Jütland von Süden bis Norden

Schon ist es Freitag. Am Morgen passieren wir endlich die Grenze zu Dänemark. Wir werden tatsächlich angehalten und müssen Ausweise und Covid-Zertifikat zeigen, doch der Beamte ist sehr freundlich und wir sind schnell wieder unterwegs.

Unser Ziel ist Römö, die unterste Insel an der Westküste (Nordsee), die man über einen langen Damm erreichen kann. Auf dem Reisemobil-Stellplatz „Oasen“ schnappen wir uns kurz vor Mittag grad noch den letzten freien Platz und lernen nette Deutsche kennen, die uns alles erklären und mit denen wir auch am Abend und nächsten Morgen noch spannende Gespräche führen.
Wir fahren zum endlos breiten Sönderstrand und geniessen es total dort. Man kann mit dem Auto kilometerweit auf dem harten Sand fahren, wir verbringen Stunden mit dösen, spazieren, Tagebuch schreiben, Kaffee und Cookies, den Drachen und Kite-Surfern zuzusehen… Gigantisch, dieser Strand!
Das Wattenmeer zieht sich im Laufe des Nachmittags immer weiter zurück, die Fähre nach Sylt kreuzt draussen wie eine Fata Morgana, ein sehr beeindruckender Ort. Der Wind ist krass, meine Haare sind voller Knöpfe und einen kleinen Sonnenbrand hole ich mir auch. Aber es war herrlich!!!
Am Abend gibt’s bei uns nur noch Snacks und nach ein paar Gläsern Wein klettern wir müde ins Bett.

Samstag: Wir verlassen den Stellplatz und fahren ¾ Stunden nach Norden zu der einzigen Gezeiten-Strasse Dänemarks, die uns nach Mandö bringt. Eine winzige Insel mit einer Handvoll Häuser und einem Campingplatz, umgeben von Dünen, die das Eiland schützen. Die 7km lange Schotterstrasse ist nur bei Ebbe befahrbar. Wir hatten uns im Voraus nach den „Fahrbar-Zeiten“ erkundigt und so wagen wir es – ist überhaupt gar nicht gefährlich, aber schon eindrücklich – links und rechts nur Wattenmeer, die Insel ist lange Zeit nicht sichtbar, weil sie eigentlich unter dem Meeresspiegel liegt.
Den kleinen Zeltplatz finden wir, schauen uns das Wahrzeichen der Insel an (eine Windmühle) und machen Pause (und Blog) bis zum Abendessen: Pimientos del Padron mit Aioli aus dem Edeka, lecker Angus Burger und Tomatensalat. Nach neun Uhr machen wir uns auf den Weg zum Strand für den wunderbaren Sonnenuntergang am Wattenmeer.

Spannend sind diese „Gartenhag“-Reihen alle paar hundert Meter im Wattenmeer. Die Stecken werden mit Schnüren „umgarnt“ und brechen die Wellen, damit sich Sand und andere Sedimente setzen können. So gewinnen sie Land dazu, stehlen es dem Meer und schlussendlich wird es bepflanzt, damit es stabil wird.
Die Dünen sind voll mit alten Rosen (Kartoffel- und Hunds-Rosen, wirklich buschig und stachlig), die blühen weiss und rosa überall und da geht niemand freiwillig durch. Denn das ist schlecht für die Dünen, man sollte nur die offiziellen Wege (mit Nummernschild) begehen. Überall sonst sieht man an Wegrändern und auf den Wiesen diese gelben und violetten Blumen, sie leuchten wunderbar, von weit und nah, so schön!

Und zu den Häusern muss ich auch noch was sagen. Jedes zweite, dritte Haus auf dem Land hat ein Rietdach. Sie sehen so herzig aus. Aber ich hab viel zu wenige davon fotografiert, leider. Rote Backstein-Häuschen mit Naturdach überall, nur nicht in meinem Blog. Vielleicht krieg ich noch ne Chance in den nächsten Tagen.

Sonntag: Ausschlafen und um halb 12 (zu Beginn der Ebbe) zurück aufs Festland. Jetzt hat es richtig Pfützen und das Wasser ist nahe! Macht Spass diese Überfahrt. Andy gefällt besonders, dass das Auto nachher richtig dreckig ist 🙂

Wir fahren nach Ribe, der ältesten Stadt Dänemarks, viele spezielle Läden mit Kunsthandwerk, einen riesigen Dom, überall nette Cafés… lohnt sich! Unser erstes richtiges Fischbrötchen geniessen wir im Innenhof einer alten Kneipe, super lecker! Andy mit Hering und ich mit Lachs. Nächstes Mal trau ich mich Hering auch!

Danach weiter Richtung Norden, schlussendlich landen wir im Danscamp Holmsland auf einem schlechten Platz ohne Privatsphäre, aber spazieren noch zum Strand (Nordsee mit richtigen Wellen 😊) und kochen uns super lecker Trüffelrisotto.

Ein kurzes Wort zum Camping: Dieser hier ist nur zum Übernachten. Das ist okay. Und so werden wir die Zeltplätze auch weiterhin benützen. Aber „Kuschelcamping“ mögen wir wirklich nicht gern. Da wo man den Nachbarn hört und sieht und fast schon spürt. Ist nicht unseres! Leider gibt es in Dänemark unseres Wissens keine Alternative, „wild campen“ ist nicht erlaubt und so wie mit „Hinterland“ oder „Place to bee“… wo man einzeln stehen könnte (auch gerne gegen Geld) haben wir nichts gefunden. Campingplätze haben den Vorteil, dass man entsorgen und duschen kann. Das ist aber auch der einzige. WC haben wir selber dabei, Strom ist nett, aber nicht zwingend nötig, und Wasser kann man auch an einem Brunnen auffüllen.

Montag: Duschen (siehe oben) und dann weg. Kurze Besichtigung vom Leuchtturm Lyngvig Fyr, da hat es zu viele Touristen für uns. Wir fahren via Hvide Sande nach Thyborön und schauen uns die vielen Bunker aus dem 1. Weltkrieg am Strand an, die Wellen-Brecher-Anlagen, die Snegel-Häuser, und essen lecker Smörebröd mit Fisch beim Museums Café. Dort ist auch die Gedenkstätte für die vielen Opfer der grossen Skagerak-Seeschlacht vor Dänemark 1916 (25 Schiffe sanken, 8645 Marinesoldaten starben).

Wir nehmen die Fähre nach Agger und fahren durch den Thy Nationalpark (zwischen Meer, Wald, vielen Seen und Fjorden) Richtung Norden. Alle Campings unterwegs sind voll, wir finden noch eins in Hanstholm an einem Fischersee, herzig, ruhig, günstig und unkompliziert. Lernen nette Schweizer aus Schafisheim kennen, die Welt ist klein! Die Fischer haben weniger Glück, aber ein frecher Vogel taucht immer wieder ein und einmal fängt er sogar einen Fisch.

Wir verbringen eine ruhige Nacht da, obwohl nach 19 Uhr immer mehr Wohnmobile auf den Platz fahren. Etwa um 21 Uhr kommen zwei herzige alte Leutli einkassieren, nur bar, es ist dreckbillig… ich denke nicht dass die Steuerbehörden von diesem Geld je etwas erfahren, aber die Villa hinter der Campingwiese sieht sehr schön aus😉

In der Nacht wird es wieder sehr windig, aber unsere Stühle hat es doch nicht weggeblasen. Wir entsorgen und füllen auf und fahren nach Norden. Sandwichpause am Limfjorden und ein bisschen den Kite-Surfern zuschauen. Heute fahre ich alles und es geht immer besser. Macht auch Spass.

Zwischen Lökken und Lönstrupp besichtigen wir die sehr eindrückliche Wanderdüne Rubjerg Knude (90 m hoch!!!) und den dazu gehörenden Leuchtturm. Der wurde schon mal um 70m nach hinten versetzt, ist jetzt aber vom Sand schon wieder fast aufgefressen. Wenn die Düne noch weiter inland zieht, wird er einfach eines Tages ins Meer stürzen. Der Wind ist krass auf der Düne, man wird regelrecht sandgestrahlt und ich bin froh, dass ich dran dachte, die Sonnenbrille anzuziehen.

Danach weiter hoch Richtung Skagen, der nördlichsten Stadt von Jütland. Kurz davor finden wir einen guten Zeltplatz, riesig aber jede Parzelle ist auf drei Seiten mit Bäumen und Büschen geschützt. Wir fühlen uns wohl hier und verbringen den Rest des Tages mit duschen, schlafen, bloggen.


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2 Antworten auf „Jütland von Süden bis Norden

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  1. Super Bericht von einer offensichtlich ereignisreichen Reise !

    Was sind wohl *Snegel-Häuser“   (Google meint „Senegal-Häuser) aus kolonialistischen Zeiten. Gut erfunden ??

    Dann geniesst  Eure abenteuerliche Fahrt  !!  Wie sieht das wohl aus, wenn der Meeresspiegel noch ums Grönlandeis  ansteigt ?

    Bei uns ist nun endlich wieder sonniger Sommer.  Alle tollen Wünsche und Grüsse

    Koni  der Camper-Fan

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