Offroad-Training (Mai 2022)

Über Stock und Stein, durch kleine Bäche oder Schlamm und Sumpf, Schräglage und Bumps, steile Schotterpisten rauf und runter… geht das überhaupt mit unserem langen Luxus-Bulli? Wir wollen es wissen und haben uns für einen Trainingskurs in einer süddeutschen Kiesgrube angemeldet. Nur VWs, unter fachkundiger Leitung von Capricorn Trucks und Red-Ants-offroad.

Vom 13.-15. Mai probieren wir alles was möglich ist aus. Andy am Steuer und ich die mehr oder weniger mutige Beifahrerin🤭

„Miini Nerve!!!“
Andy voll in seinem Element!

Es macht Spass und wir lernen viel! Wenn man dann irgendwann mal plötzlich in so einer Situation steckt, ist man einfach froh, dass man es schon einmal durchgespielt hat…

Sicherheit

Das Fenster ist entweder geschlossen (kleiner Spalt ist auch okay) oder es ist ganz offen! Niemals auf halbe Höhe einstellen und niemals während dem Fahren Hände oder Kopf aus dem Fenster strecken.

Übersicht: Der Fahrersitz wird im Gelände 2 Stufen nach vorne gerückt.

Langsam!!!! Unbedingt vermeiden, dass der Bus ins Hüpfen kommt!

Im Gelände auf manuelle Schaltung im 1. Gang umstellen und immer die Traktionskontrolle (ASR) ausschalten!

Rückfahrkamera wäre hilfreich, aber die ständig piepsenden Parksensoren machen dich wahnsinnig 😵‍💫

Die Strecke besser erst zu Fuss erkunden als unvorbereitet in eine Gefahr hineinzufahren! Nichts erzwingen!

Was der Bulli kann

Schräglage bis zu 30 Grad: Der Bus kippt nicht. Eher beginnt er seitwärts runter zu rutschen (was auch nicht lustig ist!)… aber er kippt wirklich nicht! Auch wenn ich noch so stark an den Haltegriffen ziehe🙈

Verschränkungen: Weil wir die Langversion haben, reagiert der Bus nicht ganz so krass. Andy gelingt es, ihn einigermassen in der Balance zu halten und ziemlich diszipliniert über die „Höger und Löcher“ zu dirigieren. Ich bin während dieser Übung natürlich ausgestiegen…

4×4: Unser T6 hat Vierradantrieb, aber die hinteren Räder sind normalerweise gar nicht zugeschaltet. Sie kommen (automatisch) erst dazu, wenn die vorderen Räder kurz nicht mehr greifen können (eine Radumdrehung in der Luft). Wir wussten das nicht! Aber es ist eigentlich ganz praktisch und spart uns Diesel auf der Normalstrasse. Man darf nur nicht erschrecken in dieser Zwischensekunde, bis der 4×4 tatsächlich eingreift.

Wat-Tiefe: 30 cm ist okay. Es kann auch ein bisschen mehr sein, aber nur bei glasklaren Gewässern. Schlamm und Sumpf machen die Kühlung kaputt und sammeln sich in allen Zwischenräumen und Radlagern etc. und diese zu reinigen ist fast unmöglich. Also bitte keine Experimente (ausser vielleicht in Island).

Steile Berg- und Talfahrten

Bergauf startet man am besten nicht volle Pulle, vor allem nicht wenn es am Anfang der Steilstrecke eine Kante hat: Mit angemessener Geschwindigkeit reinfahren und dann im Berg das Tempo beschleunigen!

Oben angekommen: Yippieieee👍👍👍

Wenn man stecken bleibt, nochmal probieren! Dafür muss man aber zuerst runterkommen 🤪 Das wird jetzt auch geübt. Auftrag: Mitten im Hang anhalten und dann rückwärts wieder runter.

Supertrick von Dani Straub: Handbremse voll anziehen und im Rückwärtsgang sehr langsam runterrollen.

Wir müssen die Handbremse öfter brauchen… sie tönt ja grauenhaft!

Erklärung: Die Bremsen vorne sind auf Schub nach vorne ausgerichtet – nicht zum Rückwärtsfahren! Die Handbremse hingegen wirkt nur auf den hinteren Rädern. Sie in dieser Situation zu ziehen, verhindert, dass das ganze Gewicht des Buses allein vorne gehalten werden muss. Mit der voll angezogenen Handbremse wird also die vordere Bremsanlage entlastet und dadurch bleibt der Bus lenkbar und rollt (statt rutscht) im Rückwärtsgang sicher und heulend (siehe Video) den Berg hinunter.

Runterfahren vorwärts – Sue: Augen zu und durch. Andy: Gefühlvoll bremsen, im 1. Gang mit Motorenbremse in Fall-Linie fahren, langsam!!! Wenn es Spurrinnen hat, will der Bus sie finden und nutzen – das ist okay!

Bergen

Szenario: Wir müssen über einen steilen Hoger und im Hang stecken bleiben🤪 Jetzt muss das Fahrzeug zuallererst gegen das Wegrollen gesichert werden: Handbremse, Park-Position und Keil (notfalls Steine) hinter die Räder.

verdammt steil!!!

Dann: Ruhe bewahren, nachdenken, keine Panik und nicht hinters Auto stehen!!!

Der Original-Abschlepphaken ist nicht geeignet (zu schwach), aber wir haben ja aufgerüstet und 2 stabile Berge-Ösen montieren lassen. Die noch bessere Lösung um den Bus den Berg hochzuziehen sind jedoch die beiden Dreieckslenker.

Wir öffnen unsere Zauberbox, wecken Ralph* und schicken ihn unter die Motorhaube, um ein gutes Seil oder Softschäkel mit Gurten an den beiden Dreieckslenkern zu befestigen. Ohne Ralph werden wir halt selber schmutzig 🥳

* Danke Ralph für deine tatkräftige Hilfe. Wir konnten uns zu einem späteren Zeitpunkt revanchieren und auch Andy‘s Schaufel kam beim Ausbuddeln noch zum Einsatz 💪 – Mein Mann hat immer alles dabei was man braucht❤️!

Das Coole an diesem Offroad-Kurs ist: Man ist ja nicht allein! So traut man sich Sachen auszuprobieren und kann hoffentlich später, im Ernstfall, besser entscheiden was geht und was nicht… und WIE es geht hat man wenigstens einmal schon geübt.

Mit Hilfe eines Baumes, einer Umlenkrolle und dem „Habegger“ (der nur für 1 Tonne zugelassen ist) kann man nun den 3,3 Tonnen schweren Bus bequem von Hand den Berg hoch ziehen… einmal hin und her = 3cm vorwärts 😅😅😅

Erklärung: Der Habegger hat 1 Tonne Traglast, aber er kann ein Vielfaches davon ziehen. Die Umlenkrolle halbiert das Gewicht noch zusätzlich.

Reifen

Im Moment fahren wir mit AT-Reifen. Diese sind aber bei Kälte, Eis und Schnee nur im Neuzustand einigermassen gut. Wir werden also im Herbst wieder umstellen auf Winterreifen und die AT-Reifen in der wärmeren Jahreszeit brauchen. Zum Glück haben wir noch Extra-Felgen, die auch auf 3,5 Tonnen zugelassen sind.

Den klassischen Wagenheber haben wir dabei, aber sinnvoller und einfacher ist es, den Bus im Fall des Falles mit einem Luftkissen anzuheben. Ein Wagenheber ist beim grossen Gewicht eines Campers einfach zu unsicher. Da wir ja jetzt auch einen eingebauten Kompressor haben, können wir das Luftkissen bei Bedarf auch befüllen. Es ist bestellt – sobald es da ist folgt noch das passende Bild.

Falls wir mal bei den Reifen Druck ablassen müssen, wird uns der Kompressor sehr viel nützen. Bei 2 bis 2,5 bar hat man wesentlich mehr Grip auf schwierigem Terrain oder wenn es viele Steine hat… Doch für die normalen Strassen sollte man nachher wieder auf 3 bar erhöhen können – da bin ich doch froh, wenn ich das nicht von Hand aufpumpen muss (hihi)…

Rückblick und Ausblick

So viele Bullis auf einmal, aber unserer ist einfach der schönste ❤️❤️❤️! Neben dem Fahrtraining gab‘s auch gemütliche Abende am Lagerfeuer, ein grandioses Frosch-Konzert und nette Leute haben wir auch kennen gelernt.

Nur zum Reinhören – am Schluss noch Lagerfeuer 🔥

Unser neues Trelino Trocken-Trenn-WC hat sich auch in der Hitze bewährt.

Andy ist überglücklich, dass das Bergen an unserem Bus gezeigt wurde! Ein rundum gelungenes Wochenende und der Bus ist auch heil geblieben… Rocksliders (seitliche Randverstärkungen) lassen wir trotzdem noch einbauen! Sie schützen vor Schäden an der Schiebetür und damit lässt sich das Auto auch überall aufbocken.

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