An Sizilien vorbei und um die Stiefelspitze herum

Von Tropea aus sind wir zunächst nach Scilla gefahren (kurvig und schmal wie gehabt). Ich bin froh, wenn Andy diese Strecken fährt, er kann auf Millimeter genau einschätzen, ob‘s noch reicht oder nicht 🙈

Andy ist auch froh, wenn ich solche Strecken nicht selber fahre, sondern ihm überlasse…😬 sogar der Bus ist froh 😂

In Scilla essen wir Schwertfisch-Sandwich am Strand und staunen, wie nah Sizilien ist.

Wir beobachten die traditionellen Fischerboote für die Schwertfisch-Jagd. Der „pesce spada“ ist fast 40 kg schwer und mit seinem Schwert bis zu 2 m. Die Fischer jagen zu zweit. Einer sitzt im Mast (25 m hoch) und spottet den schlauen Fisch. Wenn er einen erspäht, gibt er Bescheid und dann rast das Schiff plötzlich mit hoher Geschwindigkeit an die passende Stelle. Dort läuft der Kapitän auf dem 30 m langen Steg hinaus (deshalb heisst das Boot auch „passserella“) und versucht den Schwertfisch mit der Harpune zu erwischen. Ein Knochenjob unter der gleissenden Sonne! Früher gab es 12 solche Boote, heute nur noch zwei – und sie fangen manchmal tagelang nichts.

Dann geht es weiter und wir tauchen immer mehr ein ins ursprüngliche Kalabrien: wunderschönes türkisfarbenes Meer, schroffe Berge mit wenig Vegetation – und dazwischen alles was vom Menschen kommt ziemlich „wüst“ und armselig und dreckig. Nach Reggio di Calabria hört die Autobahn einfach auf. Die schmaleren und Nebenstrassen haben grauenhafte Schlaglöcher und werden von der Natur wieder vereinnahmt (zugewachsen). Überall liegt Abfall und Müll. Viele Gebäude sind in desolatem Zustand oder schon ganz verlassen und am Verfallen. Es ist der ärmste Teil des ganzen Landes und das merkt man!!!

Die Strasse Richtung Tarento (Stiefelabsatz) führt zwar genau dem Meer entlang, dazwischen nur noch die Eisenbahn. Mit dem Auto kann man aber nicht ans Meer, wegen den Schienen. Wir fahren lange auf der Suche nach einem Campingplatz. Es hat nämlich einfach kaum welche.

Schliesslich werden wir doch noch fündig und zwar richtig gut. Das Camping „Aphrodite“ von Bruno ist einfach, aber dafür ganz nah am Strand!

Abendspaziergang am Strand

Der Zeltplatz hat grosse alte Bäume (Schatten👍) und nur ganz wenig Gäste (Platz 👍) – dafür sehr nette! Als wir am zweiten Tag unterwegs waren und hier ein heftiges Gewitter mit Platzregen herunterkam, haben sie unsere Stühle und weitere Sachsen fix unter ihre Markise gezügelt, damit nicht alles pflotschnass wird 😘

Am ersten Tag auf diesem Zeltplatz machen wir nichts ausser schlafen, Reisebücher wälzen und Pläne schmieden, mit den netten Nachbarn plaudern, duschen, bisschen Wäsche waschen und super lecker kochen…

Am zweiten Morgen bin ich nochmals zwei Stunden einfach nur am Ufer gehockt und habe Meer „aufgesogen“ … und gleich einen extra Blogbeitrag „Meer“ dafür gemacht 🩵💙🩵💙🩵

Danach sind wir einkaufen gegangen, diesmal Carrefour, bis jetzt der beste Supermarkt dieser Reise. Auf dem Rückweg sind wir auch noch in den lokalen, chinesischen Supermarkt. Warum? Das verrate ich erst am Ende dieses Beitrags 😉

Nach dem einkaufen fahren wir nach Stilo, ein kleines Dorf in den Bergen, das sehr unter den letzten grossen Erdbeben gelitten hat.

Dort gibt es eine byzantinische Kirche aus dem 10. Jahrhundert, die alle Erdbeben und Kriege überlebt hat.

Die Kirche „Cattolica“ ist winzig und hat fünf Kuppeln, sie ist komplett aus Ziegeln gebaut.

Auch innen ist der kleine Raum sehr stimmungsvoll, es sind Reste von Fresken sichtbar und man kann die Art und Weise, wie gemauert wurde, ganz genau sehen. Beeindruckend!

Auch die bergige Landschaft hier gefällt uns, wir wundern uns aber über das breite fast ausgetrocknete Flussbett im Tal. Der Mann von der Cattolica erklärt uns, dass weiter oben Stauseen errichtet wurden und dass, ausser bei viel Regen, nur wenig Wasser durchgelassen wird.

Wir hatten übrigens wieder Glück. Bei der Rückfahrt kreuzen wir mehrere Cars voller Touristen, die auch die Cattolica besichtigen wollen. Wir waren allein da☺️

Bevor wir aber zurückgefahren sind, schauen wir uns noch eine andere Kirche im Dorf an. Dort ist offensichtlich alles vorbereitet für ein Fest zu Ehren des Heiligen Georg, San Giorgio Martina , des Drachentöters.

… und wir essen noch ganz feine Glacé in einer für uns neuen Form: in einer brioche! Lecker 😋😋😋

Am Abend haben wir gemütlich am Campingplatz lecker Seafood, Salami und Tarallini gesnackt, bis wir gar nicht mehr richtig Znacht essen wollten. Mit Cirò, dem lokalen Wein aus Sizilien und Süditalien, haben wir unsere neuen (vom Chinesen) richtigen Weingläser (aus Glas – die Plastikbecher haben einfach genervt) eingeweiht und sind noch lange draussen sitzen geblieben.


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6 Antworten auf „An Sizilien vorbei und um die Stiefelspitze herum

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  1. Liebe Sue, vielen Dank für deine ausführlichen Reisebeschreibungen! Ist ja ganz toll was ihr alles erlebt und sehen könnt!
    Die Leute sind da sicher ziemlich arm und leben in einer ganz anderen Welt als wir. Berindruckt hat mich die kleine Kirche mit ihren Kupeln. Da muss es auch Künster haben, die solche Bauwerke zu Stande bringen.
    Du gibst dir viel Mühe und so kann ich in Gedanken mit euch reisen
    Vielen Dank und weiterhin tolle Abenteuer. Gruss Eri😘😘

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  2. Ja ihr Lieben , ich schliesse mich Erika an! Super Berichte und Fotos. Ich fühle mich auch mit euch in den Ferien.
    Aber – was ist jetzt mit der Auflösung zum Chinesischen Supermarkt am Ende des Beitrags? Gabs ein Suchbild? Hab ich was verpeilt? Bin doch gespannt wie ein Flitzebogen…

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    1. Liebe Agi, beim Chinesen haben wir für 3.75 Euro 6 richtige Weingläser aus richtigem echten Glas gekauft 😎😎😎 siehe „Symbolbild“

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