass ist jetzt nicht wirklich eine Herausforderung und das 🐑 ist nachher wieder auf die Strasse gehüpft 😉

Die Landschaft ist traumhaft schön!


Unser Campingplatz auch! Wir geniessen einen wunderschönen Sonnenuntergang und ein feines Abendessen (Fisch vom Grill) und richten uns gut ein mit Markise und allem, denn morgen soll es den ganzen Tag regnen und wir planen ein bisschen zu arbeiten und Kuchen zu backen!






Beara Peninsula
Den regnerischen Mittwoch verbringen wir mit Büro-Arbeiten, mit guten Freundinnen telefonieren und backen.



Und zum Dinner gibt’s leckere, fast selbst gemachte Tom Kha Gai. Ich zeige euch mal wie das in meiner Mini-Küche geht:








Am Donnerstag haben wir uns den Ring of Beara vorgenommen. Es beginnt mit nochmals Healy-Pass und dann feine salzige Galettes und Cortado von einem Food Truck in Glengariff.




Mit der Harbour Queen Fähre fahren wir zur Garinish Insel. Auf der Insel lebt niemand, aber vor mehr als hundert Jahren wurden da schöne Gärten angelegt, weil das Klima dort beinahe mediterran ist.





Unterwegs sehen wir Seals, in dieser Bucht leben etwa 350 dieser Tiere. Ob es Robben oder Seehunde sind, habe ich nicht rausfinden können.
Es gibt hier auch Seeadler, wir haben aber nur diesen kleinen Piepmatz gesehen 😌

Wir brauchen eine gute Stunde um uns alles anzusehen.
Die kleinen und die grossen, alten Bäume sind beeindruckend.











Hier wachsen sogar Steinpilze 😉

Im „walled garden“ wachsen…







… die schönsten Blumen.










Besonders gefallen mir die vielen extrem fest mit Moos bewachsenen Bäume.




Klassische Architektur und schöne Treppen und Wege mit Aussicht…










Der Ausflug nach Garinish Island hat uns sehr gut gefallen.
Danach fahren wir über den Caha-Pass (gut ausgebaut, für Irland sind scheinbar die Tunnels etwas spezielles).
Weiter geht’s zum Gleninchaquin Park, wo der höchste Wasserfall Irlands zu besichtigen ist (140 m). Zuerst eine halbe Stunde der Küste entlang und über Berg und Tal…





…dann 30 Minuten durchs Niemandsland und es ist bis jetzt die schwierigste Strecke überhaupt – so schmal und extrem kurvig war es noch nie! Schaut das Video bis zum Schluss, dort kommt noch ein LKW🤪 zum Glück ist Andy gefahren!!!
Unterwegs leisten wir noch Pannenhilfe: Ein Mini Countryman hat sich beim Ausweichen festgefahren. Andy findet sekundenschnell alles Nötige und zieht den Wagen aus dem Dreck.




Wir schwatzen noch lange mit dem super sympathischen irischen Paar und bekommen viele Tipps und Auskünfte. Ganz herzliche, nette Menschen, die sehr dankbar sind für die schnelle Hilfe. Sie zahlen sogar 5 km später unseren Parkplatz bei der Rangerin.




Beim Parkplatz angekommen, machen wir den kurzen Spaziergang zum unteren Ende des wirklich hohen Wasserfalls.



Ob es der höchste ist? Egal. Apfel essen, in die Gegend gaffen, gemütliche Pause… ist schön hier.
Dann den ganzen engen Weg zurück fahren (Andy) und weiter nach Castletownbere (Sue), wo wir bei Breen‘s Lobster Bar lecker Krabbengratin und Fish&Chips mit sehr gutem Salat essen.



Irland steht wirklich auf Farben. Die Häuser, oder wenigstens Türen und Fensterrahmen, Bänke und Tische sind (wenn gartentechnisch möglich) bunt angemalt. Wir haben im vorbeifahren sogar eine alte Kirche, aus dunklen Steinen gemauert, mit pinkfarbenen Fensterrahmen gesehen. Diese Freude am Bunten gefällt uns sehr gut!





Wir haben den Ring of Beara etwas abgekürzt, weil schon wieder die ersten Tropfen fallen. Zum 3. mal über den Healy-Pass (immer von der gleichen Seite – morgen müssen wir wirklich mal noch die andere Seite runter!), kommen wir gegen 8 Uhr gut im Camping an und geniessen noch die schöne Abendstimmung.




Inveragh Peninsula (Ring of Kerry)
Es wird ein Tag mit sehr viel Sonnenschein, unglaublichen Strassen, beeindruckenden Klippen, unfähigen Tourismus-Behörden und nervigen Franzosen – aber der Reihe nach.
Wir starten auf den Ring of Kerry, auch wenn wir zurzeit grad mitten in der Beara Halbinsel wohnen. Es ist Wochenende und sonnig, deshalb sind viele Campsites auf der Halbinsel Inveragh ausgebucht, aber wir haben hier im herzigen (wenn auch völlig veralteten) Creveen Camping verlängern können.
In Kenmare ist ein riesiger Markt im Gang (immer am 15.8.). Die Stadt ist übervoll mit Ständen und Touristen und es gibt eine grössere Umleitung für uns. Wir fahren via Sneem zum Staigue Fort, einer 1700 Jahre alten, immer noch sehr gut erhaltenen Ringmauer-Festung mit 27m Durchmesser ist sie eine der grössten von Irland. Die 4m dicken und bis zu 5,5m hohen Trockenmauern (nur geschichtete Sandsteinplatten).


Man kann auf seitlich eingelassenen Treppen überall rauf und runter klettern. Und hier kommen die Franzosen ins Spiel. Eine grosse Familie lässt ihre schreienden Kinder wild überall herumrennen und -klettern. Sie stellen sich in so ziemlich jedes Foto, das ich machen möchte, auch die Eltern. Keine Rücksichtnahme what so ever. Ein Junge reisst sogar Steine heraus und will sie runterwerfen. Jetzt schreit die Mutter herum, bis er äusserst widerwillig davon ablässt. In solchen Momenten regen mich Kinder nur noch auf…






Weiter geht’s zur berühmten Derrynane beach, wir möchten endlich mal ein bisschen Strand und Meer geniessen. Es hat Stau auf der einspurigen Strasse und nur sehr wenige und extra knappe Ausweichstellen. Ich fahre – und da kommt mir doch tatsächlich ein Müllwagen, rückwärts, entgegen. Ich muss richtig über den Rand der Ausweichstelle hinaus rangieren und Andy klappt den Spiegel ein… – es passt, grad so 🤪

Wir fahren im Schritttempo weiter bis zum ersten Parkplatz. Dort sehen wir die Höhenbeschränkung auf 1.90m – Mist! Hätten die das nicht 4km früher anschreiben können??? Nicht nur wir sind betroffen, sondern auch viele andere Campervans in der Schlange. Es gibt noch einen zweiten Parkplatz aber der ist schon voll. Also 4km zurück schleichen und bei der Weiterfahrt neue Pläne machen.

An einem schönen Aussichtspunkt machen wir uns ein Sandwich und beschliessen, direkt zu den Kerry-Cliffs zu fahren. Sie gelten als gute Alternative zu den touristisch total überlaufenen Cliffs of Moher.









So kommen wir schliesslich nach knapp 4 Stunden und 120 km bei inzwischen schon 27 Grad auf dem riesigen Parkplatz bei den Kerry-Cliffs an🙄 Von hier aus sieht man nur die erhöhte Klippe, kein Meer, keine Felsen.
Doch nach einem 10 Minuten Spaziergang:

Es hat zwei grosse Felsvorsprünge mit View Points, das WAW-Zeichnen steht in der Bucht dazwischen. Die Klippen sind gut 300m hoch und sehr eindrücklich.
Es ist alles gut gesichert und angeschrieben.



Es ist zwar wirklich warm und hat auch nur wenig wind, aber dafür leider auch etwas diesig, die Fernsicht ist nicht wirklich gut. Aber trotzdem ist es wunderschön und spektakulär!




Das sind Bilder vom rechten Aussichtspunkt aus, nach Nordwesten.
Hier die noch krasseren Felsen links (von der Mitte aus fotografiert) und dann der Aufstieg und die Sicht vom höchsten Punkt aus.
Auf dem View Point links hat es auch weniger Leute, nicht alle machen den steilen Weg nach oben. Es sieht aber viel strenger aus als es tatsächlich ist.








Diese geschwungene Kante am Berg neben dran finde ich auch sehr speziell.

Kerry Cliffs – ein absolutes Must-see🤩
Mit dem Stau bei Derrynane Beach haben wir am Morgen viel Zeit „verblöterlet“ und wir haben noch einen langen Heimweg vor uns (wie lang wissen wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht!!!).

Es ist schon halb 4 Uhr und wir entscheiden uns für den den direkten Rückweg, den uns Google Maps vorschlägt, mit einem ganz kleinen Abstecher zu den drei Burgen bei Cahersiveen.







Cahergal Stone Fort ist wieder eine Ringmauer-Burg, aus dem 7. Jahrhundert, und etwas kleiner als Staigue Fort, aber besser erhalten. Die 7 Treppen nach oben sind sehr gleichmässig konstruiert und die Stufen grader als bei Staigue. In der Mitte hat es sogar noch Ruinen eines weiteren Gebäudes. Mir gefällt es besser als das vom morgen, aber Andy hat genug von alten Steinen…





Erst recht reicht es ihm, als wir die Ruine von Ballycarbery Castle finden (die man von der Ringmauerburg aus sehen kann) und merken, dass hier niemand willkommen ist! Also geht es jetzt auf den Heimweg. Google Maps sagt 2 Stunden für 95 km.

Jetzt geht’s richtig los mit schmalen und sehr holprigen Strassen (oder eher Pisten). Wir fahren quer durchs menschenleere Innere der Inveragh Halbinsel. Es ist schön hier aber sehr anstrengend zum Fahren.












Drei Pässe sind auf unserem Weg: Ballaghisheen Pass (Bealach Óisín), Ballaghbeana Gap (Bealach Beime) und am Schluss auf Beara noch eine für uns neue Route des Healy Passes (Bealach Scairte) im Caha Gebirge.



72 der 93 km waren so kurvig, wie ich das noch nie erlebt habe🫣 und ich bin sonst die ganze Zeit rechts vorne am Fenster gehangen, um Andy vor entgegenkommenden Fahrzeugen zu warnen.

Endlich im Camping angekommen, gibts noch ein leckeres Znacht!
Gougane Barra und Killarney
In der Nacht stürmt es zügig und unser Zeltdach rüttelt heftig, ab und zu klappert sogar der Tisch draussen. Doch am Morgen ist alles noch da, auch das kaltfeuchte Wetter.


Wir packen zusammen und füllen noch AddBlue in den Bus. Seit Tagen hatten wir uns Gedanken gemacht, wie wir die Flüssigkeit ohne Trichter einbringen könnten und Andy hat auch schon etwas gebastelt dafür. In der Schweiz ist dieser Einfüllstutzen normalerweise oben gut sichtbar am Kanister befestigt. Hier war er auf der Rückseite in einer Vertiefung eingeschweisst… Wir hätten den Kanister nur mal umdrehen und die Etikette entfernen müssen🤪
In Glengariff geniessen wir noch einmal leckere Galettes. Unterwegs dorthin aber noch ein grosses Highlight für Andy: Während ich den Bus steuere, verfolgt er mit der Drohne unsere Fahrt. Sowas haben wir noch nie gemacht bis jetzt.
Zitat danach: „Mir ist immer noch schlecht … ich spürte das Rumpeln und die Kurven, gleichzeitig hatte ich die Sicht der Drohnenkamera, die gegen den böigen Wind ankämpfen musste. Das passte nicht wirklich zusammen…“🤪
Aber so richtig krank sieht er eigentlich nicht aus – eher zufrieden!

Eine Stunde später sind wir in Gougane Barra, einem romantischen Kirchlein an einem kleinen See mitten in einem grossen, hügeligen Wald.

Hier hat der Heilige St.. Finnbar im 6. Jahrhundert auf einer Insel im See ein Kloster gegründet. Heute kann man davon noch ungefähr 300 Jahre alte Ruinen und eine kleine Kapelle besichtigen.





Es ist malerisch und bei schönem Wetter sicher besonders hübsch.







Wir fahren weiter nach Killarney, wo wir auf einem sehr teuren Campingplatz zwei Nächte gebucht haben, denn Haare waschen ist dringend. Killarney ist der touristische Mittelpunkt des County Kerry.

Nach der wohltuenden Dusche laufen wir etwa 3km ins belebte Zentrum, trinken Guinness und essen Pizza im J.M.Reidy‘s. Der Pub ist ein regelrechter Irrgarten: Verschiedene Bars, kleine Kabinen mit nur einem Tischlein, Brocki-ähnliche Deko überall, live Musik und gute Stimmung.








Wir sitzen draussen und beobachten die vielen Leute und Krähen…
die es hier überall hat…



… auch auf dem Campingplatz.

Weil es am nächsten Tag regnet und der Platz hier sehr sauber und gut organisiert ist, erledige ich gleich noch eine Runde Wäsche und Andy macht Büro.
Hier unsere gestrige Etappe: 109 km und dafür haben wir etwa 2.5 Stunden gebraucht.

Wir schmieden auch Pläne für die Weiterreise, was gar nicht so einfach ist. Der Wild Atlantic Way besteht aus dreierlei Strassen (sowie wir das bis jetzt erlebt haben):

- einspurige Holperpisten mit Ausweich-Buchten, darauf braucht man für 30 km eine Stunde…
- oder etwas breitere Strassen, aber immer noch kurvig und voller Bumps und Schlaglöcher, so dass mehr als 75 kmh nicht ratsam sind…
- oder es gibt ganz selten mal eine N- oder M-Strasse, auf der man 10 Minuten lang echt Vorwärtskommen kann! Dann muss man wieder abbiegen und irgendeinen Pass bezwingen.
Die allermeisten Strassen führen nicht dem Meer entlang, sondern durch Wald oder sind von hohen grün-bewachsenen Mauern eingerahmt… – heisst im Klartext:
Keine Aussicht! Weder aufs Meer, noch auf die Landschaft oder sonst irgendwas…
Wir fahren eigentlich sehr gern Pässe (und unser 4×4 Bus kann auch Holperpiste), wir lieben auch den Wald und überhaupt die Pflanzenwelt – aber diese Irland-Experience hatten wir uns irgendwie anders vorgestellt… Es ist wie eine Fahrt im Zug oder auf der A1: Man sieht nichts, denn man ist ist von Lärmschutzwänden umzingelt!
Uns fehlt der wilde Atlantik: Küste, Klippen, Sand und Wellen!
Es ist hier immer noch Hauptsaison und hat überall viel Volk und volle Campingplätze. Aber wir sollten vielleicht einfach etwas spontaner vorgehen und uns nicht darum kümmern? Mal schauen, was morgen bringt. Ich bleibe zuversichtlich!
Um den regnerischen Tag positiv abzurunden, gehen wir nochmals auswärts essen und zwar sehr lecker, im Ivy Lounge, gleich neben dem Campingplatz.




Das war Andys Aktivität von heute (wir merken, nicht zum ersten Mal: My Tracks zeichnet selektiv auf) – immerhin sind wir ja noch ins Restaurant gelaufen (mindestens 77m hin und zurück …) 🤭

Kilkee Cliffs und Bridges of Ross
Heute finden wir „weites Land“ und den ganz grossen Atlantik. Aber zuerst müssen wir uns aus dieser Touristen-Hochburg herauskämpfen.
Wir wollten in Killarney eigentlich noch den Torc-Wasserfall (soll nach Regen besonders schön sein) und die Ruinen von Muckross Abbey anschauen. Aber wie schon bei unserem Versuch, die berühmten Gärten von Muckross House zu besichtigen, bei unserer Ankunft hier: Die Parkplätze sind voll, voll, voll! Es nervt! Keine Chance einen Platz zu finden.

Also lassen wir’s – und fahren Richtung Norden, nach Tarbert, und nehmen dort die Fähre über das Shannon Delta. Jetzt sind wir in der County Clare. Und hier eröffnet sich uns auch plötzlich die Landschaft: Weite Felder, weniger Wald, leicht hügelig, verstreute Häuser und kleine Dörfer – es erinnert mich ein bisschen an Süd-West-England, nur ärmlicher.

Doch zuerst gibt es beim Diamond Rocks Café in Kilkee noch einmal einen sehr vollen Parkplatz. Andy kann reinfahren und mit Mühe auch auf seiner Seite aussteigen. Für mich geht es nur über die hintere Tür raus (Beweglichkeit-Check bestanden). Danach eine Viertelstunde anstehen für Kaffee, aber der ist gut und man kann ihn mitnehmen.


Jetzt lassen wir die Crowd hinter uns und beginnen den Kilkee Cliff Walk, hin und zurück je etwa 3 km.








Die Kilkee Cliffs (bis zu 80m hoch) sind viel kleiner als die berühmten Cliffs of Moher (bis zu 220m hoch), aber auch viel zugänglicher, weniger vermarktet und viel weniger touristisch. Sie bieten ebenfalls spektakuläre Aussichten auf die zerklüftete Steilküste, aber ohne die grossen Menschenmengen.




Die „Nadel“ sehen wir später vom nächsten Aussichtspunkt aus noch besser.

Wir geniessen die Wanderung und langsam kommt auch die Sonne ein bisschen hervor. Zum Schluss entdecken wir noch dieses schöne irische Gedicht.



Danach fahren wir den WAW etwa 10 Minuten südwärts bis zum offiziellen Kilkee Cliffs Aussichtspunkt. Hier hat es kaum Leute, ein paar Fischer und zwei drei Pärchen, und wir geniessen nach einem kurzen Spaziergang die phänomenale Sicht auf 270 Grad Meer und Felsen.




Die Sonne kommt immer stärker und beinahe gibt es noch ein Nickerchen auf dem weichen Gras.




Nochmal 20 Minuten südwärts auf der Loop Head Peninsula sind die Bridges of Ross. Das sind eindrückliche „Brücken“, die durch den Wellengang in die Küste hineingegraben wurden.











Zuerst finden wir die Brücken nicht, aber auch die Bucht und der ausgeschilderte Weg bieten schöne Ausblicke. Dann plötzlich ist sie da! Schon etwas Besonderes 🤩






Ursprünglich waren es mal drei Brücken, um 1850 (?) sind zwei davon aber eingestürzt. Gut möglich, dass es in hundert Jahren wieder mehrere gibt, denn der Atlantik frisst weiterhin mit aller Kraft an der Felsenküste.


Seegras oder Algen leuchten unwirklich in der Abendsonne.



Es ist sehr friedlich hier und nur ganz wenig andere Touristen, die alle im Laufe des Abends wegfahren.






Auf diesem grossen und ebenen Parkplatz wollen wir heute übernachten. Andy kann wieder die Drohne fliegen und es gibt einen schönen Sonnenuntergang.
Wir trinken zur Feier des Tages eine feine Flasche Lieblingswein und beobachten einen Vogelschwarm, mit sehr vielen faulen Mitgliedern…
… die lieber auf der Stromleitung kuscheln wollen. Bald schon kuscheln auch wir uns ins Bett. Die Nacht bleibt ruhig und friedlich.

Friedhöfe, Schafe, Dolmen, der Burren und ein kleines Kaff mit viel Herz
Nur 10 Minuten nach unserem Übernachtungsplatz halten wir beim Friedhof und der verfallenen Ruine der Kirche von Cross schon wieder an.








Sehr berührend sind die Inschriften auf den Grabsteinen von (meist amerikanischen) Nachfahren, die ihre Wurzeln suchten und die letzten Ruhestätten ihrer Vorfahren fanden.


Mir gefallen diese alten Kirchen und die Friedhöfe mit den vielen Keltenkreuzen. Sie wirken so erhaben irgendwie, die Spiritualität ist spürbar, aber nicht auf das rein Christliche beschränkt. Zumindest empfinde ich das so…

In Irland sind Familiengräber über mehrere Generation hinweg üblich. Die Clan-Namen stehen oft gut sichtbar auch auf der Rückseite und manchmal ist auch gleich noch Werbung vom Steinmetz inbegriffen.


Nach dem Foto-Stop in Cross gibt’s Scones und Cappuccino zum Frühstück in Kilkee und dann fahren wir Richtung „Burren“ im Norden von County Clare. Die Cliffs of Moher lassen wir sein. Fussballfeld gross sind die proppenvollen Parkplätze – das ist uns viel zu viel Trubel!


Ich fahre gefühlt stundenlang über Stock und Stein durch eine wunderschöne Heidelandschaft mit unzähligen Steinmäuerchen und schönen Blumen, Flechten und ab und zu einem Pferd oder zwei, drei Kühen – auf engsten Strassen natürlich, immer mit Nervenkitzel vor der nächsten Kurve und Schlotterknie, wenn dann wirklich einer kommt und ich kreuzen muss…



In Caherconnel Fort angekommen, sind wir zuerst ziemlich skeptisch, ob das etwas für uns sein könnte. Sie zeigen hier, wie mit den Schaf-Hüte-Hunden gearbeitet wird. Es ist so eine Art Zirkus-Vorführung – aber entgegen unseren Befürchtungen ist es spannend, witzig und sehr interessant! Wir haben einiges gelernt!

Die Hunde sind auf Zuruf und Pfeiftöne dressiert. Jeder Hund bekommt eigene Pfiffe, damit er auch einzeln angesprochen werden kann. Übrigens sind es meistens Hündinnen, die Rüden sind scheinbar nicht geeignet für diese harte Arbeit…
Mit 3 Jahren sind die Hunde ausgebildet, mit 12/13 Jahren gehen sie (verdient!) in Pension.

Vier Hunde können zusammen etwa 150 Schafe leiten und führen, zusammentreiben oder auch separieren. Im folgenden Video war der Auftrag, 3 Schafe aus der Gruppe herauszunehmen.
Uns wurde auch noch der Farbencode für die Schafe erklärt (die sind ja immer so furchtbar bunt angesprayt). Der Hirte hat schnell und mit heftigem Dialekt gesprochen. Ich habe folgendes verstanden: Die Schafe verbringen den Winter in den Bergen, dafür gibt es die Farben ihrer Besitzers auf den oberen Rücken. Die Männchen kriegen blaue Farbe auf den Bauch. Wenn die Weibchen dann einen blauen Hintern haben, ist klar, dass es bald Lämmchen geben wird 🤭

Nach der Sheep-Dog-Show besichtigen wir noch eines der wichtigsten Steinzeit-Symbole der Region, den Poulnabrone Dolmen.

Der Dolmen ist kleiner als erwartet, aber ich finde es doch immer wieder faszinierend, solch Zeugnissen der frühen menschlichen Kultur zu begegnen.


Dieser Grabstein ist älter als die Pyramiden. 33 Menschen wurden hier begraben. Es wurden Schmuck und Pfeilspitzen gefunden und man weiss immer noch nicht genau, wie und warum diese Rituale stattfanden.


Ausserdem ist die Umgebung des Dolmen schon sehr aussergewöhnlich.







Der Burren, ein Massiv aus Kalkstein im Nordwesten des County Clare, ist eine einzigartige Landschaft. Grösser als der Kanton Aargau erstrecken sich die Kalkstein-Felsen dem Meer entlang von den Cliffs of Moher bis zur Corcomroe Abbey, die wir am nächsten Tag besuchen.
Viele alpine und sogar arktische Pflanzen wachsen hier.



In der Nähe, in Lisdoonvarna, parkieren wir am späten Nachmittag auf einem Wohnmobil-Stellplatz der Gemeinde beim Hydro-Hotel. Municipale Stellplätze für Camper sind in Irland leider die absolute Ausnahme. Dieser hier kostet wenig und die sehr nette Lady vom „Failte“-Büro will uns noch zum Comedy-Abend (halb englisch/gälisch) einladen und hat Tipps für ein Dinner in Town.




Das Roadside Tavern (Seafood) wäre sicher sehr fein gewesen, es duftete auch so! Leider aber schon total ausgebucht.
Die zweite Empfehlung war das „Ritz“: Die Fish&Chips und der Chicken-Burger haben unseren Hunger gestillt. Das Guinness war lecker. Mehr will ich dazu gar nicht sagen.

Im Bus noch eine kleine Weile Netflix und dann gingen wir schlafen. Die Nacht war ruhig und ereignislos.
Südküste von Connemara
Vor der ruhigen Nacht auf dem Sportplatz-Parkplatz in Lisdoonvarna sind wir uns sehr unschlüssig, in welche Richtung es weitergehen soll. Heute Morgen entscheidet das Wetter für uns. Schon früh scheint wunderbar die ☀️ und deshalb fahren wir weiter der Küste nach Richtung Norden.

Capuccino bei einem herzigen Café&Bio-Laden in Kinvara mit wunderbarer Aussicht auf den Fjord bei Galway.






Kurz danach stoppen wir bei der sehr sehenswerten Corcomroe Abbey.

Tolle Architektur aus dem frühen 13. Jahrhundert und wieder ein beeindruckender Friedhof mit vielen alten Gräbern und schönen Keltenkreuzen.













Wir treffen grad noch vor den Cars ein, die eine Ladung Touristen nach der anderen herankarren. Klar, wir sind auch Touristen, aber wegen uns müssen keine Schilder montiert werden, die darauf hinweisen, nicht auf die Grabplatten zu stehen…




In dieser Abbey liegt auch die letzte Ruhestätte einer berühmten irischen Persönlichkeit.




Nächster Stopp ist der Pet-World-Shop kurz vor Galway, um Hobelspäne zu kaufen für unsere Trocken-Trenn-Toilette (der Vorrat ist nach 4 Wochen langsam aufgebraucht). Dann geht es weiter um Galway herum (wir wissen, dass es eine coole Stadt ist – aber uns ist überhaupt nicht nach Stadt 😉) und weiter auf dem WAW North.
Nach einer längeren, aber schönen Fahrt machen wir eine lange Pause mit Siesta am Coral Strand Beach.

Es ist richtig heiss und super friedlich hier.




Viele Muscheln „kleben“ an den Steinblöcken. Eine Krabbe wird angeschwemmt, es hat die typischen Pflanzen und Schmetterlinge und vor allem: An dieser Beach gibt es keinen Sand, sondern geschnipselte Korallen.







Der Korallen-Strand ist speziell – es tönt auch anders („höre“ das Video).
So schön!!! Es fühlt sich voll nach Sommer an. Wir geniessen diesen warmen und sonnigen Nachmittag in South Connemara sehr! ☺️
Nach dem Beach-Aufenthalt ist es jetzt aber Zeit, einen Übernachtungsplatz zu suchen.

Wir klappern mehrere P4N-Plätze ab , die uns aber alle nicht gefallen (viele zu nah an Häusern). Ein Campingplatz ist voll, es gibt keinen anderen. So fahren wir knapp zwei Stunden durch die schöne Gegend und finden dann doch noch einen „very nice Spot“ bei einem WAW-Aussichtspunkt.
Dieser kleine Fischerhafen heisst…




…fast wie unser Lieblingswein😃









Später kommen noch sehr nette Franzosen mit einem VW California. Wir zeigen uns gegenseitig die Busse und kochen gleichzeitig. Bei uns gibt es lecker Tomatensalat und Pesto-Penne.




Plötzlich kommen die Midges, aber wir sind super ausgerüstet und bestens bewaffnet mit Citronella-Kerzen, indische Odomos-Antimückensalbe, Rauch von Andys Zigarillos, Thermacell und VanQuito Feinmesh-Fliegengitter!

So können wir den herrlichen Sonnenuntergang doch noch geniessen !



Dieser Platz ist einer der schönsten bisher. In Irland ist wild campen eigentlich nicht erlaubt, aber an öffentlichen Plätzen, wenn keine Verbotstafel da steht, ist es erlaubt.
Dieser kleine Fischerhafen als Übernachtungsplatz hat uns wirklich sehr gefallen!
Regentag unterwegs
Wir starten sehr gemütlich in den Tag, der wettermässig aber nicht viel verspricht, ausser aufkommender Regen.

Mit Umwegen finden wir den Derryclare Lough und dann auch den View Point für die Insel mit den 12 Pinien. Die Bens (so heissen Berge in Schottland und Irland) dahinter sind leider im Nebel verschwunden.
Wegen des Nieselregens verzichten wir auch schweren Herzens auf die Wanderung mit 411 Höhenmetern auf den Diamond Hill. So schade😉


Wir fahren nach Clifden, wo wir in einem der zahlreichen guten Seafood Restaurants Mittagessen möchten. Daraus wird aber nichts, denn Clifden ist total überfüllt und wir stecken da nur eine halbe Stunde im Stau! Es ist Markt (alles mögliche für den Haushalt, aber auch Schafe und Kühe) und Springkonkurrenz gleichzeitig – noch nie im Leben haben wir so viele Pferde-Anhänger auf einmal gesehen.
Also fahren wir weiter, machen auf einem grossen WAW-Parkplatz kurz darauf selber ein paar Sandwiches und holen beim Foodtruck um die Ecke Cappuccino und total leckere Cookies.

Weiter geht’s auf dem WAW North auf die Sky-Road von Clifden. Diese Bergstrasse wäre sicher wahnsinnig schön ohne den Nebel und den Regen. Leider sieht man heute einfach gar nichts. Ich spüre aber, dass es neben mir direkt vertikal hinunter zum Meer geht. Beim Aussichtspunkt wechselt mich Andy am Steuer wieder ab, zum Glück 🫣😅


Wir fahren und fahren durch Regen und Wildnis und schliesslich halten wir auf einem Parkplatz mit einer kleinen Hecke als Sichtschutz zur Strasse (N 59 in der Nähe von Moray) an für die Nacht.

Draussen regieren die Midges, deshalb nimmt Andy zum Rauchen das ultimative Abwehrsystem hervor.
Ich bleibe drinnen, montiere die Festbeleuchtung und koche Linsen mit Zwiebeln und Wienerli, nachher gibt es noch Netflix zur Abendunterhaltung.



Mit der Pensionierung ist der Termindruck am Ende unserer Reisen verschwunden. Jetzt sind wir schon mehr als 4 Wochen in diesem Bus gemeinsam unterwegs, das sind einige Tage länger als jemals zuvor. Wichtigste Erkenntnis dazu:
Das Reisen im kleinen Campervan ist kein Beziehungskiller! Im Gegenteil ❤️ Es ist schön zu zweit so unterwegs zu sein.
Das Miteinander auf sehr engem Raum, eigentlich ohne jegliche Privatsphäre, klappt bestens. Auch wenn wir den ganzen Tag das Gleiche erleben, fehlen uns nicht die Gesprächsthemen. Wir sehen, lesen und hören ja unterschiedliches, wir nehmen Erlebtes verschieden wahr. Wir lassen uns gegenseitig viel Zeit für das, was im Bus drin gemacht wird und wir sind oft draussen. Es braucht Rücksichtnahme und Toleranz, aber das kriegen wir ganz gut hin.

Irland und diese Reise ist mehr oder weniger so, wie wir es uns vorgestellt haben. Da der Blog-Beitrag vom heutigen Regentag schon sehr kurz daherkommt, haben wir uns noch ein paar allgemeine Gedanken zum Reisen im Bus und zu Irland gemacht.
- Wir sind selbstsicher unterwegs in Sachen was tun wenn… (Abfall, Vorräte im Griff haben, Diesel und AddBlue, Internet, parkieren, einkaufen, etwas fragen etc. ) 👍
- Campingplätze sind nicht unser Ding, waren aber wegen Hochsaison im Süden nötig. Wir stehen lieber abseits, wenn möglich…🤫
- Stellplatz suchen braucht Zeit, aber ist für uns besser als Campingplätze im Voraus zu organisieren. Wir sind flexibler und entspannter unterwegs ohne Reservierungen…☺️
- In Irland ist Vorwärtskommen beim Reisen sinnvoller als von einem Ort aus sternförmig unterwegs zu sein – weil die Strassen sooo schlecht sind und man mit der Variante „Sternförmig“ viel Zeit verplempert.🥱
- Wir sind für die Variante „Vorwärts“ auch schnell genug beim Auf- und Abbauen… – wenn wir wollen 😉
- Das Reisen und die vielen Eindrücke sind bereichernd und anstrengend. Wir brauchen genug Pausen und schlafen viel und besser als vorher😴
- Alltag im Camper braucht Zeit, aber es gelingt uns (wie früher auch schon) geduldig zu sein mit einander und mit dem Alltag 😉
- Nördlich von Galway hat es weniger Leute und die Landschaft ist offener, weiter und gefällt uns besser. Erinnert an Schottland, nur farbiger. Dafür hat es hier Midges und die mögen mich leider ziemlich gern. Zyrtec ist wieder mein ständiger Begleiter 😩
- Strassen? Furchtbar! Nicht wegen einspurig und kurvig , sondern wegen den Schlaglöchern, Bumps, Mulden, weil sie seitlich abfallen und unübersichtlich sind, wegen der Blind Summits und den plötzlichen Wechseln dieser Zustände, von einer Sekunde auf die nächsten 🫣
- Die Leute sind sehr nett, wollen oft zuerst nur kurz reden (uns abchecken), dann aber kommt man schnell in ein richtiges Gespräch und sie sind sehr offen, freundlich und hilfsbereit 😄
- Die Häuser sind bunt, nicht nur in ausgewählten Touristenorten, sondern fast überall. Das gefällt uns sehr. Allerdings wirken viele Bauten auch ärmlich, manchmal ungepflegt und es hat viele zerfallene Ruinen der alten Steinhütten von früher. Das sieht allerdings auch ganz malerisch aus…😬
- Die grüne Insel ist auch eine bunte Pflanzenwelt. Die Wiesen und Strassenränder sind voll mit Fuchsien, Monbretien, Blutweiderich, Knöterich, Erika, Glockenblumen, Disteln, Ginster, Jakobs-Greiskraut (ein ungeliebter Neophyt), Margeriten und vielen verschiedenen Farnen – in den Gärten dominieren Rhododendron in allen Schattierungen von weiss, rosa bis lila und blau. Die Flora Irlands ist wunderschön 🤩
Kylemore Abbey und Burrishoole Friary
Pünktlich zur Öffnungszeit stehen wir auf dem riesigen Parkplatz der Kylemore Abbey.

Hier leben seit 1920 und auch heute noch Benediktiner-Nonnen. Erbaut wurde Kylemore Castle 1868 von Mitchell Henry, einem reichen Arzt aus London.

Er betonte stets seine Irischen Vorfahren, war 14 Jahre lang liberaler Abgeordneter für die County Galway in Parlament in London und befürwortete stark die irische Unabhängigkeit.


Wir spazieren zuerst dem See entlang bis zur kleinen Kirche im gotischen Stil. Mitchell Henry liess diese Mini-Kathedrale bauen im Andenken an seine Frau Margaret, die er sehr geliebt hatte und die während einer Reise durch Ägypten an einem Fieber starb.







Anschliessend besuchen wir die spannende und aufwändig gestaltete Ausstellung im Hauptgebäude.

















Das riesige Anwesen ist ein herrlicher Ort mit einem alten Wald voller mächtiger Bäume. Durch diesen Wald wandern wir zum wunderschönen „Walled Garden“ von 1902. Das tun nicht viele, die meisten nehmen für die knapp 2km den Shuttlebus.










Wir sind froh, dass wir früh gekommen sind. Inzwischen hat es schon sehr viele Besucher hier.

Der Garten war zur Zeit, als er angelegt wurde, einer der modernsten in Europa. Es gab mehr als 20 beheizte Gewächshäuser, in denen Bananen und viele andere wärmeliebende Pflanzen gezüchtet wurden. Und er ist heute noch wunderschön, für Herzensgärtnerinnen wie mich 💚



















Brunch im Teahouse: Sehr lecker und ganz ohne langes Anstehen…

Der Besuch von Kylemore Abbey hat uns sehr gut gefallen!

Weiterfahrt auf dem WAW North ins Doolough Valley: unterwegs nehmen wir noch ein paar WAW Aussichtspunkte mit, auch wenn einige so von anderen Touristen belagert sind, dass man gar nicht anhalten kann.

Es hat sehr viele Schafe, auch mitten auf der Strasse und die Sonne kommt immer stärker hervor. Es wird richtig warm.
Wir machen eine wunderbare Siesta-Pause an einem kleinen See (Glenullin Lough) mit ganz vielen flach geschliffenen Steinen.









Dann fahren wir auf kleinen Strässchen weiter bis Newport, County Mayo, füllen unseren Kühlschrank und Weinkeller im lokalen SuperValue und fahren noch kurz weiter bis zur Burrishoole Friary (15. Jahrhundert) in Mulranny.

Der grosse Friedhof hier hat sogar einen Preis bekommen als bestens unterhaltener Friedhof Irlands.
















Es ist sehr friedlich hier. Bei Höchststand der Flut ist die Wiese unter Wasser. Auf P4N wurde gewarnt, nicht auf dem Gras zu parken. Wir stellen uns auf den Teer.



Unser Dinner: Knoblibrot, Tomatensalat und feiner Käse.

Wir fühlen uns sicher und sind entspannt. Wir wollen hier auf diesem grossen und sehr ruhigen Parkplatz übernachten.
Wir bleiben über Nacht voll im Trockenen, aber nicht allen ging es so. Zwei Französinnen stellten mitten in der Nacht ihr Zelt auf die Wiese und am Morgen sah es dann so aus:



Nichts schlimmes passiert, sie sind da rausgekrochen und konnten nur nicht mehr aufhören zu kichern 😉
So sieht es aus bei Ebbe, dann fliesst das Wasser auch weg.
Als wir kamen war fast Höchststand, das Wasser kam rein und einige Autofahrer, die auf dem oberen platz parkiert hatten, flüchteten grad ziemlich eilig…

3 Stunden nach Flut Höchststand sieht es so aus. Ein riesiger Unterschied, auch wenn sich das auf den Videos oben nur ganz sachte ankündigt. Für uns ganz klar: Am Meer immer sehr gut aufpassen in Sachen Ebbe und Flut!
County Mayo bis zur Keel Beach auf Achill Island
Wir fahren auf dem WAW weiter Richtung Norden, gemütlich und mit vielen Stopps unterwegs.
Der Croagh Patrick, 764m hoch, seit Jahrhunderten ein Wallfahrtsort und eine Art heiliger Berg.

Erster Halt in Dooghbeg:

Dumhach Bheag mit einer schönen Aussicht auf die Strände von Mulranny und einer Geschichte über eine kaum gebaut – schon wieder still gelegte Eisenbahnlinie.



Es ist sonnig und windig – keine Midges😬
Der nächste Aussichtspunkt in der Clew Bay erinnert an zwei Schiffe der Spanischen Armada, die hier 1588 kenterten und untergingen. Mehrere hundert Seeleute ertranken, nur 16 überlebten.



Den Abfall anderer Leute nehmen wir auch noch mit, wobei man sagen muss: Wir haben bisher nur wenig Littering in Irland gesehen (obwohl es so gut wie keine öffentlichen Mülleimer gibt).
Kildavnet Tower wurde 1429 von den O‘Malleys erbaut, die damals die mächtigste Familie in Achill waren. Grace O‘Malley (auch Granuaile genannt) war eine legendäre Piratin zu jener Zeit mit eigener Gefolgschaft, was im 15. Jahrhundert für Frauen eigentlich undenkbar war.




Wir fahren über die Brücke nach Achill Island und halten zuoberst an für einen ersten Eindruck der Ashleam Bay.





Hier gibt es richtig spektakuläre Klippen.
Ashleam Bay ist berühmt für die weissen Felsen. Es ist jetzt nicht grad Dover, aber schon schön.






Wenig später treffen wir in Keel ein und buchen eine Nacht auf dem grossen Keel Beach Campingplatz. Wir müssen Grauwasser entsorgen und brauchen eine Dusche mit Haare schneiden (Andy) und waschen (Sue), möchten Wäsche waschen und beides geht nur auf grossen Zeltplätzen.

Wir können unseren Platz frei wählen. Viele Leute sind schon weg oder am abreisen, denn heute (Sonntag) ist der letzte Tag der irischen Sommer-Schulferien.

Nachdem das alles erledigt ist, inklusive Siesta für Andy, gehen wir ins Achill Cliff House Hotel essen: Sehr leckere Moules (mit einem coolen „Stecherli“-Besteck), guter Fisch mit Gemüse und drei 😉 verschiedenen Kartoffel-Beilagen (Stock, Gratin und eine Krokette) und super feinem Dessert (Malteser-Cheesecake und Rhabarber-Tartelet).








Zum Sonnenuntergang noch an den riesigen Keel Strand, es ist grad Flut gewesen und der Wellengang ist noch ziemlich stark.






Das Meeresrauschen hören wir bis zum Bus!
In der Nachtd stürmt es auch zünftig und wir werden vom Rest des Hurrikans Erin ziemlich durchgeschüttelt mit Böen bis zu 80kmh.
Keem Beach, Downpatrick Head und allerlei bis Easky
Die Auswirkungen des Ex-Hurrikan Erin haben uns Sturmwinde mit Böen bis zu 80 kmh und somit eine halb schlaflose Nacht beschert. Es rüttelt und schüttelt wirklich heftig in unserem Schlafzimmer – ich stehe um halb 5 Uhr auf!
Beim Zusammenpacken fragt uns ein Deutscher, ob wir wissen, wie viel so ein VW Zeltdach an Wind aushalten kann. Er habe seins aus Angst mitten in der Nacht runtergeklappt… nun, diese Alternative haben wir gar nicht. Wir können nur oben schlafen!

Wir machen so weiter wie gehabt: Wild Atlantic Way nordwärts und am Nachmittag einen Stellplatz suchen.
Bei Regen und Sturmwind fahren wir weiter. Es ist krass, wie sich der riesige Campingplatz hier so schnell geleert hat. Die Hauptsaison ist definitiv vorbei.

Weil sich heute das Wetter besonders schlecht präsentiert, sammeln wir einfach mal unterwegs Eindrücke, ohne immer genau zu wissen wo wir sind und weshalb 😉
Dumha Acha, Nachbardorf von Keel:



Keem bay: Wir sind nicht ganz runtergefahren. Innert 2 Minuten macht man da 165 Höhenmeter und dann wieder 2 Minuten zum runterfahren. Bei diesem Wind schräg die Bergflanke hoch und wieder runter auf einer ziemlich ungesicherten Strasse … Meine Nerven!!!






Wir erreichen Downpatrick Head, unser „Fernziel“ für heute, am frühen Nachmittag. 🤩 WOW 🤩




Grad als wir ankommen, gibt es eine kleine Regenpause, zum Glück.











Nach Kaffee und Sandwich im Bus fahren wir weiter und staunen über den riesigen (bei Ebbe) Lacken Strand bei Kilcummin.





3 Minuten später sind wir in Killala.
Hier sehen wir den riesigen Lacken Strand von hinten… und den 52m hohen Round Tower aus dem 12.Jahrhundert.





Übrigens: All diese Ortschaften, die immer mit Kil… anfangen, beim Blog schreiben nervt es wirklich 😩

Auf P4N finden wir diesen tollen Standplatz am Meer in Easkey. Für heute genug Kilometer gemacht.

Dank Wind vom Festland aufs Meer hinaus entstehen riesige Gischtnebel und überhaupt ist der Wellengang dank Flut und Wind überwältigend schön!!!



Als wir ankommen, ist es noch leicht bedeckt, dann wird es immer sonniger. Gute Vibes hier, das zeigen auch die Inschriften auf dem Tisch und den Bänkli☺️ Miit dem Bauern und drei Surfern, die bald danach vorbeikommen, haben wir schnell gute, witzige und sehr freundliche Gespräche! Wie so oft in Irland merken wir: Die Menschen sind sehr offen und voll nett!!!



Aber der ganz grosse Knüller bei diesem Stellplatz ist nicht die Lage nur einige hundert Meter von Häusern entfernt…

das auch – aber vor allem die Lage….

… an diesem fantastischen Meer!!!











Auch der Bauer und die Surfer bestätigen, dass die Wellen heute besonders gut sind 😬
Ich koche auch noch ein feines Znacht mit allen möglichen Resten.

…aber das Meer ist hier der absolute Knüller!
Bis es dunkel wird, geniessen wir das Spektakel, das die Flut und die starken Winde (der Rest von Hurrikan Erin) da veranstalten.

Coney Island, Glencar Waterfall, Ben Bulben und Classibawn Castle
In diesem Blog gibt’s viele kleine und lustige Videos, aber das Beste ist ein langes am Schluss der Coney Island Sequenz 😂 und Andys happy face❣️
Der Morgen beginnt wie der Abend aufgehört hat mit einer grossen Portion Meer.
Wir geniessen einen schönen Sonnenaufgang, aber bald schon beginnt es zu nieseln.
Was auch durchaus sehenswerte Auswirkungen hat!



Trotzdem verabschieden wir uns von einem der 😍 Plätze, auf denen wir je übernachtet haben, und fahren weiter nach Coney Island. Nein, nicht in NY, sondern bei Sligo.
Es ist noch zu früh, als wir dort ankommen. Hier kann man nämlich 5 km übers Meer zur Insel fahren – bei Ebbe. Aber die ist erst in 2 Stunden.

Also besichtigen wir zuerst den Glencar Wasserfall und gehen was Kleines essen.





Dann zurück nach Coney Island. Andy meint, jetzt sollte es möglich sein. Wir reden noch mit zwei Locals darüber und beobachten, wir ein Auto von der Insel zu uns fährt. Dann ist Andy nicht mehr zu halten.




Es ist noch nicht Tiefststand und das merkt man. Zwischen sandigen Buckeln steht das Wasser teilweise noch recht hoch und unser Bus wird zünftig durchgerüttelt. Das sieht man auf dem Video nicht, denn unsere Dash-Cam hat einen sehr guten Stabilisator!
Aber hier sieht man es: Andy voll konzentriert!
Man kann nur langsam fahren, aber stehen bleibt sollte man auch nicht!
Aber bei der Hinfahrt war uns beiden nicht immer ganz wohl… vor allem als wir die Ausfahrt nicht gesehen haben!
Es heisst, man müsse links der Pfosten fahren. Aber kurz vor der Insel hätten wir wohl besser die andere Seite genommen. Da war nämlich noch ein kleiner See 🫣 aber wir sind durchgekommen und haben dann auch die Rampe gefunden, für die Ausfahrt, die war nämlich auch auf der rechten Seite der Pfosten!


Durchatmen, kurz warten und andere beobachten, und dann geht’s natürlich wieder zurück. Diesmal die bessere Route und auch etwas schneller. Es hat auch schon weniger Wasser, aber immer noch genug!!!
Auf dem Rückweg hat Andy sogar noch zwei andere überholt!
Ich hab vor (nervösem) Lachen fast in die Hose gemacht und war wirklich froh, als wir wieder an Land waren! 😅
Am Schluss geht Andy noch allein eine Runde drehen, damit ich filmen kann.
Was für ein Heidenspass!!!




Das war das Highlight des Tages für Andy!
Der Ben Bulben ist ein mächtiger Tafelberg bei Sligo. Als nächstes machen wir eine Rundfahrt durchs Tal hinter dem Ben Bulben: Der Glengariff Horseshoe Drive.
Für die etwa 9 km brauchen wir eine Stunde, weil ich immer wieder anhalten und fotografieren muss. Es hat, während wir noch kurz einkaufen waren, wieder geregnet und jetzt ist eine märchenhafte Stimmung mit Nebel und einzelnen Sonnenstrahlen, die sich durchkämpfen können. Sehr mystisch!















Hier hat ein Sturm gleich den ganzen Waldrand „en bloc“ ausgerissen! Und die abgestorbenen Birken quietschen im Wind, es tönt wie eine rostige Schaukel! Sowas habe ich auch noch nie gehört!




Der Gleniff Horseshoe Drive hat mir sehr gut gefallen! Das war ein richtiges Wohlfühl-Programm für alle Sinne!

Weiter geht’s zu einem nächsten Höhepunkt. Wir suchen den berühmten Foto-Spot Classiebawn Castle und finden damit gleich noch einen Hexenkessel von Meeresbucht, wie ich auch noch nie erlebt habe.

Im Hintergrund links der mächtige Ben Bulben.




Das Schloss ist in Privatbesitz und es gibt viele Geschichten und Gerüchte darüber.

Der WAW-Aussichtspunkt Mullaghmore Head ist kurz darauf an der Strasse.
Aber am besten sieht man den Hexenkessel von der grossen Wiese aus.

Diese Bucht vor dem Schloss ist absolut faszinierend.
Hier sieht man nur weisse Gischt und der Lärm ist ohrenbetäubend!




Viele Leute sitzen ganz lange einfach nur da und lassen sich betören und zudröhnen…
Sehr beeindruckend!

So viele Eindrücke heute – wir fahren nur noch ganz kurz weiter und übernachten für wenig Geld auf dem einigermassen wind-ruhigen (still gibt’s nicht) Parkplatz eines Hotels. Wir essen dort auch Znacht, nur ist der leider ziemlich schlecht (sehr fettig und geschmacklos), obwohl er ziemlich gut aussieht.



Zurück im Bus noch einen guten Whiskey zum verdauen 😉 und wir fallen (nein: klettern) müde ins Bett.
Donegal Castle bis Slieve League Cliffs
Wir starten Richtung Slieve League Cliffs und besichtigen unterwegs, in Donegal, das herzig und ansprechend restaurierte, kleine Schloss.












Hübsche Modelle veranschaulichen den Ausbau und das Leben in der mittelalterlichen Burg. Die Statue des Gründers der Stadt (Red Hugh O’Donnell, 1474) erinnert mich an die Chessmen-Skulpturen auf Lewis (Hebriden).



Danach fahren wir auf die St. Johns Landzunge hinaus, einfach nur für ein paar Fotos von Mc Swyne’s Castle aus dem 15. Jahrhundert. Eine Stunde lang regnet es nämlich nicht, aber natürlich kommen die Tropfen wieder, sobald ich dort aus dem Auto steige.


Die für Donnerstag gebuchte Bootstour unterhalb der Slieve League Cliffs wird per sms wegen Sturm abgesagt. Es ist auch wirklich grauslig schlimmes Wetter, im ganzen Nordwesten der grünen Insel, und immer noch extrem windig mit sehr starken Böen.

Wir halten trotzdem in Killybegs an und bestaunen den grossen Hafen. Während wir beim Seafood Shack essen bestellen, werden wir von einer Sintflut überrascht. Sogar die Einheimischen finden den Regen krass. Wir werden pflotschnass bis wir zurück im Auto sind.


Die Fische und Calamares (natürlich mit Chips) sind zwar fein, aber langsam hängt uns das ewige frittierte Zeug zum Hals raus und Andy verträgt es auch gar nicht gut. Von jetzt an wird wieder mehr selber gekocht, das ist besser und gesünder👍



Auf der Küstenstrasse unterwegs zum Sliabh Liag Campingplatz mache ich vorsichtshalber ein Foto von der Rückseite der Cliffs. Wir haben reserviert, weil wir die höchsten Klippen Irlands (601m) unbedingt sehen wollen – aber ob Petrus das erlaubt, da bin ich mir noch nicht so sicher.
Das Camping ist fast leer und Andy baut den Regen-sicheren Unterstand auf.






Zwei Stunden später bauen wir alles wieder ab. Der Wind und vor allem die Böen (bis 70 kmh) sind zu stark. Wir wollen nicht riskieren, dass uns die Markise noch um die Ohren fliegt!
Die Nacht und auch der nächste Vormittag sind nochmals richtig stürmisch! Dafür sind der Sand und die Spuren des Salzwassers von unserem Coney-Island-Abenteuer zum allergrössten Teil weggeputzt!
Langsam benötige ich neuen Wortschatz fürs Rütteln und Schütteln unseres Fahrzeugs…
Unser Zuhause auf Rädern schwankt und wackelt heftig, der Zeltstoff zittert und flattert wie wild, es rumpelt und lärmt, der Regen trommelt aufs Dach und peitscht die Seiten… – könnt ihr es euch vorstellen?
Wir verbringen den Tag gemütlich mit lesen, schreiben, duschen, Büro, kochen, Klavier spielen und hoffen, dass es morgen besser wird. Eine Nacht haben wir verlängert, denn der Platz ist angenehm leer, die Duschen sind super und ein bisschen Pause schadet uns auch nicht 😊
Das Gas mussten wir wechseln! Wir haben viel Kaffee getrunken und viel gekocht.

A propos Kochen: Meine Devise ist es, in der kleinen Camperküche immer das Beste aus dem mangelnden Platz und dem minimalen Equipment zu machen.
Ich habe 2 Pfannen aus Chromstahl: Eine mittelgrosse und eine kleine. Und die dritte ist unsere neueste Küchen-Errungenschaft und wirklich super! Es ist eine eckige Bratpfanne aus Gusseisen, bei der man den Griff abnehmen kann.

Salat serviere ich gerne in der grossen Pfanne, denn eine Plastikschüssel nachher mit Hand-Abwasch fettfrei hinzukriegen ist viel schwieriger als die Chromstahlpfanne sauber abzuwaschen.

Die beiden kleineren Pfannen bringe ich nur bedingt gleichzeitig auf dem Mini-Zweiflammen-Kochherd, also zuerst anbraten, dann Reis kochen und zuletzt die Bratpfanne als Deckel verwenden, damit alles wieder schön heiss ist.

Reis und Baby-Leaf-Salat
Der Freitag beginnt regnerisch (die Nacht war jedoch nicht ganz so schlimm wie gestern). Aber gegen Mittag klart es auf. Wir machen uns parat für die Tour zu den Sliabh Liag Cliffs.

Der Shuttlebus bringt uns ganz hoch zum Viewpoint (300 m über Meer). Unterwegs regnet es, doch als wir ankommen, ist es wieder trocken.


Der witzige Driver erzählt, dass ein 5 Millionen teures EU-Subventionsprogramm das hoch-technologische Traffic-Leitsystem finanziert hat: George verschiebt die Pylone, damit der Bus hochfahren kann😉🤭





Der Gipfel der Klippen (601 m über Meer, roter Pfeil) liegt leider im Nebel, aber die Aussicht ist trotzdem eindrücklich und die Dimensionen sind gut vorstellbar.

Die Cliffs selber kann man besteigen. Die Wanderung dauert etwa 3 Stunden und führt über den One-Man-Path (blauer Pfeil). Der Weg heisst so, weil er genau eine Person breit ist und links wie rechts geht es runter. Ums Himmels Willen 🫣

Aber ein bisschen hochlaufen wollen wir schon noch! Der Pfad ist zu Beginn gut ausgebaut, da trau ich mich noch. Doch mit dem starken Wind wird es mir bald zu ungemütlich… wir drehen um.





Wir nehmen bei sehr wechselhafter Witterung den Weg zum unteren Parkplatz.








Wir entdecken ein EIRE Zeichen aus dem 2. Weltkrieg.

Unterwegs hat es zwei steinerne Eier-Skulpturen. Beim unteren erhält man eine spezielle Sicht aufs Meer. Das obere erzählt eine Story über ein Mädchen, das von den Feen in den Berg gelockt wurde und nie mehr vom Kühe hüten zurückkam.


Und dann gibt’s da noch das kleine Bächlein…

… das als Wasserfall bergauf geblasen wird.
Wir sind froh, dass wir es doch noch (bei einigermassen anständigen Verhältnissen) geschafft haben, diese beeindruckenden Klippen zu sehen!
Donegal und Fanad Peninsula
Es regnet in Strömen als wir aufwachen. Wir räumen zusammen, entsorgen Müll und Grauwasser, tanken Frischwasser und essen im herzigen Café beim Campingplatz ein feines Frühstück.


Die „Outdoor-Aktivitäten in der Nähe (Beach, Wasserfall, Felsbrücke im Meer, Klippen) streichen wir von unserem Plan, ausser den „Bad Eddie“ (ein Schiffswrack, etwa eine Stunde nordwärts von hier).
Als wir dort ankommen, hat sich das Wetter leider noch nicht verändert.

Wir stapfen durch Wind und Regen so nah dran wie möglich… und Andy gibt alles!





Das ist nicht die Flut oder Ebbe, die das Schiff so wackeln lässt. Ich kann in dem Sturmwind die Kamera nicht ruhiger halten…
Danach suchen wir Doe Castle und finden den Aussichtspunkt dafür, auf der anderen Seite des Meeres. Dann fahren wir weiter Richtung Fanad Head. Unterwegs eine grosse Brücke mit elektronischen „Achtung gefährlicher Wind!“-Anzeigen. Den Wind kennen wir langsam (zu!) gut… solche Warnungen sind uns aber noch nie begegnet 😉



Neben einer Kirche mitten auf der Fanad Halbinsel machen wir Siesta- und Kaffee-Pause.


Danach noch 10 Minuten bis zum Fanad Head Lighthouse.





Nur 3 km weiter ist eine Felsbrücke im Meer, der Great Pollet Sea Arch. Da wir schon den Crohy Head Sea Arch heute morgen sein lassen mussten, parkieren wir da und machen uns bei zweifelhafter Witterung auf den Weg.
„6 Minuten mehrheitlich flach“ sagt Google Maps – das war wohl Luftlinie 😂 Wir wandern eine gute halbe Stunde den Berg hinunter… Es ist schön, aber wo ist diese Felsenbrücke?






Und plötzlich ist sie da! Fast 50m hoch und zum Glück ist noch Ebbe und wir können nahe hin kraxeln.




Wir schaffen es noch vor den nächsten Tropfen zurück zum Bus, bei Luftfeuchtigkeit 92% trotzdem völlig verschwitzt…





Jetzt dringend einen Übernachtungsplatz suchen. Es ist schon 18 Uhr. Wir werden auf einer riesigen Caravan-Site in Knockalla fündig – für eine Nacht okay. Andy kocht fein und wir diskutieren lange, wie es weitergehen soll.

Auch wenn es auf den Fotos einigermassen gut aussieht, ist das Wetter einfach sch….mühsam. Heute war es dauernd nass, mit Ausnahme von Fanad Head und dem Great Pollet Sea Arch – andere interessante Orte haben wir halt einfach ausgelassen! Und der ständige Sturm nervt. Im Bus sehen die Böen dann jeweils so aus:
Die Luftfeuchtigkeit ist ständig nahe 100%. Alles ist immer leicht klamm… Als ich heute Abend das Dach aufstelle, merke ich, dass das Bett auf meiner Seite durch den nassen Zeltstoff vom Morgen auch ganz feucht geworden ist😜 ist jetzt nicht grad ein Aufsteller!
Morgen ist unser letzter Tag in Irland auf der Innishowen Peninsula und der Abschluss des Wild Atlantic Ways! Natürlich sind wieder konstante Showers angesagt ab Mittag… Wir beschliessen, uns mal etwas Luxus zu leisten und buchen für morgen Abend und übermorgen ein Hotel in Derry, der Grenzstadt (schon Nordirland).
Inishowen Peninsula
Heute ist der letzte Tag in Irland und gegen Abend werden wir in Nordirland sein. Laut Google gibt es hier trotz Brexit keine institutionalisierten Grenzkontrollen – da bin ich dann mal gespannt…
Es war wieder eine sehr laute und wacklige Nacht und wir stehen früh auf. Schon um halb 9 sind wir unterwegs zur Fahan Abbey (respektive den kleinen Ruinen) und dem Friedhof) mit dem berühmten St. Mura‘s Cross.





Ein Kreuz, das gar keines ist, aber irgendwie doch. Denn auf dem uralten Grabstein (von 645!) ist ein Keltenkreuz drauf gemeisselt.

Beim Fort Dunree besuchen wir das herzige Café mit toller Aussicht …



… und das Military Museum. Spannende Ausstellung, ein Sammelsurium aus Waffen, Werkzeug und Geschichtslektion über die letzten etwa 200 Jahre.













Dann geht’s zum Nordkap von Irland. Auf dem Malin Head ist es unglaublich windig.
Meiner Meinung nach sind das Sturmböen, aber Google sagt es sei nur Stärke 6 gemessen worden. Sturm beginnt bei 9 und Orkan ist 12. Mir egal, es hat mich dort oben fast umgehauen!







Etwas weiter unten machen wir die übliche Siesta- &Kaffee-Pause.
Sogar die Wellen müssen gegen diesen Sturm aus Süden richtig ankämpfen!
Irland hat uns viele seiner Schönheiten gezeigt: Beeindruckende Klippen und Küsten mit diesen unglaublichen Kraft des Atlantiks, sehr fröhliche und freundliche, hilfsbereite und offene Menschen, eine vielfältige Flora voller Farbenpracht und alle Facetten von Grün noch dazu, Ruinen und alte Mauern in allen möglichen Formen und Zuständen, die bunten Häuser des Südens, herrliche Landschaften (Hochebenen, Pässe, Strände und Wälder…), feine Whiskeys und leckeres Guiness, Scones, guten Kaffee und Chai…
Aber es gibt auch einige Schattenseiten: Das Wetter ist einfach zu schlecht, zu oft Regen und Wind! Das Essen ist fast immer fad und frittiert – so schade, wenn man doch das Meer mit den besten Zutaten für eine leckere Seafood-Küche vor der Nase hat. Die Strassen sind oft eine Zumutung! Wir können das schon händeln, aber es ist ermüdend und anstrengend und braucht zu viel Zeit. Und vor allem im Süden sieht man die schöne Landschaft nur selten hinter den hohen grünen Mauern links und rechts.
Unterwegs Richtung Derry/Lindonderry noch eine kleine Aufregung beim Five Finger Strand (30m hohe Dünen und ein braunes Meer, so aufgewühlt vom starken Sturm):




Der VW meldet Druckverlust! Andy misst nach, füllt ein bisschen nach (vorne links) und wir fahren weiter.




Nun sind wir heute am Ende des Wild Atlantic Ways angelangt – ein Meilenstein dieser Reise! Dabei haben wir von zuhause über die Bretagne bis hierher ungefähr 5000 km gemacht – in 5 1/2 Wochen! Heute Nacht werden wir in Derry (Nordirland) übernachten. Dann geht’s weiter auf der Causeway Coastal Route👍

Weiter geht’s mit Teil 3: Nordirland
