Wir fahren Richtung Norden, zuerst durch den riesigen Wald des Naturschutzparks Gargano (die Strassen wie so oft sehr kurvig und in teilweise abenteuerlichem Zustand).






Nach etwa 5 1/2 Stunden Fahrt, grösstenteils leere Autobahnen, kommen wir bei Hansruedi und Fleurie in Trevinano an und dürfen auf der grossen Wiese beim Pisciarello campieren. Man hört hier nur Vögel, Insekten, die beiden Maremmaner Hunde und den Wind. Ah ja… und den Regen, der immer wieder kommt und geht.





Am ersten Abend essen wir in der Dorfbeiz von Gian-Franco, fein und sehr authentisch italienisch! Zu viert geniessen wir eine Tagliata von verschiedenen Vorspeisen und Teigwaren und beenden die Schlemmerei mit millefoglie und caffè con Grappa /Amaro del capo😊

Am zweiten Tag machen wir nicht viel. Es regnet weiterhin ab und zu. Andy fotografiert den Wiedehopf und ein Fasanenpärchen (zum Glück hat er die gute Nikon mit dem Sigma-Teleobjektiv dabei). Ich fotografiere die Hühner.







Ich fahre mit Hansruedi und Fleurie nach San Casciano dei Bagni, dem für seine Heilquellen bekannten Kurort, hier ganz in der Nähe. Ein herziges Städtchen mit wunderbarer Aussicht in die toskanische Landschaft!





Einige der heissen Quellen sind frei öffentlich zugänglich. Das „bagno grande“ ist unterhalb des Städtchens mitten in der Natur und gleich neben einer bedeutenden archäologischen Ausgrabungsstätte.






Im Schlamm der heißen Quellen wurden im Herbst 2022 zwanzig grosse und sehr gut erhaltene Statuen aus Bronze gefunden, ebenso zahlreiche Münzen und weitere Gegenstände. Es handelt sich um eine der grössten und bedeutendsten Ausgrabungen in Italien. Hier ein offizielles Foto von oben: Archäologie und „Badi“ in nächster Nähe!

Aus dieser Zeit gibt es sonst vor allem Figuren aus Terrakotta. Die gut 2000 Jahre alten Bronze-Kunstwerke waren Teil einer Tempelanlage. Die zweisprachigen Inschriften sind noch sehr gut lesbar. Sie lassen vermuten, dass Etrusker und Römer sich die heilenden Quellen friedlich miteinander teilten, obwohl die Übergangszeit von der etruskischen zur römischen Herrschaft in Italien sonst stark von kriegerischen Auseinandersetzungen geprägt war.

In Casciano soll nun ein neues Museum für die spektakulären Funde entstehen. Wer weiss, wie lange die heissen quellen in diesen mittelalterlichen „Bagni“ noch zugänglich bleiben?

Es regnet immer wieder mal… Badekleid und -Tuch wollen gar nicht trocken werden… gegen Abend wird es besser und nach einer interessanten Hausführung verbringen wir einen fröhlichen Abend mit lustigen Geschichten miteinander.


Cara und Bianca, die beiden Wachhunde, passen gut auf das Podere auf. Sie bellen in der Nacht sogar die Glühwürmchen an😉



Davon habe ich kein Bild (deshalb die Animation aus dem Internet)! Bevor der Vollmond kommt, spazieren wir noch kurz im Garten und beim Tor herum und tatsächlich: Je länger wir hinschauen, desto mehr „Lucelli“ entdecken wir. Kleine, fliegende und blinkende Irrlichtlein auf der Suche nach einem Partner – ein zauberhafter Moment!

Ich habe erst einmal im Leben Glühwürmchen gesehen und das war auch hier in der Toscana. Damals Hunderte, gestern „nur“ Dutzende, aber es ist auch noch etwas zu früh anfangs Juni und es ist kühl – wir brauchen alle eine Jacke heute Abend.
Am Dienstag ist ein Besuch des „Giardino dei Tarocchi“ von Niki de Saint Phalle geplant. Auf das haben wir uns schon lange gefreut. Vorher besuchen wir noch eine weitere archäologische Ausgrabungsstätte, diesmal eine etruskische: Vulci, ganz in der Nähe des Tarotgartens.
Als wir los wollen, bemerkt Fleurie als erste, dass das linke Hinterrad viel zu wenig Luft hat.
Tatsächlich: 1/2 bar statt 3🤪🤪🤪

Wir überlegen hin und her. Reifen wechseln oder mit dem Kompressor einfach wieder aufpumpen? Ich höre ein leises Rauschen beim Rad, Andy nicht. Er denkt, es ist wegen dem Temperaturunterschied (vorher viel gefahren an heissen Tagen und jetzt 40 Stunden im Schatten gestanden) – doch das allein kann es nicht sein. Da muss noch irgendwo sonst ein Problem sein. Er zieht alle Schrauben an und kontrolliert mit dem Drehmomentschlüssel, ob bei den Felgen alles stimmt… wir finden keinen Fehler 🧐
Wir entscheiden uns, es zu riskieren ohne den Radwechsel-Aufwand und fahren los.

Caffè und sfogliati in Acquapendente, dann weiter nach Vulci. Solange wir fahren und die Pneus schön warm haben, verlieren wir gar keinen Druck, im Gegenteil: er steigt sogar ein bisschen. Wir kontrollieren regelmässig und lassen es gut sein so – das funktioniert!


Die Ausgrabungen in Vulci sind immer noch im Gang. Ich glaube nirgendwo in Europa hat man als Archäologe so gute Chancen einen Job zu finden, der auch zum Studium passt.

Seit 1837 wird hier gegraben und geforscht. Wir sehen einige Bögen, Tore und Strassen… in der deutschen Version der Broschüre wird das „monumentale Resten“ genannt😉








Interessant ist auch ein kleiner Tempel der Mithras-Religion.

Wir wandern durch den Keller einer römischen Villa. Von den Etruskern sind eigentlich nur Fundamente übrig geblieben, spätere (erfolgreichere) Kulturen haben dann darauf und darüber weitergebaut.
Wir spazieren durch den schönen Wald zu einem kleinen See und ich freue mich immer wieder über die herrlich bunten Blumen am Wegrand.





Es ist ein heisser Tag und wie schon während der ganzen Reise finden die stechenden und beissenden Insekten grossen Gefallen an mir. Hier vor Ort werden wir vor Schlangen, Wildschweinen und Stacheltieren gewarnt, wir begegnen aber auch noch ganz anderen wilden Tieren…



Für das berühmte Grabmal (das man eh nur mit Guide besuchen darf) haben wir leider keine Zeit mehr, da die Tickets für den Tarot-Garten auf 14.30 gebucht sind und wir weiter müssen.




Wir fotografieren noch ganz kurz die Teufelsbrücke und das Wasserschloss und fahren dann mit vollem Einsatz der Klimaanlage zum Niki de Saint Phalle Park. Für uns gibt’s dort zuerst Gelati und die Fotos der phantastischen und beeindruckenden Skulpturen von Niki gibt’s für euch dann in einem separaten Blog – ich muss zuerst die gefühlt 375 Fotos sortieren…😎

Auch an unserem letzten Abend in Italien sehen wir die Lucelli (Leuchtkäfer) noch einmal. Wir werden von Fleurie und Hansruedi wieder fein verpflegt, gemütlich unter den Arkaden des Pisciarello sitzend, bei diesmal eher philosophischen Gesprächen. Danke euch beiden für die tolle Gastfreundschaft an eurem wunderbaren Kraft- und Rückzugsort 😘



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Es freut mich sehr, dass Ihr es gut in Trevinano und mit HR Fleuri gehabt habt. Mir scheinen es unterschiedliche Welten, Eure Welt in aller Welt und unsere kleine Welt in Trevinano. Schön, dass sie sich so begegnen. Weiterhin eine gute Reise und liebe Grüsse
Burkhard und Cécile
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Lieber Burkhard
Trevinano ist ein wunderbarer Ort, eine Quelle der Ruhe – ähnlich geht es uns im Älpli! Während dem Reisen erleben wir die weite Welt. Aber am Ende des Tages stellen wir unser Bett (den Bus) am liebsten dort auf, wo wir eben solche Ruhe finden können💚
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Danke für Bechreibung und die vielen tollen Bilder. Eure Reise ist also rundum ein unvergesslicher Hit, super !!! Bis bald, ich freu mich!!!
Koni
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