Es geht los: Durch Deutschland zur dänischen Grenze

Zwei Tage bevor wir losfahren, wird das Schweizerische Covid-Zertifikat auch von der EU anerkannt. Wir packen Kleider für nördlichere Breitengraden, tanken alles voll, ernten die letzten Salate und Pimientos zum Mitnehmen, bestücken den Weinkeller (die unterste Schublade beim Kühlschrank, da haben fünf Flaschen Platz) und überprüfen die Bewässerung des Gemüsegartens. Am Sonntag um 8 vor 8 Uhr morgens geht’s los bei Kilometerstand 28‘377 und mit einer riesigen Vorfreude im Bauch.

Die deutschen Autobahnen sind (Sonntag sei Dank) verkehrsarm, ein paar kurze Staus und zwischen Frankfurt und Kassel krasser Regen. Nach 600 km sind wir an unserem ersten Übernachtungsplatz südlich von Göttingen: Ein „Pop-up-Camp“ am Kies-See Klein Schneen, mitten im Grünen mit der sehr herzlichen Gastgeberin Theresa.

Wir machen es uns gemütlich und sind froh, überhaupt heil angekommen zu sein. Denn unsere erste Annahme, der Bus sei 100 pro parat, hatte sich schon unterwegs relativiert…

Kurzer Rückblick auf unterwegs: Mitten auf der Autobahn, so nach etwa 3 Stunden Fahrt, sagt Andy plötzlich: „Fahr jetzt in den nächsten Parkplatz!“ Wenn er das so sagt, dann mach ich das natürlich. Dann schlucken wir leer: Eine der Felgen-Schrauben steht schon 2cm vor, ist kurz vorm Rausfallen. An den erst kürzlich installierten Rädern mit den Hess-Felgen hatten sich unterwegs fast alle Schrauben gelockert… Huch!!!
Beim Öffnen der neuen Riffelblech-Heckkiste, wo das Werkzeug aufbewahrt ist, der nächste Schocker: Der Deckel hängt nur noch an einer einzigen Schraube, die andern 5 sind gar nicht mehr auffindbar! Boah, das hätte böse enden können. Ich liebe Andy’s sechsten Sinn. Es ist grad noch nichts schlimmes passiert. Zum Glück!!!
In aller Ruhe sichert mein Mann die Kiste mit einem Bindeset und zieht dann alle 96 Felgenschrauben von Hand neu fest. Wir können weiterfahren.

So sind wir schlussendlich sicher nach Göttingen gekommen. Am nächsten Morgen erstmal Stopp im Obi Baumarkt. Wir kaufen alles notwendige ein um die Heckkiste zu reparieren und die Felgen-Schrauben notfalls anzukleben. Dann besichtigen wir die alte Uni-Stadt.
Das Parkieren in der Innenstadt funktioniert gut: Parkhaus 2m heisst mit 1.97m im untersten Level des Luftfahrwerks reinfahren. Eher schleichen, denn ich fahre sehr vorsichtig/ängstlich um jede Kurve in diesem das-glaubt-mir-niemand-wie-eng-das-war-Parkhaus. Aber nach gefühlt 20 Minuten ist der Bus abgestellt.
Wir laufen ins Zentrum und beobachten, wie ein junger Doktorand die Gänseliesel am Brunnen vor dem Rathaus küsst, shoppen Schmuck, essen feine Waffeln und fahren Mitte Nachmittag zurück zum Stellplatz. Nach einer gemütlichen Siesta flickt Andy die Kiste, wir duschen unter der Heckklappe und dann gibt’s Cervelat vom Grill mit Salat aus dem heimischen Garten.

Hier in Deutschland ist es tüppig heiss (30 Grad), doch in der Schweiz regnet es sintflutartig. Langsam erhalten die ersten Meldungen von Überschwemmungen und Schäden und in den nächsten Tagen wird das immer schlimmer. In Deutschland, Belgien, Österreich gibt es viele Tote… Richtig schlimm!!!
Wir machen uns Sorgen um Familie und Freunde zuhause, sind ständig in Kontakt. Der Garten leidet, aber alle unsere Lieben sind wohlauf, was für ein Glück.

Am nächsten Tag geht’s weiter nach Schleswig-Holstein. Um Hamburg rum hat es ein bisschen Stau, wir sind beeindruckt von den riesigen Hafenanlagen und dem Elbtunnel. In Rendsburg machen wir Halt bei einer Autofähre über den Nord-Ost-Kanal und bei der alten Eisenbahnbrücke Osterrönfeld. Ein alter Seebär erzählt uns von dem schlimmen Schwebebahn-Unglück vor 6 Jahren. Einige riesige Lastschiffe fahren vorbei, es ist speziell und die Menschen hier sind sehr nett und gesprächig.
Wir fahren weiter nach Nordfriesland auf unseren „Hinterland“-Stellplatz in Oster-Ohrstett (nähe Husum). Stellen den Camper auf die grüne Wiese und kochen uns Grillfleisch und den letzten Salat.

Am nächsten Morgen ist das Wikingermuseum in Haithabu (Busdorf, nähe der Stadt Schleswig an der Ostküste) auf dem Programm. Nach einem typisch deutschen Frühstück in Odin’s Biergarten laufen wir zuerst zu den nachgebauten Wikinger-Hütten raus… eine gute Entscheidung – es wird immer heisser. Das Museum ist interessant aber etwas voll und eher unstrukturiert. Wir machen lieber Pause draussen unter den Bäumen und fahren danach zurück und weiter bis nach Husum. Dort verbringen wir noch ein paar Stunden am Wiesenstrand „Dockkoog“, es hat zwar viele Leute aber im Strandkorb kann man das einigermassen ausblenden und die Sonne und den Wind trotzdem geniessen.

Wieder schlafen wir gut und lange in unserm Hochbett. Die zusätzliche Matratze macht es wirklich aus, dass es bequem ist. Nach dem Aufstehen suchen und finden wir eine VE-Station (Ver- und Entsorgung für Wohnmobile) und fahren dann nach Flensburg ins Hotel Dittmer’s. Hungrig wandern wir durch die Fussgängerzone und finden ein feines Tapas-Restaurant, dann noch bitzli shoppen und zurück ins Hotel. Endlich wieder mal duschen!!!

Den Abend verbringen wir spazierend am Hafen und in der Altstadt, machen Fotos, essen Flammkuchen – es ist endlich etwas kühler. Morgen geht es nach Dänemark. Wir freuen uns und sind gespannt wie es an der Grenze laufen wird.


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