Heimreise und Rückblick

Wir stehen früh auf, zweimal Kaffee wie immer, Reifendruck kontrollieren und bisschen auffüllen… dann geht’s heimwärts. Es ist neblig unten im Tal Richtung Lago di Bolsena und die ersten paar holprigen Kilometer bieten sensationelle Morgen-Stimmungen.

Danach wird es anstrengend (viel Verkehr), aber wir schaffen die 750 km und sind gegen 17 Uhr zuhause. Auch schön wieder daheim zu sein 😊

Fazit Italien von oben bis unten und zurück

Das Land ist wunderschön und reich an Geschichte und Kultur! Die meisten Leute, mit denen wir zu tun haben, begegnen uns freundlich und interessiert und grundsätzlich sind sie auch sehr hilfsbereit und geduldig mit meinen minimalen Sprachkenntnissen.

Das hat mich übrigens sehr genervt: Ich habe 7 Jahre Italienisch gelernt und konnte es mal richtig gut, aber das ist vier Jahrzehnte her. Jetzt verstehe ich noch einiges und die Wörter kommen langsam zurück – aber auch am Ende der Reise kann ich keinen graden Satz zusammen bringen!!! Stotternd und jedes zweite Wort suchend, ist es schlicht unmöglich, ein anständiges Gespräch zu führen. Schade!!!

… hat auch nicht geholfen, leider!

Die Italiener arbeiten auch an Feiertagen und am Wochenende, Läden und Restaurants sind offen, sogar auf dem Bau wird samstags weitergemacht. Allerdings sieht man auch viele vergammelte Häuser und Gärten und Angefangenes, das wohl niemals fertig gemacht wird.

Neu erstellte Bauten und Infrastruktur werden nicht unterhalten oder gewartet – die Investitionen haben keine Zukunft, denn ein baldiger Zerfall ist absehbar. Schade!

Besonders schlimm ist der teilweise erbärmliche Zustand vieler, auch wichtiger Strassen!
Schlaglöcher muss man überall erwarten, sogar auf der Autobahn! Da wird einfach ein Schild „kaputte Strasse“ hingestellt, aber nicht repariert oder zumindest nicht nachhaltig.

Man schimpft über die Bürokratie, aber wir vermissten manchmal schon ein gewisses Mass an Eigeninitiative und Selbstverantwortung. Wir möchten das nicht bewerten, denn wir kennen Land und Leute viel zu wenig gut um einzuschätzen, wie es wirklich ist. Aber aufgefallen ist es uns…

Nachfolgend aber schon noch ein paar konkrete Meinungen:

Campingplätze: Sehr unterschiedlich, sanitäre Anlagen oft veraltet (d.h. entweder viel Wasser oder warmes Wasser… aber sicher nicht beides), doch die Betreiber sind meistens sehr freundlich und unkompliziert. Im Mai ist eigentlich alles schon offen, sie sind aber noch nicht parat (für den Ansturm im Sommer).👍👍

Agricampeggio: Roadsurfer- und Nomady-Plätze fanden wir am besten, da hat man einfach mehr Platz 👍👍👍

Diese Aussicht vom Bett liebe ich am meisten!

Kulinarisch: Wir haben gut, sehr gut und auch fantastisch gegessen 😋😋😋

In bella Italia gibt’s echt den besten Kaffee der Welt!!! Aber auch Seafood und Pasta und Vorspeisen und Desserts vom feinsten! Fleisch hatten wir selten, war aber auch okay. An das Ding mit den primi – secondi muss man sich gewöhnen, aber es wird auch akzeptiert, wenn man zuerst mal etwas bestellt und später weiter entscheidet. Tipp: nach Suggestioni (Empfehlungen des Personals) fragen – das lohnt sich!!! 👍👍👍

Natur: Italien hat so viel zu bieten! Vom Meer bis zu hohen Bergen ist alles dabei. Wir hatten grosse Freude an den vielen Vögeln, die man bei uns kaum mehr sieht oder hört, z.B. Wiedehopf, Eulen und Fasan! Nicht alle konnten wir fotografieren, da waren die Käfer und Eidechsen doch einfacher „einzufangen“.

Sehr schöne, grosse Wälder, auf den Wiesen, Äckern und am Strassenrand wachsen überall Mohn und Ginster, in den Ortschaften und an den Strassen Oleander, Rosen, Kakteen und die betörend duftenden Jasmin– und Klebsamen-Sträucher (leider beide überhaupt nicht winterhart) 👍👍👍

Das Meer (vor allem im Süden) ist türkis und wunderschön, glasklares Wasser, die Küste oft spektakulär mit steilen Felsen und herzigen, versteckten Buchten, die Strände sauber und gepflegt 👍👍👍

Viele dicht bewaldete Berge und Täler, kurvige Strässchen mit plötzlichen überraschend schönen Ausblicken, Dörfer die an den Hängen oder ganz zuoberst kleben, enge Strassen und halb verfallene Gebäude, dann wieder hübsch zurecht gemachte Villen…👍👍

Dreck und Müll: Richtig schlimm finden wir, dass wirklich überall, besonders im Süden, sehr viel Abfall herumliegt!!!👎👎👎

Olivenbaum-Krankheit: Man sieht sehr viele Bäume, die oben oder schon total verdorrt sind. Manchmal wird grad gerodet und neu angepflanzt, es gibt Sorten von Olivenbäumen, die sind weniger betroffen. Oft werden grosse, alte Bäume auch nur stark zurückgeschnitten, manchmal treiben sie dann unten wieder aus.

Die Xylella-Bakterien, die ganze die Plantagen im Rekordtempo zerstören, werden von Insekten übertragen. Es gibt nicht wirklich ein Heilmittel dagegen. Nicht alle Bäume sterben, aber Ertragsausfall hat jeder Olivenbauer, wenn die Krankheit bei ihm ankommt. Sie breitet sich von Süden nach Norden aus und betrifft übrigens nicht nur Olivenbäume, sondern auch Zitruspflanzen, Weinreben, Pfirsich-, Kirsch- und Mandelbäume, Rosmarin, Oleander und sogar Kaffeepflanzen! Für die betroffenen Bauern (und schlussendlich auch für uns) ist das ein Albtraum! 😢😢😢

    Verkehr: Den Velofahrer auf der Autobahn (kein Witz!!!) habe ich leider nicht fotografieren können! Aber ganz grundsätzlich ist Autofahren in Italien schon ein Erlebnis der ganz speziellen Art 🤪

    • Geschwindigkeitsangabe = fahr so schnell wie oder schneller als alle anderen!!!
    • Einfach durchgezogene Linien = sehr praktische Information bezüglich der Mitte der Strasse, damit man ungefähr weiss, wo zwischen den beiden Richtungen die dritte Spur sicher auch noch reinpasst 😂
    • Doppelt durchgezogene Linie = oh, ich habe nur eine gesehen!
    • Kurve/keine Sicht = ich überhole trotzdem!
    • Parkplatz = hier wo ich ihn brauche, da halte ich an!
    • Stopp = ich rolle da mal einigermassen vorsichtig im dritten Gang drüber…
    • Maut-Station: Der Automat frisst die „tessera“ (Kreditkarte) nicht? Oder vom Bus aus sind die Bedienelemente für PW zu niedrig und die für LKW zu hoch? = „Park“ einschalten, Gurten lösen, aus dem Seitenfenster turnen, bis es irgendwie doch funktioniert und dann mit gequetschtem Magen und überdehnten Unterarmmuskeln weiterfahren, bevor der Hintermann gewalttätig wird 🤪

    Städte (die grossen Städte haben wir ganz bewusst ausgelassen): Lucca und Tropea haben uns gut gefallen👍👍und ohne Neapel kann man halt Pompeji nicht besichtigen, aber da wir diesen super praktischen Camping gleich neben den Ruinen hatten, war Neapel auch ganz okay…

    Dass Napoli zum 3. Mal Italienischer Meister wurde, nach 33 Jahren Wartezeit , hat ganz Süditalien elektrisiert ⚽️⚽️⚽️

    Tourismus: Museen, archäologische Ausgrabungen, Burgen, Kirchen, Natur … Italien hat so viel zu bieten! Leider ist vieles schlecht organisiert, Informationen zu Öffnungszeiten etc. findet man im Netz nur spärlich und manchmal sind sie auch schlicht falsch. Vor Ort gibt’s Erklärungen und Hintergrundinformationen fast immer nur in italienisch. 👎

    Kunst und Kultur: Wir haben das Da Vinci Museum und den Tarot-Garten von Niki de Saint Phalle besucht! Beides hat uns ausserordentlich gut gefallen! Sehr empfehlenswert!!! 👍

    Matera mit den Sassi-Felsenwohnungen hat uns nicht begeistert. So schlecht haben wir uns selten irgendwo informiert gefühlt und jede zweite Sehenswürdigkeit war dann auch noch geschlossen 👎

    Alberobello mit den Trulli war herzig, aber auch sehr touristisch (vielleicht wäre das etwas kleinere Ostuni die bessere Wahl gewesen?) 👍

    Die kleine Kirche in Stilo hat uns sehr gut gefallen und das riesige Mosaik im Dom von Otranto war ganz aussergewöhnlich. Auch die winzige Kapelle auf dem Felsen in Tropea war herzig 👍

    Wir gehen gerne in Kirchen, denn Architektur und Handwerkskunst (beim eigentlichen Bau, aber auch in der Ausgestaltung und Dekoration der Räume) sind interessant, oft bemerkenswert schön und künstlerisch hochwertig! Drinnen ist es ruhig und kühl und dies erlebe ich auf Reisen als willkommenen Gegenpol zu der oft geschäftigen, lauten Stimmung draussen. Kirchen sind gute Orte um kurz innezuhalten, auch ohne persönlichen religiösen Bezug.

    Archäologie: Pompeji und Paestum waren sehr beeindruckend, Vulci etwas weniger.
    Ganz allgemein: Bei meinen Recherchen zum geschichtlichen Hintergrund (z.B. über San Casciano dei Bagni) habe ich viel gelernt!👍

    Bloggen: Es braucht viel Zeit, aber ich liebe es! Es macht mir einfach Spass unsere Erlebnisse aufzuschreiben, Hintergründe zu erforschen und das ganze auch noch fotografisch zu umrahmen.
    Ich freue mich mega, wenn ich merke, dass Leute den Blog lesen und dass er gefällt 😊

    Unser Bus: Der Innenausbau, mit den vielen Anpassungen und Veränderungen, die wir gemacht haben, ist jetzt nahezu perfekt! Jeder Quadratzentimeter wird geschickt genutzt, vieles ist multifunktional nutzbar und je nach Situation (fahren, tagsüber am Stellplatz, schlafen) sind die „Innen-Szenarien“ unterschiedlich – aber sehr schnell angepasst! Wir brauchen 10 Minuten um anzukommen und etwas länger um abfahrbereit zu sein… das könnte aber auch an unserem „Morgentempo“ liegen 😉

    Wir haben eigentlich wirklich alles dabei, was wir brauchen, und schön gemütlich ist unser Zuhause auf vier Rädern auch 😍

    Trotz teilweise grauenhaften Strassen ging nichts kaputt und die Motorisierung und Technik in unserem tollen Bus hat voll funktioniert!!! Sogar der sich verabschiedenden Reifendruck hinten links am Ende der Reise war kein Problem (dank Kompressor und guter Ausrüstung). Wir sind damit noch beinahe tausend Kilometer herumgefahren und sicher zuhause angekommen 👍

    Dank Andy: Er bleibt ruhig, handelt überlegt und besonnen. Er weiss was (und wie es) zu tun ist ❤️ es kommt immer gut!

    Das war der Missetäter – zuhause hat Andy das Rad dann doch noch gewechselt und ihn gefunden🤪🛞🧐

    Süden vs. Norden: Andy mag den Norden lieber, die eher zurückhaltende Art der Menschen, den Platz, die Sauberkeit und Verlässlichkeit… Ich mag die Wärme des Südens, die Düfte, das Flattern der Wäsche an den Balkonen, das leckere Essen, das Mittelmeer-Ambiente… – aber der Dreck und die Unzuverlässigkeit stören mich auch!

    24/7 Zusammenleben auf engstem Raum: Mit Wohlwollen, Geduld, Toleranz und gegenseitiger Wertschätzung, mit Offenheit für die Anliegen und Bedürfnisse des Gegenübers ist der fehlende Platz nicht mehr wichtig. Und das bringen wir mit. Beide. Und wir sind auch organisiert!!! Platz haben wir nämlich eigentlich genug, sogar für die Dreckwäsche, bis zum letzten Tag! Man muss nur wissen wie 😉

    … und dieses herzige Video machte klar, was neben viel ❤️❤️❤️ auch noch wichtig ist😉

    Zeit haben: Es bräuchte eigentlich mehr Ruhetage und mehr Pausen, wenn man so viele Eindrücke verarbeiten soll. Auch diese Reise war toll und wir haben so viel schönes und interessantes erlebt. Aber es war auch ein bisschen zu wenig erholsam, zu stressig, zu viel in zu kurzer Zeit! Das müssen wir noch besser hinkriegen. Und das werden wir auch, da habe ich keine Sorge, sobald kein „Ablaufdatum“ mehr dran ist und wir selber entscheiden können, wann wir wieder zuhause sein wollen.

    Wir freuen uns beide ganz fest auf den Sommer 2025, auf den Ruhestand nach all den Jahren Arbeit, weil wir dann beim Reisen endlich einfach mehr Zeit haben und es ruhiger angehen können. Auch dann wird es uns sicher nicht langweilig!

    Danke fürs mitreisen!
    Nun wird es wieder eine Weile dauern bis zum nächsten Blog… see you then 👋👋

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