Waterford

Die mittelgrosse Stadt ist DIE Wikinger-Hauptstadt Irlands. Sie wurde 914 vom Normannen Ragnall (Reginald) gegründet und zwar als möglicher neuer Lebensmittelpunkt, da der Ort strategisch sehr gut für Handel, Raubzüge und Verteidigung gleichermassen geeignet war.

Die Stadt wird heute als „pulsierende Mischung aus engen Straßen, mittelalterlichen Mauern und charmanten Cafés“ beschrieben. Wir wollen uns die Spuren der Wikinger anschauen.

Unterwegs fahren wir über die neue Rose Fitzgerald Kennedy Bridge bei New Ross nach Waterford zahlen wir plötzlich Mautgebühren auf der Autobahn und wir müssen auch auf eine Fähre, weil die Strasse einfach aufhört. Kein Problem, wir lieben Fähren, aber 14 Euro für 7 Minuten ist doch ein anständiger Preis.

Wir parkieren beim Hafen und finden den berühmten Reginalds Tower sofort. Zuerst wollen wir aber noch etwas shoppen und auch etwas essen, wir haben beide Hunger.

Die Stadt wirkt, um 11 Uhr, wie ausgestorben. Viele Geschäfte sind geschlossen, viele Billig-Läden und Thrift-Shops, wenig Fussgänger und einige homeless people… es scheint als hätte diese Stadt auch schon bessere Zeiten gesehen!

Zum ersten Mal seit wir in Irland sind, vergewissere ich mich, ob bei der Handtasche alle Reissverschlüsse zu sind.

Wir besichtigen die eventuell älteste* katholische Kathedrale in Irland: Waterford Cathedral of the most holy Trinity! Und natürlich müssen wir uns davor auch auf die beiden coolen Sessel-Skulpturen vornedran hinsetzen und ein Foto machen 😉 Sie zeigen Strongbow und Aoife, die hier 1170 geheiratet haben.

*=Die Quellen sind sich da nicht einig…

Diese Kirche ist anders als die meisten: Hell, luftig und nichts ist abgesperrt. Wirkt irgendwie freier und auch freundlicher.

Meine Recherchen zur wichtigen Hochzeit: Aoife war die Tochter von Dermot MacMurrough, König von Leinster. 1168 arrangierte ihr Vater ihre Heirat mit Richard de Clare (Strongbow) als Gegenleistung für militärische Unterstützung der Anglonormannen. Nach dem Brehon-Gesetz durfte eine irische Frau nicht zur Heirat gezwungen werden, daher wird angenommen, dass Aoife der Vereinbarung zustimmte. Sie dürfte damals etwa siebzehn Jahre alt gewesen sein. Die Heirat fand nach der Eroberung der Stadt Waterford im August 1170 statt. Strongbow und Aoife hatten einen Sohn, Gilbert, und eine Tochter, Isabella.

Gilbert starb um 1185 und 1189 wurde Isabella, nun Strongbows Erbin, dem englischen Regenten William Marshal Earl of Pembroke zur Frau versprochen. Dazu habe ich schon beim Tinternparva Abbey-Beitrag mehr geschrieben.

Die Hochzeit von Strongbow und Aoife bewirkte schliesslich, dass die Präsenz der Anglo-Normannen in Irland jahrhundertelang wieder viel stärker wurde.

Wir trinken irgendwo einen feinen Espresso und laufen weiter durch die Gassen, aber auch nach 12 Uhr sind die meisten Restaurants noch geschlossen. Gegen 13 Uhr finden wir aber doch einen geöffneten Pub und essen dort Fish &Chips und ein Chicken-Wrap. Vielleicht waren wir einfach zu früh unterwegs?

Was uns gefällt: Es hat viele grosse schöne Murals und Street Art überall.

Beim Reginalds Tower und auch unterwegs in der Stadt stehen verschiedene hölzerne Wikinger-Skulpturen und wir finden noch witzige Bänkli-Installationen. Lustig finde ich auch die kleine Marotte der Iren, an geschichtsträchtigen Orten passende Lego-Szenen zu verstecken 😉

Die Ausstellung im Turm haben wir besichtigt, lohnt sich aber nicht wirklich. Am meisten bleibt wohl das extrem enge Treppenhaus in Erinnerung: Richtig mittelalterlich!!!

Wir verlassen Waterford und ich fahre auf sehr schmalen, kurvigen Strässchen durch schöne Wälder und auf und ab geht es auch noch ziemlich etwa eine Stunde bis nach Tipperary auf die Apple Farm, unserem nächsten Übernachtungsplatz. Hier gibt es saubere Duschen mit schön heissem Wasser und so kann ich gut Haare waschen. Sogar der Fön funktioniert, nachdem wir den richtigen Adapter gefunden haben. Andy kocht ein leckeres Gschmeus (Cervelat, Brotwürfeli, Zwiebeln, Ei) und heute Nacht schlafen wir ohne Wind und Sturm viel besser👍

Am nächsten Morgen beim Schreiben fällt mir auf, dass es schon erstaunlich ist, was man aus einem mittelmässigen Ausflug blog-technisch alles herausholen kann – die historische Einordnung, die mich halt einfach sehr interessiert, hilft dabei natürlich 😉😉😉


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