Tinternparva, Hook Head Lighthouse und Dunbrody Famine Ship

Am nächsten Morgen fahren wir früh zur Tinternparva Abbey ganz in der Nähe. Wir sind die Ersten und auch später noch fast alleine auf dem weitläufigen Gelände.

Im Turm im ersten Stock eine interessante Baumaterialien-Sammlung, darüber nichts als das hohe Gebäude ganz ohne Zwischenböden.

Die Ruinen des Klosters aus dem 12. Jahrhundert, das nach der religiösen Anfangszeit noch 400 Jahre im Besitz der gleichen Familie war, gefallen uns sehr gut! Diese Mauern überstanden alle Wirbel zwischen Katholiken und Evangelisten, zwischen Getreuen der englischen Krone und Rebellen, die die irische Unabhängigkeit verfolgten, sie überlebten Streit und Kämpfe zwischen Verwandten, sogar Geschwistern, und blieben trotz grosser finanzieller Probleme der Besitzerfamilie bestehen.

Heute ist die OPW verantwortlich (und wir konnten wieder gratis rein) – die letzte Erbin der Familie Colclough hat das Anwesen 1959 dem irischen Staat verkauft, da sie keine Nachkommen hatte.

Auch die Umgebung ist sehr schön und wir spazieren noch ein bisschen herum.

Die Abtei wurde um 1200 von William Marshal, 4. Earl of Pembroke gegründet. Das ist der gleiche mächtige Ritter („Englands greatest Knight“) der Kilkenny Castle gründete und unter 5 englischen Königen diente.

William war mit Isabella de Clare verheiratet, trotz grossem Altersunterschied entwickelte sich zwischen den beiden eine tiefe Liebe und Leidenschaft, sie waren 30 Jahre verheiratet und hatten 10 Kinder. Isabella konnte französisch, irisch und lateinisch und verteidigte ihre Ländereien in Irland erfolgreich (während ihr Mann auf Reisen war) – kurz nach Williams Tod verstarb auch sie. Genaueres zu den beiden interessanten Persönlichkeiten auf der Begleittafel zu den beiden Holzskulpturen, die wir beim Spazieren in der Umgebung entdeckt haben.

Wir finden beim Herumwandern auch noch eine alte Kapelle mit Friedhof. Da das Gittertor verschlossen ist, klettern wir halt über die in die Mauer eingebauten Treppenstufen. Hier könnte auch Isabella begraben sein. Es gibt sehr alte Grabsteine, auch viele von Kennedys, aber nichts was auf Isabella hinweist.

Wir fahren weiter zum Hook Head Lighthouse. Seit dem 6. Jahrhundert stand hier immer ein Leuchtturm, sie sagen es sei der Älteste der Welt.

Leider gibt es nur geführte Touren und wir müssten eine ganze Stunde warten. Aber auch von unten sind die Anlage und das Meer eindrücklich und so fahren wir bald wieder weiter, ohne hinaufzuklettern.

Ich wusste gar nicht, dass es Bojen aus Metall gibt und dann noch so riesige…

Weiter geht’s nach New Ross zum Dunbrody Famine Ship. Hier geht es um die Auswirkungen der grossen Hungersnot (Famine) von 1845 bis 1849 (hauptsächlich durch die Kartoffelfäule verursacht), während der sich die Bevölkerung von Irland durch Auswanderung oder Tod von 8,5 auf 6,5 Millionen Menschen dezimierte. Die Ausstellung thematisiert diese tragischen Ereignisse einfühlsam und berührend.

In einem originalgetreu nachgebauten Dreimaster erfahren wir mit einer eindrücklichen Ausstellung und von wirklich talentierten Schauspielerinnen mehr über die „Sarg-Schiffe“, die Mitte des 19. Jahrhunderts Tausende von verzweifelten, verhungernden Iren nach Übersee beförderten. Kaum vorstellbar, was diese armen Menschen durchgemacht haben.

30 Minuten täglich durften die (160 bis) 300 Passagiere vom untersten Deck in kleinen Gruppen nach oben an die frische Luft. Während dieser halben Stunde konnten sie hier kochen und mussten gleichzeitig noch die Latrinen-Kübel leeren. Bei Sturm wurden die Türen verriegelt und alle mussten unten bleiben. Die Überfahrt dauerte 4-7 Wochen, danach noch einen Monat Quarantäne…

Ein Mahnfeuer im Namen von John F. Kennedy, dessen Vorfahren aus dem Südosten der Republik Irland stammten, erinnert heute noch an das schwierige Schicksal aller Emigranten auf dieser Welt.

Nach dieser sehr interessanten Geschichtslektion fahren wir zurück und geniessen noch ein paar weniger windige Momente neben dem Bus, bevor der Sturm wieder einsetzt.


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