Gougane Barra und Killarney

In der Nacht stürmt es zügig und unser Zeltdach rüttelt heftig, ab und zu klappert sogar der Tisch draussen. Doch am Morgen ist alles noch da, auch das kaltfeuchte Wetter.

Wir packen zusammen und füllen noch AddBlue in den Bus. Seit Tagen hatten wir uns Gedanken gemacht, wie wir die Flüssigkeit ohne Trichter einbringen könnten und Andy hat auch schon etwas gebastelt dafür. In der Schweiz ist dieser Einfüllstutzen normalerweise oben gut sichtbar am Kanister befestigt. Hier war er auf der Rückseite in einer Vertiefung eingeschweisst… Wir hätten den Kanister nur mal umdrehen und die Etikette entfernen müssen🤪

In Glengariff geniessen wir noch einmal leckere Galettes. Unterwegs dorthin aber noch ein grosses Highlight für Andy: Während ich den Bus steuere, verfolgt er mit der Drohne unsere Fahrt. Sowas haben wir noch nie gemacht bis jetzt.

Zitat danach: „Mir ist immer noch schlecht … ich spürte das Rumpeln und die Kurven, gleichzeitig hatte ich die Sicht der Drohnenkamera, die gegen den böigen Wind ankämpfen musste. Das passte nicht wirklich zusammen…“🤪

Aber so richtig krank sieht er eigentlich nicht aus – eher zufrieden!

Eine Stunde später sind wir in Gougane Barra, einem romantischen Kirchlein an einem kleinen See mitten in einem grossen, hügeligen Wald.

Hier hat der Heilige St.. Finnbar im 6. Jahrhundert auf einer Insel im See ein Kloster gegründet. Heute kann man davon noch ungefähr 300 Jahre alte Ruinen und eine kleine Kapelle besichtigen.

Es ist malerisch und bei schönem Wetter sicher besonders hübsch.

Wir fahren weiter nach Killarney, wo wir auf einem sehr teuren Campingplatz zwei Nächte gebucht haben, denn Haare waschen ist dringend. Killarney ist der touristische Mittelpunkt des County Kerry.

Nach der wohltuenden Dusche laufen wir etwa 3km ins belebte Zentrum, trinken Guinness und essen Pizza im J.M.Reidy‘s. Der Pub ist ein regelrechter Irrgarten: Verschiedene Bars, kleine Kabinen mit nur einem Tischlein, Brocki-ähnliche Deko überall, live Musik und gute Stimmung.

Wir sitzen draussen und beobachten die vielen Leute und Krähen

die es hier überall hat…

… auch auf dem Campingplatz.

Weil es am nächsten Tag regnet und der Platz hier sehr sauber und gut organisiert ist, erledige ich gleich noch eine Runde Wäsche und Andy macht Büro.

Hier unsere gestrige Etappe: 109 km und dafür haben wir etwa 2.5 Stunden gebraucht.

Wir schmieden auch Pläne für die Weiterreise, was gar nicht so einfach ist. Der Wild Atlantic Way besteht aus dreierlei Strassen (sowie wir das bis jetzt erlebt haben):

  • einspurige Holperpisten mit Ausweich-Buchten, darauf braucht man für 30 km eine Stunde…
  • oder etwas breitere Strassen, aber immer noch kurvig und voller Bumps und Schlaglöcher, so dass mehr als 75 kmh nicht ratsam sind…
  • oder es gibt ganz selten mal eine N- oder M-Strasse, auf der man 10 Minuten lang echt Vorwärtskommen kann! Dann muss man wieder abbiegen und irgendeinen Pass bezwingen.

Die allermeisten Strassen führen nicht dem Meer entlang, sondern durch Wald oder sind von hohen grün-bewachsenen Mauern eingerahmt… – heisst im Klartext:

Keine Aussicht! Weder aufs Meer, noch auf die Landschaft oder sonst irgendwas…

Wir fahren eigentlich sehr gern Pässe (und unser 4×4 Bus kann auch Holperpiste), wir lieben auch den Wald und überhaupt die Pflanzenwelt – aber diese Irland-Experience hatten wir uns irgendwie anders vorgestellt… Es ist wie eine Fahrt im Zug oder auf der A1: Man sieht nichts, denn man ist ist von Lärmschutzwänden umzingelt!

Uns fehlt der wilde Atlantik: Küste, Klippen, Sand und Wellen!

Es ist hier immer noch Hauptsaison und hat überall viel Volk und volle Campingplätze. Aber wir sollten vielleicht einfach etwas spontaner vorgehen und uns nicht darum kümmern? Mal schauen, was morgen bringt. Ich bleibe zuversichtlich!

Um den regnerischen Tag positiv abzurunden, gehen wir nochmals auswärts essen und zwar sehr lecker, im Ivy Lounge, gleich neben dem Campingplatz.

Das war Andys Aktivität von heute (wir merken, nicht zum ersten Mal: My Tracks zeichnet selektiv auf) – immerhin sind wir ja noch ins Restaurant gelaufen (mindestens 77m hin und zurück …) 🤭


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