Derry

Eines der traurigsten Kapitel rund um den Nordirland-Konflikt ist der „Bloody Sunday“ von 1972. Diese Tragödie prägt den Umgang der Menschen in Derry/Londonderry mit Vielfalt und Toleranz in aussergewöhnlicher Hinsicht. Beeindruckend. Aber dazu später mehr.

Wir haben 2 Nächte im Ebrington Hotel gebucht, um diese interessante und nicht allzu grosse Stadt kennenzulernen. Hier unsere Eindrücke, der Reihe nach:

Hotel: Unser Zimmer ist gross, bequem und sehr sauber. Dinner im Hotel ist besser als Durchschnitt, aber leider hat es Andy wieder auf den Magen geschlagen. Das Cüpli und das Guinness waren sehr lecker! Es gibt einen grossen Parkplatz und die Lage, gleich bei der Brücke gegenüber der „Walled City“, ist perfekt.

Wir schauen uns die Peace Bridge noch an…

… und am Morgen spazieren wir dann drüber, auf dem Weg in die Altstadt.

Die 2011 eröffnete Brücke ist ein Symbol für das Überwinden von Widrigkeiten, in dem sie die beiden Ufer des Flusses Foyle miteinander verbindet, deren Bevölkerung jeweils eher Unionist (mehrheitlich protestantisch und für die Zugehörigkeit zu England) oder Nationalist (republikanisch, katholisch und für die Unabhängigkeit von ganz Irland) geprägt ist.

Beim überqueren der Strasse zur Altstadt merkt man schon etwas von der gelebten Toleranz in dieser sympathischen Stadt.

In der „Walled City“ besichtigen wir zuerst die beeindruckende Guild Hall (Ratshaus).

Es gibt eine spannende Ausstellung zur Kolonialisierung der Region Ulster mit reformierten englischen Siedlern (wird Plantation genannt) im 17. Jahrhundert. Auch in der Guild Hall wird der „Bloody Sunday“ intensiv und ehrlich thematisiert.

In Derry ist die ganze Stadtmauer aus dem Mittelalter (1613-17 erbaut) noch intakt vorhanden und wir spazieren die 1,6 km oben drauf.

Weil es zwischendurch stark regnet, flüchten wir in die St. Columb‘s Cathedral von 1633, die als Kirche auch ein unglaubliches Sammelsurium an Museumsgegenständen beherbergt. Sehr nette Begrüssung durch einen jungen Mann, der uns einlädt, hier wieder trocken zu werden. Wir sind aber nicht lange geblieben. Vollgestopft mit all dem Krimskrams ist es hier einfach too much für meinen Geschmack!

Weitere Eindrücke von unserer Tour durch die City:

Von der Stadtmauer aus sieht man auch in die „Boglands“, das Quartier, in dem der Konflikt 1972 eskaliert ist. Wir besichtigen die bekannten Murals, die den „Bloody Sunday“ und die Free Derry-Bewegung illustrieren und thematisieren.

Schon quasi immer , seit 1641 gibt es Unruhen und Kämpfe in Irland. Erst 1921 wurde Irland ein von England unabhängiger Freistaat, allerdings auch eine geteilte Insel. Darauf folgte ein Bürgerkrieg (1920-22) mit vielen Toten, Vertriebenen und grossen Zerstörungen. Damals entstand die IRA und die Konflikte blieben bestehen. Im Januar 1972 wurden in Derry 14 unschuldige Menschen bei einer Demonstration der Nationalisten vom britischen Militär getötet. Das war der „Bloody Sunday“!

Mich berührt es sehr, wie Derry es schafft, mit der Tragödie so offen umzugehen. Obwohl „UK“ wird den Stimmen der Republikaner, sogar der IRA, wirklich viel Platz zugestanden.

Hier die Namen der Bilder und Künstler der als People’s Gallery bekannten Murals.

Es gibt an der Rossville Street auch einige weitere Gedenkstätten und Denkmäler und politische Plakate / Strassenkunst.

Müde und total verschwitzt/nass geregnet kommen wir Mitte Nachmittag wieder im Hotel an. So viele, teilweise heftige Eindrücke und eindringliche Bilder! Mich erstaunt nicht, dass die Iren sehr intensiv auf das reagieren, was in Gaza gerade passiert!

Nach einer langen Siesta gehen wir doch noch mal raus und bekommen in der Walled City Brewery gleich neben dem Hotel ein wirklich gutes und zum Glück verträgliches (!) Dinner.


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