Sommerferien endlich mal im Ausland, trotz Pandemie wird das Reisen etwas einfacher, wenn man zweimal geimpft ist und das notwendige Zertifikat dabei hat. Wir starten am 11. Juli Richtung Norden.
Zwei Tage bevor wir losfahren, wird das Schweizerische Covid-Zertifikat auch von der EU anerkannt. Wir packen Kleider für nördlichere Breitengraden, tanken alles voll, ernten die letzten Salate und Pimientos zum Mitnehmen, bestücken den Weinkeller (die unterste Schublade beim Kühlschrank, da haben fünf Flaschen Platz) und überprüfen die Bewässerung des Gemüsegartens. Am Sonntag um 8 vor 8 Uhr morgens geht’s los bei Kilometerstand 28‘377 und mit einer riesigen Vorfreude im Bauch.

Die deutschen Autobahnen sind (Sonntag sei Dank) verkehrsarm, ein paar kurze Staus und zwischen Frankfurt und Kassel krasser Regen. Nach 600 km sind wir an unserem ersten Übernachtungsplatz südlich von Göttingen: Ein „Pop-up-Camp“ am Kies-See Klein Schneen, mitten im Grünen, mit der sehr herzlichen Gastgeberin Theresa.





Wir machen es uns gemütlich und sind froh, überhaupt heil angekommen zu sein. Denn unsere erste Annahme, der Bus sei 100 pro parat, hatte sich schon unterwegs relativiert…
Kurzer Rückblick auf unterwegs: Mitten auf der Autobahn, so nach etwa 3 Stunden Fahrt, sagt Andy plötzlich: „Fahr jetzt in den nächsten Parkplatz!“ Wenn er das so sagt, dann mach ich das natürlich. Dann schlucken wir leer: Eine der Felgen-Schrauben steht schon 2cm vor, ist kurz vorm Rausfallen. An den erst kürzlich installierten Rädern mit den Hess-Felgen hatten sich unterwegs fast alle Schrauben gelockert… Huch!!!
Beim Öffnen der neuen Riffelblech-Heckkiste, wo das Werkzeug aufbewahrt ist, der nächste Schocker: Der Deckel hängt nur noch an einer einzigen Schraube, die andern 5 sind gar nicht mehr auffindbar! Boah, das hätte böse enden können. Ich liebe Andy’s sechsten Sinn. Es ist grad noch nichts schlimmes passiert. Zum Glück!!!
In aller Ruhe sichert mein Mann die Kiste mit einem Bindeset und zieht dann alle 96 Felgenschrauben von Hand neu fest. Wir können weiterfahren.


So sind wir schlussendlich sicher nach Göttingen gekommen. Am nächsten Morgen erstmal Stopp im Obi Baumarkt. Wir kaufen alles notwendige ein um die Heckkiste zu reparieren und die Felgen-Schrauben notfalls anzukleben. Dann besichtigen wir die alte Uni-Stadt.
Das Parkieren in der Innenstadt funktioniert gut: Parkhaus 2m heisst mit 1.97m im untersten Level des Luftfahrwerks reinfahren. Eher schleichen, denn ich fahre sehr vorsichtig/ängstlich um jede Kurve in diesem das-glaubt-mir-niemand-wie-eng-das-war-Parkhaus. Aber nach gefühlt 20 Minuten ist der Bus abgestellt.
Wir laufen ins Zentrum und beobachten, wie ein junger Doktorand die Gänseliesel am Brunnen vor dem Rathaus küsst, shoppen Schmuck, essen feine Waffeln und fahren Mitte Nachmittag zurück zum Stellplatz. Nach einer gemütlichen Siesta flickt Andy die Kiste, wir duschen unter der Heckklappe und dann gibt’s Cervelat vom Grill mit Salat aus dem heimischen Garten.






Hier in Deutschland ist es tüppig heiss (30 Grad), doch in der Schweiz regnet es sintflutartig. Langsam erhalten wir die ersten Meldungen von Überschwemmungen und Schäden und in den nächsten Tagen wird das immer schlimmer. In Deutschland, Belgien, Österreich gibt es viele Tote… Richtig schlimm!!!
Wir machen uns Sorgen um Familie und Freunde zuhause, sind ständig in Kontakt. Der Garten leidet, aber alle unsere Lieben sind wohlauf, was für ein Glück.
Am nächsten Tag geht’s weiter nach Schleswig-Holstein. Um Hamburg rum hat es ein bisschen Stau, wir sind beeindruckt von den riesigen Hafenanlagen und dem Elbtunnel. In Rendsburg machen wir Halt bei einer Autofähre über den Nord-Ost-Kanal und bei der alten Eisenbahnbrücke Osterrönfeld. Ein alter Seebär erzählt uns von dem schlimmen Schwebebahn-Unglück vor 6 Jahren. Einige riesige Lastschiffe fahren vorbei, es ist speziell und die Menschen hier sind sehr nett und gesprächig.
Wir fahren weiter nach Nordfriesland auf unseren „Hinterland“-Stellplatz in Oster-Ohrstett (nähe Husum). Stellen den Camper auf die grüne Wiese und kochen uns Grillfleisch und den letzten Salat.








Am nächsten Morgen ist das Wikingermuseum in Haithabu (Busdorf, nähe der Stadt Schleswig an der Ostküste) auf dem Programm. Nach einem typisch deutschen Frühstück in Odin’s Biergarten laufen wir zuerst zu den nachgebauten Wikinger-Hütten raus… eine gute Entscheidung – es wird immer heisser. Das Museum ist interessant, aber etwas voll und eher unstrukturiert. Wir machen lieber Pause draussen unter den Bäumen und fahren danach zurück und weiter bis nach Husum. Dort verbringen wir noch ein paar Stunden am Wiesenstrand „Dockkoog“, es hat zwar viele Leute, aber im Strandkorb kann man das einigermassen ausblenden und die Sonne und den Wind trotzdem geniessen.







Wieder schlafen wir gut und lange in unserm Hochbett. Die zusätzliche Matratze macht es wirklich aus, dass es bequem ist. Nach dem Aufstehen suchen und finden wir eine VE-Station (Ver- und Entsorgung für Wohnmobile) und fahren dann nach Flensburg ins Hotel Dittmer’s. Hungrig wandern wir durch die Fussgängerzone und finden ein feines Tapas-Restaurant, dann noch bitzli shoppen und zurück ins Hotel. Endlich wieder mal duschen!!!





Den Abend verbringen wir spazierend am Hafen und in der Altstadt, machen Fotos, essen Flammkuchen – es ist endlich etwas kühler. Morgen geht es nach Dänemark. Wir freuen uns und sind gespannt, wie es an der Grenze laufen wird.




Jütland von Süden nach Norden
Schon ist es Freitag. Am Morgen passieren wir endlich die Grenze zu Dänemark. Wir werden tatsächlich angehalten und müssen Ausweise und Covid-Zertifikat zeigen, doch der Beamte ist sehr freundlich und wir sind schnell wieder unterwegs.



Unser Ziel ist Römö, die unterste Insel an der Westküste (Nordsee), die man über einen langen Damm erreichen kann. Auf dem Reisemobil-Stellplatz „Oasen“ schnappen wir uns kurz vor Mittag grad noch den letzten freien Platz und lernen nette Deutsche kennen, die uns alles erklären und mit denen wir auch am Abend und nächsten Morgen noch spannende Gespräche führen.
Wir fahren zum endlos breiten Sönderstrand und geniessen es total dort. Man kann mit dem Auto kilometerweit auf dem harten Sand fahren, wir verbringen Stunden mit dösen, spazieren, Tagebuch schreiben, Kaffee und Cookies, den Drachen und Kite-Surfern zuzusehen… Gigantisch, dieser Strand!
Das Wattenmeer zieht sich im Laufe des Nachmittags immer weiter zurück, die Fähre nach Sylt kreuzt draussen wie eine Fata Morgana, ein sehr beeindruckender Ort. Der Wind ist krass, meine Haare sind voller Knöpfe und einen kleinen Sonnenbrand hole ich mir auch. Aber es war herrlich!!!
Am Abend gibt’s bei uns nur noch Snacks und nach ein paar Gläsern Wein klettern wir müde ins Bett.








Samstag: Wir verlassen den Stellplatz und fahren ¾ Stunden nach Norden zu der einzigen Gezeiten-Strasse Dänemarks, die uns nach Mandö bringt. Eine winzige Insel mit einer Handvoll Häuser und einem Campingplatz, umgeben von Dünen, die das Eiland schützen. Die 7km lange Schotterstrasse ist nur bei Ebbe befahrbar. Wir hatten uns im Voraus nach den „Fahrbar-Zeiten“ erkundigt und so wagen wir es – ist überhaupt gar nicht gefährlich, aber schon eindrücklich – links und rechts nur Wattenmeer, die Insel ist lange Zeit nicht sichtbar, weil sie eigentlich unter dem Meeresspiegel liegt.
Den kleinen Zeltplatz finden wir, schauen uns das Wahrzeichen der Insel an (eine Windmühle) und machen Pause (und Blog) bis zum Abendessen: Pimientos del Padron mit Aioli aus dem Edeka, lecker Angus Burger und Tomatensalat. Nach neun Uhr machen wir uns auf den Weg zum Strand für den wunderbaren Sonnenuntergang am Wattenmeer.










Spannend sind diese „Gartenhag“-Reihen alle paar hundert Meter im Wattenmeer. Die Stecken werden mit Schnüren „umgarnt“ und brechen die Wellen, damit sich Sand und andere Sedimente setzen können. So gewinnen sie Land dazu, stehlen es dem Meer und schlussendlich wird es bepflanzt, damit es stabil wird.
Die Dünen sind voll mit alten Rosen (Kartoffel- und Hunds-Rosen, wirklich buschig und stachlig), die blühen weiss und rosa überall und da geht niemand freiwillig durch. Denn das ist schlecht für die Dünen, man sollte nur die offiziellen Wege (mit Nummernschild) begehen. Überall sonst sieht man an Wegrändern und auf den Wiesen diese gelben und violetten Blumen, sie leuchten wunderbar, von weit und nah, so schön!
Und zu den Häusern muss ich auch noch was sagen. Jedes zweite, dritte Haus auf dem Land hat ein Rietdach. Sie sehen so herzig aus. Aber ich hab viel zu wenige davon fotografiert, leider. Rote Backstein-Häuschen mit Naturdach überall, nur nicht in meinem Blog. Vielleicht krieg ich noch ne Chance in den nächsten Tagen.








Sonntag: Ausschlafen und um halb 12 (zu Beginn der Ebbe) zurück aufs Festland. Jetzt hat es richtig Pfützen und das Wasser ist nahe! Macht Spass diese Überfahrt. Andy gefällt besonders, dass das Auto nachher richtig dreckig ist 🙂





Wir fahren nach Ribe, der ältesten Stadt Dänemarks, viele spezielle Läden mit Kunsthandwerk, einen riesigen Dom, überall nette Cafés… lohnt sich! Unser erstes richtiges Fischbrötchen geniessen wir im Innenhof einer alten Kneipe, super lecker! Andy mit Hering und ich mit Lachs. Nächstes Mal trau ich mich Hering auch!










Danach weiter Richtung Norden, schlussendlich landen wir im Danscamp Holmsland auf einem schlechten Platz ohne Privatsphäre, aber spazieren noch zum Strand (Nordsee mit richtigen Wellen 😊) und kochen uns super lecker Trüffelrisotto.
Ein kurzes Wort zum Camping: Dieser hier ist nur zum Übernachten. Das ist okay. Und so werden wir die Zeltplätze auch weiterhin benützen. Aber „Kuschelcamping“ mögen wir wirklich nicht gern. Da wo man den Nachbarn hört und sieht und fast schon spürt. Ist nicht unseres! Leider gibt es in Dänemark unseres Wissens keine Alternative, „wild campen“ ist nicht erlaubt und so wie mit „Hinterland“ oder „Place to bee“… wo man einzeln stehen könnte (auch gerne gegen Geld) haben wir nichts gefunden. Campingplätze haben den Vorteil, dass man entsorgen und duschen kann. Das ist aber auch der einzige. WC haben wir selber dabei, Strom ist nett, aber nicht zwingend nötig, und Wasser kann man auch an einem Brunnen auffüllen.





Montag: Duschen (siehe oben) und dann weg. Kurze Besichtigung vom Leuchtturm Lyngvig Fyr, da hat es zu viele Touristen für uns. Wir fahren via Hvide Sande nach Thyborön und schauen uns die vielen Bunker aus dem 1. Weltkrieg am Strand an, die Wellen-Brecher-Anlagen, die Snegel-Häuser, und essen lecker Smörebröd mit Fisch beim Museums Café. Dort ist auch die Gedenkstätte für die vielen Opfer der grossen Skagerak-Seeschlacht vor Dänemark 1916 (25 Schiffe sanken, 8645 Marinesoldaten starben).










Wir nehmen die Fähre nach Agger und fahren durch den Thy Nationalpark (zwischen Meer, Wald, vielen Seen und Fjorden) Richtung Norden. Alle Campings unterwegs sind voll, wir finden noch eins in Hanstholm an einem Fischersee, herzig, ruhig, günstig und unkompliziert. Lernen nette Schweizer aus Schafisheim kennen, die Welt ist klein! Die Fischer haben weniger Glück, aber ein frecher Vogel taucht immer wieder ein und einmal fängt er sogar einen Fisch.

Wir verbringen eine ruhige Nacht da, obwohl nach 19 Uhr immer mehr Wohnmobile auf den Platz fahren. Etwa um 21 Uhr kommen zwei herzige alte Leutli einkassieren, nur bar, es ist dreckbillig… ich denke nicht, dass die Steuerbehörden von diesem Geld je etwas erfahren, aber die Villa hinter der Campingwiese sieht sehr schön aus😉
In der Nacht wird es wieder sehr windig, aber unsere Stühle hat es doch nicht weggeblasen. Wir entsorgen und füllen auf und fahren nach Norden. Sandwichpause am Limfjorden und ein bisschen den Kite-Surfern zuschauen. Heute fahre ich alles und es geht immer besser. Macht auch Spass.

Zwischen Lökken und Lönstrupp besichtigen wir die sehr eindrückliche Wanderdüne Rubjerg Knude (90 m hoch!!!) und den dazu gehörenden Leuchtturm. Der wurde schon mal um 70m nach hinten versetzt, ist jetzt aber vom Sand schon wieder fast aufgefressen. Wenn die Düne noch weiter inland zieht, wird er einfach eines Tages ins Meer stürzen. Der Wind ist krass auf der Düne, man wird regelrecht sandgestrahlt und ich bin froh, dass ich dran dachte, die Sonnenbrille anzuziehen.







Anschliessend weiter hoch Richtung Skagen, der nördlichsten Stadt von Jütland. Kurz davor finden wir einen guten Zeltplatz, riesig aber viel Grün und dadurch genug Privatsphäre. Wir fühlen uns wohl hier und verbringen den Rest des Tages mit duschen, schlafen, bloggen.
Nördlichster Punkt DKs
Das riesige Skagen Bunken Strand Camping ist voll friedlich. Jede Parzelle ist ca. 7×7 m gross und an 3 Seiten von hohen Büschen und Sträuchern eingefasst. Gemütlich, wie ein kleines Gärtchen 👍



Zum Znacht bräteln wir Cervelats und dazu Salat und Rosmarin-Kartoffeln. Lecker! Dann noch ans Meer: wir wundern uns, warum so viele Riesendampfer, sogar ein Kreuzfahrtschiff, bewegungslos vor der Küste liegen.




Danach sind wir noch lange in unserem „Gärtli“ herumgehockt (es wird erst nach 23 Uhr dunkel) und haben dann wieder sehr erholsam geschlafen. Hier brauchten wir erstmals die Standheizung, es ist 13 Grad in der Nacht. Am nächsten Tag voll Sonne und nur wenig Wind. Faulenzen und Haare waschen ist angesagt 😊
Am Donnerstag sind wir relativ früh unterwegs und in einer Viertelstunde am Parkplatz für die nördlichste Spitze von Jütland: Grenen. Facebook hat mir beim Morgenkaffee schon gemeldet, dass wir genau vor 2 Jahren an der nördlichsten Stelle von Lewis (äussere Hebriden, Schottland) waren. Wo werden wir wohl im Sommer 23 sein? Nordkap?
Es hat genug Leute, die wie wir zu Fuss den Ostseestrand hoch laufen. Unterwegs tatsächlich ein Robbenbaby!!! Ich hoffe ja, seine Mutter kommt trotz der vielen Touristen zurück…

Den Leuchtturm und weitere ins Meer gestürzte Bunker ignorieren wir. Nach etwa 20 Minuten sind wir an der Landspitze. Tatsächlich driften die Wellen vom Skagerrak nach Osten und die Kattegat-Wellen zielen westwärts… mittendrin stehen Menschen im verdammt kalten Wasser und freuen sich. Ich auch. Ist speziell irgendwie 😊



Wir beobachten noch eine Weile die Vögel, die sich an einem von der Ebbe verursachten „Teich“ bedienen und wandern dann zurück.

In Skagen gibts Mittagessen „Sildemad“ (Smörebröd mit Hering und Curry-Sauce) und „Lädele“. Das Städtchen wäre herzig, aber abnormal viele Autoposer und sonstige „Blöffsäcke“ vergraulen uns das Sightseeing und wir fahren zurück zum Camping.





Ostküste runter
Heute nehmen wir Abschied von Nordjütland und fahren (gute 2 Stunden) zum Skandinavisk Dyrepark in Djursland (nordöstlich von Aarhus). Mitten in der Pampa, aber total lohnenswert!
Wir sehen Rentiere, Elche, Damhirsche, Eisbären, europäische Braunbären, einen Iltis und Wölfe. Verdammt faule Wölfe. Heben kaum den Kopf zur Begrüssung 🙃
Der Park ist weitläufig und die Tiere haben sehr viel Platz. Die Besucher wandern viel und besichtigen die gefährlichen Tiere oft von langen Fussgängerbrücken aus, die quer über die Gehege führen. Wir waren begeistert (auch von den Glacés)😍










Und auch der Weg dorthin war wirklich schön. Die Landschaft, immer wieder ein paar Meter unter dem Meeresspiegel oder auch (maximal 20-30) darüber… sehr viel Getreide, goldgelb leuchtend, kleine Wälder, auch Mais und Heu, die Häuser der sehr kleinen Dörfer mit ihren roten Backsteinen hübsch und herzig, die schmucken kleinen Gärten (viele Stockrosen🌺💚)… die Strassen gradeaus, ohne Drängler und nur selten viel Verkehr …. Es ist sehr gemütlich und vergnüglich hier unterwegs zu sein!







Übernachtung auf einem kleinen, nahezu perfekten Campingplatz in Skanderborg, den wir mit park4night gefunden haben: höchstens halb voll, sehr freundlich, gepflegter Garten, sauber, platzig!!!!

Bemerkung am Rande: Park4night war ich bis jetzt immer sehr skeptisch, denn wir möchten nicht illegal oder ohne Einverständnis der Landbesitzer übernachten. Ich habe die App schon lange installiert, aber heute habe ich mich zum ersten Mal echt damit auseinandergesetzt und gemerkt: meistens wird gut informiert, was für eine Art Platz es ist… also muss man den sch… der damit leider auch gemacht wird nicht mitmachen. Man kann wählen und wie immer gilt: Eigenverantwortung „rules“!

Wir haben soooo Hunger und sind mega froh, dass wir selbst gemachtes Pesto dabei haben – denn die nette Lady von der Rezeption sagt, die Pizza-Lieferanten aus der Umgebung sind 😣 und trotzdem gibt es bei uns heute lecker italienisch🇮🇹
Von Jütland nach Fünen
Mitte Vormittag fahren wir nach Middelfart, auf der anderen Seite des Lillebelts, der Jütland und Fynn trennt. Wir gehen direkt zur Touristeninfo am Hafen und buchen für den nächsten Tag (Sonntag) eine 2stündige Bootstour auf der „Sabina“. Ziel: Schweinswale sehen! Etwa 3000 leben hier im „Kleinen Belt“. Bin ja gespannt ob es klappt…



Die Insel Fynn erreichen wir über eine 6-spurige Autobahn-Brücke , zurück nach Jütland gehts dann zuerst zu Fuss (Aussicht!) und dann mit dem Bus auf der ebenfalls sehr hohen, alten Eisenbahn/Auto-Brücke. Die kann man auch, für viel Geld, in grauen Anzügen und am Geländer angekettet, auf der oberen Eisengitter-Konstruktion zu Fuss überqueren. Wer den Kick braucht? Wir nicht unbedingt…!



Am Mittag, nach dem Tourismus-Büro (wo wir sehr nett und kompetent beraten wurden), setzen wir uns auf die Terrasse des Hafen-Restaurants „Mars“ und essen vorzügliche fish&chips / moules&frites😋😋😋 noch ein bisschen in der kleinen Altstadt spazieren, dann eben die alte Brücke und gegen 17 Uhr waren wir wieder zurück im Camping Skanderburg.



Am nächsten Morgen regnet es! Zum ersten Mal seit wir in Dänemark sind. Gewitter sind auch noch angekündigt… Wir checken stündlich die Mails, ob die Bootstour abgesagt wird?
Gegen Mittag wird das Wetter etwas besser und hoffnungsvoll fahren wir nach Middelfart. Es wird immer sonniger und wärmer. Ich hab mich viel zu warm angezogen 😅 pünktlich tuckern wir los, 12 Leute sind auf dem Boot, Belgier und Dänen und 4 weitere Schweizer. Das Wetter ist prächtig, kaum Wind, 25 Grad. Nach etwa 3/4 Stunden sehen wir tatsächlich ein paar Mal eine Rückenflosse oder auch zwei, aber alles geht so unglaublich schnell – keine Chance mit dem Handy. Andy hat es hoffentlich mit der guten Kamera und dem Riesen-Objektiv geschafft. Er fotografiert von ganz zu vorderst und es gibt ja auch noch herrliche Landschaft, Vögel und Segelschiffe zum verewigen. Dann halt keine Schweinswale (sind ähnlich wie Delfine) aber Schiffli fahren ist sowieso unseres und deshalb steigen wir nach 2 Stunden voll happy vom Boot ☺️







Wir fahren etwa 3/4 Stunden südöstlich Richtung Haarby, hier haben wir uns ein Hotel gebucht. Es ist wieder mal Zeit zum Haare waschen 😉
Das Hotel heisst Gammel Brydegaard. Mit gammelig hat das nichts zu tun 😉 gammel heisst „alt“. Es liegt versteckt am Dorfrand in Spaziergang-Distanz vom Meer, an der engsten Stelle der Halbinsel Helnaes auf Fynn.







Ein richtig schönes Hotel, nordisches Understatement, aber voll cool und stylish! Die Dusche hat sehr gut getan und noch nie hab ich in irgendeinem Hotelbad, wo ich schon je war, sogar einen Fön mit Aufsatz für lange lockige Haare angetroffen 😄

Das Nachtessen war auch wirklich fein, allerdings waren wir irgendwie auf besonders gute Küche eingestellt – und das war es nicht. Aber fein auf jeden Fall. Halt kein Bänziger…





Gebratene Kapern gabs zu meinem Fisch – sehr coole Idee! Aber das beste war eindeutig das Dessert: hausgemachte, cremige Vanilleglacé mit schwarzen Johannisbeeren und das alles mit einer heissen Sauce aus Butter, Eigelb und Zucker übergossen… besser als jedes Zabaiione!😍

Zum Abschluss dieses ereignisreichen Tages gab es dann noch ein Gewitter am Meer. So etwas habe ich noch nie erlebt. Der ganze weite Himmel wird geblitzt und der Donner rollt über uns in und aus allen Richtungen! Man hört, wie er sich ungehindert ausbreitet. Sehr cool, dass das Hotel über einen grossen Aufenthaltsraum mit Terrasse verfügt, von wo aus wir die Naturgewalt bei einem Glas Rotwein in Frieden und im Trockenen beobachten können.
Fachwerk und Rietdach
Eigentlich wollten wir uns zuerst einen Zeltplatz suchen, von wo aus wir die Insel Fünen erkunden können, so als Basisstation. Aber unterwegs entscheiden wir uns spontan, das „Den Fynske Landsby“ in Odense zu besuchen, ist so eine Art „Ballenberg“ of Denmark.
Das war sehr lohnenswert! Voll hübsch restauriert oder nachgebaut mit viel Liebe zum Detail auch in den Einrichtungen und Bepflanzungen. Und ich komme voll auf meine Kosten mit Häuser fotografieren!
















Danach suchen wir einen Campingplatz, der zu uns passt. Will heissen: Bitte so viel Privatsphäre wie möglich und saubere Duschen. Ich hatte vor ein paar Tagen schon mal eine Vor-Auswahl getroffen. Die fahren wir jetzt der Reihe nach ab. Der erste ist es nicht, der zweite passt: Knarreborg Mølle Camping vis-à-vis der Insel Langeland.
Gegen Abend voll viele Möwen über uns! Hat es einen Hafen in der Nähe? Hat jemand mit einer Knarre irgendwo…??? Schliesslich heisst unser Zeltplatz so…🤠 auf dem wir übrigens den Platz selber auswählen durften und es hat gar nicht viele Leute! Dusche war alt, aber okay. Es gibt kaltes Bier und kalten Rosé und Meersicht👍👍👍was will man mehr?

Grosse Landschaft, kleine Städte, ein geschlossenes und ein zu grosses Märchenschloss
Svendborg und Nyborg sind mittelgrosse Städte im Süden und Osten der Insel Fynn, von unserem Zeltplatz aus in einer halben Stunde zu erreichen. Das haben wir auch gestern und heute getan, fein gegessen und gemütlich geshoppt.






Eigentlich hätten wir das riesige Schloss Egeskov Slot besuchen wollen. Doch da parkieren so viele hundert Autos und an der Kasse wartet eine 50m Schlange – das ist nichts für uns. Wir entscheiden uns nach Nyborg zu fahren.


Unterwegs bei einem Schlosshotel mit Restaurant angehalten. Leider war es zu.





Ansonsten haben wir den Zeltplatz genossen, geschlafen, gebloggt, die Rückreise geplant 🙃 und relaxed 😎





Dänemark ist wirklich schön, sehr ländlich, es gibt viel Platz und die kleinen Dörfer liegen weit auseinander. Dänemark ist auch flach! Kaum Hügel, kaum ein Dutzend Meter über Meer. Sehr oft ist man auch ein bisschen unterhalb des Meeresspiegels. Das verwirrt teilweise unser Navi…
Schmucke Fachwerkhäuser wechseln sich ab mit roten Ziegelsteinbauten mit Reetdach. Rosen, riesige Hortensien und hohe Stockrosen in jedem zweiten Vorgarten, an den Strassenrändern gelbe und violette Blüten überall, die Strände sauber, die Dünen mit wilden Rosen bewachsen… alles wunderhübsch!






Beim zweiten Blick ist mir auch aufgefallen: Es wird fast überall das gleiche und zwar auf riesigen Flächen angepflanzt – schon mit vielen Bäumen, Sträuchern, Hecken und ab und zu auch grossen Wäldern dazwischen… aber auch etwas monoton, für die Tierwelt?








Tschüss Dänemark
🇩🇰 war gut zu uns ❤️ wir haben uns total wohl gefühlt 🇩🇰
Zum Abschied erleben wir noch ein richtiges Gewitter mit Starkregen, genau als Andy anfängt zu grillieren 💨⛈💦 die Markise fliegt fast davon und beim unteren Fliegengitter-Fenster drückt Wasser rein… aber das Filet mit Salat ist lecker und wir können ja im trockenen Bus sitzen beim Essen.

Definition bei Wikipedia: Hygge ist ein Kernbestandteil der dänischen Tradition und Lebensweise. Im Wesentlichen bedeutet es eine gemütliche, herzliche Atmosphäre, in der man das Gute des Lebens zusammen mit netten Menschen genießt. Das warme Licht der Kerzen ist Hygge. Freunde und Familie gehören dazu. Hygge hat viele Bedeutungen: Von „Kunst der Innigkeit“ über „Gemütlichkeit der Seele“ und „Abwesenheit jeglicher Störfaktoren“ bis hin zu „Freude an der Gegenwart beruhigender Dinge“, „gemütliches Beisammensein mit lieben Leuten“ oder gar „Kakao bei Kerzenschein“.

Die Nacht ist windig, aber trocken. Erst am Morgen beim Zusammenpacken kommen nochmals ein paar Tropfen. Wir fahren um 9 Uhr los über eine Brücke und einen Damm nach Rudkobing auf Langeland, dann auf die Fähre von Spodsbjerg nach Tars (Lolland).
Sehr coole Fähre!!! Es ist sehr windig und alle Wellen haben Schaumkrönchen, Sonne und wilde Wolken wechseln sich ab, herrlicher Ausblick auf dem Vorderdeck !!!






Weiter geht es nach Rodbyhavn auf die Scandlines Fähre nach Puttgarden (auf der Insel Fehmarn, Deutschland). Dafür haben wir im Voraus ein Ticket gekauft. Wir sind die vordersten auf dem oberen Parkingdeck – beim Ausladen ganz cool, weil wir genau sehen können, wie alles funktioniert.





Jetzt wird Nürnberg ins Navi eingegeben. Unser Ziel: unter 500km kommen, dann Hotel finden. Wir werden nicht über die A7, sondern Richtung Berlin über die A1, A20, A14, A24, A10 geführt. Es hat erstaunlich wenig Verkehr. Westlich von Berlin buche ich mit Booking.com ein Zimmer in einem Landgasthof in Nauen-Wachow. Das Navi entscheidet selbstständig (und von uns unbemerkt), uns noch 40km durch die äusserst ländliche Gegend zu lotsen. Ewig lange Alleen, holperige Strassen (das Luftfahrwerk besteht den Halbe-Stunde-100%-Rüttel-Test bestens) aber weit und breit keine Tankstelle 😜… zum Glück dann doch noch eine: 65 Liter gehen rein 👍(von 70). Gleich darauf finden wir das Hotel, essen und duschen und Haare waschen, alles prima.


Am nächsten Morgen fahren wir die verbleibenden 450km nach Nürnberg (A9) zackig durch, grösstenteils mit wenig Verkehr, nur kurzen Baustellen und fast ohne Stau. Im Knaus-Stadt-Camping haben wir zwei Nächte reserviert und kommen dort kurz nach 14 Uhr an. Der Platz taugt uns, grosse alte Bäume spenden Schatten (hier ist es 28 Grad) , wenig Leute und für unsere Zwecke beste Lage. Passt!




Letzter Ferientag
Wir fahren mit der Metro ins Zentrum von Nürnberg.


Wir besichtigen die schöne Altstadt und die imposante Sebaldus-Kirche und shoppen – nein das eigentlich nicht, denn fast überall stehen die Leute draussen an wegen der Corona-Kundenzahl-Beschränkungen… das ist mir zu blöd!







Natürlich drehen wir am goldenen Ring des „Schönen Brunnens“, denn für „Glück“ tun wir fast alles 😉 und essen & trinken haben wir auch nicht vergessen…






Müde von den fast 20tausend Schritten wollen wir auf dem Campingplatz noch ein bisschen abhängen. Daraus wird aber nicht wirklich was. In der Nähe gibts laute Livemusik (zuerst noch cool-rockig, dann eher Chilbi-Disco🤪). Es kommen immer mehr Autos mit riesigen Wohnwagen, die drehen Runden und finden keinen Platz. Die Mücken fressen mich und als schlussendlich um halb 12 nachts ein junges Paar meint, sie müssen ihr Auto und Zelt 2m neben uns aufstellen, da reicht‘s. Wir räumen zusammen und fahren die Nacht durch zurück nach Hause. Null Verkehr, rabenschwarze Dunkelheit und viel Regen, doch wenigstens konnten wir noch im Trockenen zusammen packen… und wurden zuhause von unseren lieben Nachbarn mit 1.August-Deko überrascht 😌

Rückblick
Wir waren mit unserem Bus zum ersten Mal im Ausland und überhaupt sooo lang (3 Wochen – 3984 km) unterwegs . Hier unsere…
Highlights und Insights
- Wattenmeer und endlos breiter Strand (Rømø) könnte ich ewig geniessen!
- Altstadt von Ribe ist sehr herzig, grössere Städte sind nicht so unseres.
- Sehr beeindruckend war der Leuchtturm mit der Riesendüne (Rubjerg Knude).
- Immer wieder Meer: kitschig schön, wo Skagerrak und Kattegat sich treffen (Grenen bei Skagen) – und tut der Seele gut, egal ob Nordsee, Ostsee, oder Südsee (das Meer unterhalb von Fünen wird echt so genannt).
- Wetterglück: windig, sonnig und sehr warm (während in der Schweiz und Deutschland alles überschwemmt wurde)…
- Selbst gut gekocht und auswärts mehrfach feine Fiske Smørebrød und super leckere Glacé. Aber Dänemark ist kein „Restaurant-Land“, das muss man auch wissen.
- Immer wieder und überall haben wir nette, freundliche, hilfsbereite Leute getroffen. Die Dänen sind echt locker und cool.
- Viele gute Kleiderläden, viel Leinen, genau mein Geschmack.
- Skandinavisk Dyrepark, vor allem die Braunbären waren so lustig und von so nah habe ich das noch nie erlebt! Sehr empfehlenswert!
- Wir lieben Schiff und Fähre fahren !!!
- Zum Abschluss verbrachten wir einen lustigen und spannenden Abend in Nürnberg mit Susanna und Ursula.
- Unser Bus „verhebt“ und wir sind top ausgerüstet, haben alles was wir brauchen dabei, kommen bestens klar mit wenig Platz und engen Verhältnissen, sind ein eingespieltes Team… – alles funktioniert tipptopp!
- Nivellieren und dank Luftfahrwerk immer grad stehen (und schlafen!), trotzdem auch in 2.0m Parkhäuser reinkommen – der Umbau war teuer aber hat sich sehr gelohnt.
- Blog schreiben ist viel einfacher auf dem Handy, vor allem wenn der Zugang zum Internet eher schwach ist – und es macht mir sehr viel Spass!
